Unterricht vorbereiten

Unterrichtsvorbereitung zielführend meistern

Unterrichtsvorbereitung

Lehrpläne und Rahmenrichtlinien setzen zwar mehr als genug Impulse für den Unterricht. Doch wie gelangt man von den theoretischen Vorgaben zu einer methodisch und didaktisch strukturierten Unterrichtsstunde? Was müssen Lehrerinnen und Lehrer alles berücksichtigen und wie hat das Internet die Unterrichtsvorbereitung verändert?

882.540 Materialien online –kritische Auswahl ist gefragt
„Man kann lernen, gut zu unterrichten. Man kann erst recht lernen, sich gut auf seinen Unterricht vorzubereiten“, so Hilbert Meyer in „Leitfaden Unterrichtspraxis“. Gerade für Berufseinsteiger ist diese Aussage tröstlich, denn die Unterrichtsvorbereitung und ihr Praxistest sorgen am Anfang nicht selten für Überforderung. Doch auch erfahrene Lehrkräfte sollten ihre Vorbereitung immer wieder reflektieren – so vermeiden sie, zu oft auf Bewährtes zurückzugreifen, in Routine zu verfallen oder Materialien auszuwählen, die versteckte Werbung enthalten.

Unterrichtsrhythmus, Methoden, Kompetenzen
Unterrichtsvorbereitung ist ein komplexer Vorgang, der gelernt sein will – und dieser Lernprozess hört nie ganz auf. Kernlehrpläne oder Rahmenrichtlinien befassen sich mit Prinzipien, sagen aber wenig zur Gestaltung des Unterrichts. Schulinterne Curricula werden häufig schon konkreter. Prinzipiell sind aber die Lehrkräfte selbst gefragt: Sie müssen theoretische und vor allem praktische Kompetenz entwickeln und benötigen dabei auch ein Quäntchen Experimentierfreude und Mut. Zur Unterrichtsvorbereitung gehört die Planung der konkreten Stunde oder Unterrichtseinheit. Die Arbeit mit Instrumenten wie Planungsrastern oder Stundenzetteln kann auch noch erfahrenen Lehrern eine Hilfe sein. Einerseits geht es darum, den richtigen Stundenrhythmus zu finden – mit Einstieg, Erarbeitung und Ergebnissicherung.

Vor allem aber müssen sich Lehrkräfte auf das Ziel und die im Zentrum stehende Aufgabe fokussieren und diese bei der Vorbereitung immer im Blick haben. Es gilt, dass Thema einer Stunde didaktisch und methodisch zu durchdringen: Kompetenzorientierung hilft zwar dabei, genügt alleine aber nicht. Wer seinen Unterricht erfolgreich vorbereiten will, sollte sich daher ein möglichst reiches Repertoire an Methoden zulegen. Von einem „Methodenfeuerwerk“ in einer einzelnen Stunde ist jedoch abzuraten – Lehrer wie Schüler müssen erst einmal lernen, mit einer bestimmten Methode zu arbeiten. Grundsätzlich kann festgehalten werden: „Wozu“, „Was“, „Wann“, „Wie“ und „Womit“, „Wer mit Wem“ und auch „Wo“ – das sind die Fragen, die sich Lehrkräfte bei der Vorbereitung stellen. Die Lernvoraussetzungen der Schüler müssen ebenfalls berücksichtig werden. Unterricht ist aber immer vielschichtig und wird bei aller Planung stets Überraschungen bereithalten – auch darauf müssen sich Lehrer einstellen.

Orientierung in der Materialfülle
Die inhaltlichen, didaktischen und methodischen Entscheidungen müssen konkretisiert werden – dazu benötigen Lehrerinnen und Lehrer Materialien. Die Lehrwerke sind Leitmedium und ersetzen die eigene Planung nicht. Häufig nutzen Lehrkräfte das Internet bei der Materialsuche, besonders, wenn es um aktuelle Themen geht. Und sie werden fündig – laut einer Studie der Universität Augsburg umfasste das Angebot 2012 rund 882.540 Materialien von rund 500 Anbietern. Nicht immer ist offensichtlich, wer die Materialien mit welchem Ziel anbietet – Lehrkräfte müssen sich hier selbst in Medienkritik üben. Dies gilt auch für den Umgang mit Wikipedia. Außerdem muss das Urheberrecht bei allen Medien beachtet werden. Die Fülle des Angebots erschwert die Auswahl, die dann noch didaktisch reduziert und auf die jeweilige Lerngruppe zugeschnitten werden muss.

Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen hilft, bereits didaktisch aufbereitetes und vertrauenswürdiges, werbefreies Material zu finden. Auch die Bildungsserver, Fachliteratur, Angebote der Verlage, Tauschbörsen, Blogs und Foren unterstützen dabei. Bei der Auswahl hilft es, das Material immer mit dem Ziel der Stunde abzugleichen: Passt es wirklich zum Thema und zum Niveau der Lerngruppe, ist es in der Zeit bearbeitbar und steht überhaupt die nötige Technik zur Verfügung? Wie auch bei den Methoden gilt hier: Die Schüler sollten nicht überfrachtet werden, wohl aber können sie beim kritischen Blick auf die Medien eingebunden werden.

Material organisieren und langfristig planen
Um bei der Unterrichtsvorbereitung persönliche, zeitliche und finanzielle Ressourcen zu sparen, hilft es, den Arbeitsplatz entsprechend zu organisieren und einen Fundus an Lehrbüchern und Materialien aufzubauen. Dabei können die Arbeitsblätter, Bilder, Fragen, Folien und Texte je nach Vorliebe archiviert werden – wichtig ist vor allem, eine Ordnungsstruktur zu wählen und dann auch konsequent einzuhalten. Übersichtlichkeit hat hohe Priorität – kreatives Chaos lässt sich zwar nicht immer vermeiden, Zwischenablagen sollten sich aber nicht zu hoch türmen. Wer es schafft, langfristiger zu planen, beispielsweise die Wochenplanung im Voraus zu machen, mindert Aufwand und Stress.

Routinen durchbrechen
Unterricht will geplant sein. Mit der Zeit schleifen sich jedoch Routinen ein: Dann können beispielsweise Kreativitätsmethoden dabei helfen, solche Kreisläufe zu durchbrechen. Bei aller Planung sollte aber ein anderer zentraler Punkt nicht vergessen werden: Die Beziehung zwischen Lehrkräften und Schüler/innen, die emotionale Ebene, trägt ganz entscheidend zum Verlauf des Unterrichts und zum Lernen bei. Lehrkräfte sind eben mit ihrer ganzen Person gefragt, das macht den Beruf so fordernd wie anregend. Angesichts dieser dauernden Herausforderung kann es auch nicht schaden, ab und zu eine Stunde ungeplant zu lassen – locker und entspannt zu sein, ist manchmal die beste Vorbereitung.