Umfrage zum neuen Bildungsplan BW
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Zwischen Krieg und Klassenzimmer
Wie Kinder aus geflüchteten Familien Deutsch lernen

Provisorische Bedingungen für den Deutschunterricht mit Flüchtlingskindern sind keine Seltenheit. Keine geeigneten Räume, zu wenig Zeit und Schüler auf ganz verschiedenen Lernniveaus...

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Lernen in Willkommensklassen

Sie heißen Willkommensklassen oder Begrüßungsklassen, Migrationsklassen, Übergangsklassen, Sprachlernklassen oder Seiteneinsteigerklassen, Vorbereitungsklassen, Deutschförderklassen, Vorkurse oder Auffangklassen. Je nach Bundesland tragen die Lerngruppen für Sprachanfänger einen anderen Namen, doch sie alle haben das gleiche Ziel: Kindern und Jugendlichen, die neu in Deutschland sind, wenige oder keinerlei Deutschkenntnisse besitzen, den Start in dem für sie fremden Land zu erleichtern und sie behutsam in unser Schulsystem zu integrieren.

Dank der UN-Kinderrechtskonvention haben Flüchtlingskinder das Recht auf uneingeschränkten Zugang zum deutschen Bildungswesen, doch wie die Bundesländer die Beschulung regeln, können sie weitgehend selbst entscheiden. In Nordrhein-Westfalen steht zum Beispiel für eine Sprachklasse von circa 15 bis 18 Kindern und Jugendlichen in der Regel eine halbe Lehrerstelle zur Verfügung.

Verlässliche Zahlen, wie viele Schüler bundesweit in Willkommensklassen lernen, gibt es zurzeit nicht, während eines Schuljahres ist die Fluktuation hoch. In Berlin werden beispielsweise rund 3.600 Schüler in 317 besonderen Lerngruppen für Sprachanfänger unterrichtet (Stand: Dezember 2014). Die Belegung der Lerngruppen hat sich damit nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Bildung seit 2012 verdreifacht.

Schulen, die Lernanfängerklassen für die Neuankömmlinge eingerichtet haben, bemühen sich darum, dass die Kinder spätestens nach einem Jahr am Regelunterricht teilnehmen können. Doch diese Vorgabe stellt in der Praxis oft eine hohe Hürde dar.

Lehrerinnen und Lehrer, die im Unterrichten für Deutsch als Fremdsprache (DaF) oder als Zweitsprache (DaZ) qualifiziert sind, kümmern sich nicht nur darum, den Jungen und Mädchen unterschiedlicher Herkunft grundlegende Sprachkenntnisse zu vermitteln. Sie sollen darüber hinaus dabei helfen, dass sich die Kinder in der Klassengemeinschaft wohlfühlen, Vertrauen schöpfen und mit der Zeit einen Zusammenhalt entwickeln – auch um perspektivisch immer besser miteinander zu lernen und Fuß zu fassen.

Hohe Anforderungen für das Lehrpersonal, denn: Zum Teil sind die Jungen und Mädchen traumatisiert, haben eine strapaziöse Flucht hinter sich und in ihrem Herkunftsland schlimme Dinge erlebt. Das zu erkennen und angemessen damit umzugehen, erfordert häufig mehr als eine gute pädagogische Ausbildung und Erfahrung im interkulturellen Umgang mit Lernanfängern.

Umso wichtiger ist es, angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen und Migranten, die nach Deutschland kommen, die Betreuung der Willlkommensklassen weiter zu professionalisieren. Durch

  • mehr finanzielle Mittel,
  • eine personelle Aufstockung, aber auch durch
  • eine bessere Vorbereitung, Fortbildung und Betreuung der Lehrkräfte.

„Routinen und Rituale helfen vor allem anfangs beim Verstehen des Zusammenlebens und der Sprache“, heißt es im Ratgeber Deutsch als Zweitsprache – Didaktik für die Grundschule. Eine warmherzige Begrüßung, eventuell zusätzlich in der jeweiligen Muttersprache, dazu ein zugewandter Händedruck mit Blickkontakt – das sind vermeintliche Kleinigkeiten, die aber gerade beim Start in der neuen Umgebung viel bewirken können.

Freundliche Gruß- und Abschiedsrituale, gemeinsame Lieder, eine wertschätzende Haltung und eine spielerische Herangehensweise an das neu zu Lernende schaffen eine gute Basis für eine positive Entwicklung und lassen nach und nach wie von selbst erste kleine Dialoge entstehen. Ein guter Anfang für einen vertrauensvollen Lernprozess.