Der Computer ist im Schulalltag angekommen

Schule digital Lehrer und Schüler am Computer

Es ist praktisch, es spart Zeit. Nahezu alle Lehrer arbeiten mit einem PC. Eine Umfrage der Bitkom macht deutlich: Zur Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts, zur Verwaltung der Noten und weiteren organisatorischen Aufgaben kommt stets ein PC zum Einsatz; wenn auch meistens der private Computer im Lehrerhaushalt. Lehrerinnen und Lehrer haben also keine Berührungsängste mit der neuen Technologie. Die meisten besitzen zudem ein Smartphone oder Tablet und benutzen es im privaten Bereich. Umfragen belegen auch: 46 Prozent der Lehrer haben eine Fortbildung zu digitalen Themen besucht. Und die Hälfte aller Lehrer wünscht sich weitere Bildungsangebote zu digitalen Themen. Nun, die andere Hälfte der Lehrerschaft möchte das nicht, auch das ist Schulalltag.

Schnell mal nachschlagen
Die meisten Schülerinnen und Schüler nutzen das Internet regelmäßig, zur Kommunikation in den sozialen Medien. Um sich Informationen für ein Referat oder Hausaufgaben einzuholen, zücken sie kurzerhand das Tablet oder das Mobiltelefon und geben ein Suchwort ein. Wenn doch die Schulgemeinde wie selbstverständlich mit Computertechnik und neuen Medien, mit sozialen Netzwerken und Internetdiensten umgeht – wie kommt da die ‚International Computer and Information Literacy Study‘ (ICILS) zu dem Ergebnis, dass 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler nur minimale Kenntnisse im Umgang mit neuen Technologien haben? Schulforscherin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn, an der Erarbeitung der ICILS-Studie beteiligt, kommt zur Einschätzung: „Was die Nutzung neuer Technologien in den Schulen angeht, liegen wir international auf dem letzten Platz.“

Möglichkeiten der Digitalisierung - Dominanz der Kreidetafel
So selbstverständlich digitale Medien zur Unterrichtsvorbereitung und bei der Präsentation von Schülerreferaten sind, im täglichen Unterricht fristen sie noch ein Randdasein. Nur die Hälfte aller Schulen ist mit Whiteboards ausgestattet. Und dann werden sie meist nur als Ersatz der Kreidetafel eingesetzt, präsentieren geschriebenen Text des Lehrers und Arbeitsblätter. Aber der Vorteil eines Whiteboards kommt erst zum Tragen, wenn man die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt.

Ratgeber für den Unterricht
Lückentext, Punktabfrage, digitale Schaubilder, Audiobeiträge, kollaboratives Schreiben, interaktive Zeitleiste – an Möglichkeiten, den Unterricht abwechslungsreich und motivierend zu gestalten, fehlt es nicht. Wer Tipps sucht: Fachportale und Lehrer-Blogs liefern Anregungen und Material. Internetportale stecken voller Beispiele, eine Unterrichtseinheit einmal mit aktiver Schülerbeteiligung durch neue Medien zu gestalten. Buchreihen, Webinare, aber auch Fortbildungen an den Akademien liefern praktische Hinweise. Die besten Tipps geben Lehrer selbst, wenn sie von ihren Erfahrungen mit digitalen Medien berichten: Wie sie den Technik- und Medieneinsatz organisieren, Material beschaffen und verwalten, Medien individuell zuschneiden und didaktisch einsetzen, mit technischen Problemen fertig werden und dabei die Schüler begleiten und ihre Leistungen bewerten.

Individualisiertes Lernen
Mit Unterrichtsmaterialien und mit Anregungen zur Methodik sind die Möglichkeiten längst nicht erschöpft. Einige Schulen machen es bereits vor: Im Matheunterricht an der ‚David A. Boody-Schule‘ in New York erlernen die Jugendlichen in einem Jahr den Stoff, für den im Lehrplan 1,5 Jahre veranschlagt sind. Die Schüler und Schülerinnen werden nicht mehr frontal unterrichtet sondern individuell gefördert, sie bestimmen ihr Lerntempo selbst.

Möglich wird das durch digitale Übungs- und Trainingsprogramme. Löst ein Schüler eine Aufgabe, bekommt er vom Programm gleich ein Feedback und entsprechend seinem Wissensstand weitere Übungen geboten. Auch in den Fremdsprachen erweisen sich digitale Vokabel- und Grammatiktrainer als effektiv. Das Programm merkt sich die Fehler und Schwächen und bringt in einer Mischung aus Wiederholung und neuem Lernstoff Übungen auf den Bildschirm, bis das Wissen verankert ist. Jede Lerneinheit schließt mit einem kurzen Test.

Übrigens sind 77 Prozent der Lehrkräfte laut einer Bitkom-Umfrage der Meinung, individualisiertes Lernen sei mit digitalen Medien besser zu meistern. Studien haben bereits in den 1980er Jahren die Effizienz der Lernprogramme bestätigt (siehe hierzu die Metastudie von Alan Cheung und Robert Slavin, Link im Anhang). Wenngleich die Untersuchungsergebnisse sehr differenziert betrachtet werden müssen. Digitale Lernprogramme sind keine Selbstläufer, dem Lehrer kommt als Mentor eine entscheidende Rolle zu.

Zukunftsmusik: Smart Education
Softwaregesteuertes Lernen erlebt momentan in den USA einen Boom. Die Investitionen in die so genannte „Smart Education“, in Bildungstechnologie, sind stark gestiegen. Mit Unterstützung der Algorithmen erkennt ein Lehrer schnell, welche Schülerin höhere Anforderungen meistert und welcher Schüler einen Lernstoff wiederholen sollte. Über die digitale Plattform verwaltet der Lehrer nicht nur Lerneinheiten im Unterricht. Auch der Leistungsstand wird dokumentiert und sowohl Schüler als auch Eltern können sich daran orientieren.

Voraussetzung ist, dass die Schule eine digitale Plattform bietet, um die ganze Bandbreite an Hardware einzusetzen. Wenn Schüler ihre privaten Notebooks und Tablets nutzen können, muss der Schulträger über eine Investition weniger nachdenken. Das Konzept wird in der Fachwelt unter der Bezeichnung „Bring your own device” (BYOD) diskutiert und an einigen Projektschulen in Deutschland praktiziert.

Lernszenarien in der digitalen Welt
Zur Erinnerung: Vor mehr als zwei Jahrzehnten, im Jahr 1995, hat die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. ‚Multimedia‘ zum Wort des Jahres gekürt, noch vor den Begriffen Reichstagsverhüllung, Datenautobahn und Rechtschreibreform. Damals standen Forderungen nach Computerräumen und einem PC im Klassenzimmer im Raum. Und seit über 20 Jahren ist nun die Diskussion im Gange, ob neue Medien in der Schule sinnvoll eingesetzt werden sollen oder nicht. Für die einen wird mit neuen Medien der Unterricht automatisch besser, für die anderen ist damit der Untergang unserer Kultur besiegelt, uns droht digitale Demenz.

Die technische Entwicklung ist unterdessen in rasantem Tempo vorangeschritten. Die Vision, dass jeder Mensch einen eigenen Personalcomputer nutzt, ist überholt. Die Miniaturisierung des Mikrochips hat dafür gesorgt, dass ein Mensch gleich mehrere Computer besitzt – Tablet und Smartphone sind die prominenten Vertreter der neuen Computergeneration und im Alltag schon jetzt allgegenwärtig. Zudem sind diese Geräte sofort einsatzbereit, müssen nicht mehr hochgefahren werden. Zum Leidwesen aller Bildungsplaner kennt die technische Entwicklung keinen definitiven Standard. Virtual Reality oder Augmented Reality könnten die nächste Entwicklungsstufe darstellen. Noch befinden wir uns mit VR-Brillen und grober Grafik ganz am Anfang. Aber Computermodelle einer biologischen Zelle, molekulare Strukturen in der Chemie oder physikalische Phänomene kann man damit noch genauer betrachten.

Mit Pragmatismus ins digitale Zeitalter
Über eine Welt ohne digitale Medien zu diskutieren ist müßig; Lehreinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits mit Computern. Ein nüchterner Pragmatismus im Umgang mit digitalen Medien scheint am ehesten angebracht. Die Gefahren liegen eher im Zeitverlust und der Möglichkeit, bei Recherchen schnell in der weiten Welt des Internet abzugleiten. Die Vorteile sind ein verbesserter Zugriff auf Wissensinhalte, individualisierte Lernformen und mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Unterm Strich erweitern Lehrer mit digitalen Medien ihren Handlungsspielraum und damit die Lernwelt der Schüler. Wie es geht, das zeigen Lehrerinnen und Lehrer schon jetzt im täglichen Unterricht. Die zahlreichen Beiträge in Lehrer-Blogs dokumentieren die Arbeit – und machen Mut, digitale Medien effektiv einzusetzen.

Literatur-Tipps

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Individuell fördern mit digitalen Medien. Chancen, Risiken, Erfolgsfaktoren. Gütersloh 2015.