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Das Handy im Unterricht
Thema oder Fluch
 Für Kinder und Jugendliche sind Mobiltelefone keine Geräte, die sie zu einer bestimmten Tagszeit einschalten und nach Gebrauch wieder ausschalten. Sie sind Alltagsbegleiter geworden, wodurch sich ganz neue Formen der Kommunikation entwickelt haben. Rund 80% der 13- bis 17-jährigen sind im Besitz eines Handys. Eine Realität, mit der man sich angesichts der Omnipräsenz der Geräte im Schulalltag auseinandersetzen muss. Denn das Handy taucht sowieso im Unterricht auf, meist als Störfaktor, manchmal auch in bedrohlicheren Formen, wenn es etwa als Mittel zum Mobbing eingesetzt wird.
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| Stunden über das Handy |
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Die Wissensvermittlung über das Handy bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Was den technischen Bereich betrifft, wissen Schüler oft mehr als ihre Lehrer. Deshalb sollten Lehrer über die aktuellen und technischen Möglichkeiten der Handys informiert sein, um dialog- und handlungsfähig zu bleiben.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Versachlichung des Themas. Der Umgang mit dem mobilen Kommunikationsmittel wird von Lehrern und Pädagogen oftmals negativ bewertet. Aber es sollte zum Beispiel auch das kreative Potenzial der Handynutzung beachtet werden. Die Jugendlichen haben eine eigene Handy-Sprache mit tausenden von Zeichen entwickelt, die Kommunikation untereinander ist in höchstem Maße kreativ.
Für die theoretische Beschäftigung mit dem Handy im Unterricht können Ihnen die Vorschläge zu folgenden Bereichen als Inspiration dienen.
Selbstreflexion
Machen Sie mit den Schülern eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Es gibt keine Handys und keine anderen elektronischen Geräte zur Kommunikation.
Lassen Sie die Schüler folgende Fragen beantworten:
Wie würdest du mit deinen Freunden kommunizieren?
Was würdest du am meisten vermissen und warum?
Was wären die Vor- und Nachteile?
Die Schüler können anhand dieser Fragen beobachten, wie oft und wozu sie ihr Handy benutzen, sich fragen, wie sie sich ohne ihr Handy fühlen würden und ob sie sich ein Leben ohne es vorstellen könnten.
Technische/Kommerzielle Aspekte
Besprechen Sie, wie Schüler die Kontrolle über Kosten behalten können. Nicht nur, indem man prüft, welchen Anbieter man wählt, sondern auch, welche Kosten man selbst verursacht. Anschaulich wird das mit einem simplen Rechenbeispiel, was es z. B. im Jahr kostet, täglich zwei SMS zu verschicken.
Außerdem kann erörtert werden, wie man Kostenfallen erkennt und wie man den Empfang von unerwünschten Nachrichten und Bildern technisch abwehren kann.
Soziale Aspekte
Hier kann mit den Schülern betrachtet werden, wie sich die Formen von Verbindlichkeit geändert haben, welche Möglichkeiten der Kontrolle die ständige Erreichbarkeit darstellt und welche neuen Formen von Benachteiligung mit dem Aufkommen des Gerätes entstanden sind.
Ein weiterer Aspekt können die negativen Auswirkungen wie Belästigung oder Demütigung mittels des Handys sein, wie sie bei der Verbreitung peinlicher Bilder oder Gewaltvideos stattfinden. Wichtig für das Hintergrundwissen ist die Aufklärung der Schüler darüber, dass man, so privat Handys auch wirken, mit ihnen nicht tun und lassen kann, was man will. Für ihren Gebrauch gibt es Gesetze und Richtlinien: Von ganz selbstverständlicher Etikette, dass das Handy im Theater oder dem Unterricht ausgeschaltet sein sollte, bis hin zu Anwendungen, mit denen man sich strafbar machen kann.
Kommunikative Aspekte
Im Fach Deutsch kann man alte und neue Kommunikationsformen untersuchen.
In Sozialkunde bietet sich das Stichwort Handy an, um Mediennutzung, Verbraucherrecht, Umweltschutz, Veränderungen in der Arbeitswelt und gesellschaftliche Meinungsbildung zu thematisieren und einen eigenverantwortlichen Umgang mit medialen Einflüssen zu fördern.
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| Stunden mit dem Handy |
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Im Schulalltag bietet sich in fast jedem Fach die Möglichkeit, das Handy nicht als Thema, sondern gezielt und wertfrei als Medium einzusetzen. Für die folgenden Vorschläge wird der Einfachheit halber vorausgesetzt, dass jedem Schüler ein Handy zur Verfügung steht, und dass in Kauf genommen wird, dass Kosten für jeden einzelnen anfallen können (für SMS oder kurze Telefonate).
Im Fach Deutsch kann das Handy zur Konzentration auf die Sprache eingesetzt werden. Lassen Sie Ihre Schüler Inhalte in SMS-Form bringen, um diese dann von einem anderen Schüler rückübersetzen zu lassen. Ohne Heiterkeit wird diese Übung nicht ablaufen.
Wenn Dank „Herzlichen Glückwunsch – ich fahre noch schnell Kaugummi kaufen“ (hegl FKK) plötzlich das Geheimnis um des Philosophen Sommerurlaub gelüftet ist.
Gut verwenden lässt sich die begrenzte Menge von 160 Zeichen, um Gedichte in SMS-Länge zu verfassen. Für dieses Spiel bieten sich etliche Varianten an: Zwei Worte, die sich reimen, aber im Grund nichts miteinander zu tun haben, müssen eingebaut werden (z.B. Katarakt und Artefakt) oder ein besonders entlegenes Wort muss verwendet werden (z.B. Quastenflosser), um eine Weisheit zu formulieren. Oder die Schüler können Botschaften in Reimform versenden (Du da, ich hier, das ändern wir, komme 20.00 her zu mir.).
Der Musikunterricht lädt natürlich ein, Klingeltöne selbst zu komponieren. In der Linksammlung finden Sie den Hinweis auf eine entsprechende Software.
Im Kunstunterricht ist den Schülern erst recht keine Grenze ihrer Kreativität gesteckt. Hier können neue Icons und Zeichen entwickelt werden. Die Handykamera kann für Stunden über Photographie, Bildaufbau und die Wirkung von Licht auf Objekten genutzt werden.
Aber auch in anderen Fächern lässt sich diese Kamerafunktion des Handys einsetzen. Schüler können die Aufgabe bekommen, die manchmal abstrakten Themen der naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Mathematik und Biologie in Form einer Fotogeschichte aufzuarbeiten. Ziel einer solchen Fotostory könnte es sein, einen wissenschaftlichen Zusammenhang in der alltäglichen Auswirkung zu erklären (Die Entropie in Form des Fotos eines unaufgeräumten Zimmers).
Fachunabhängig kann das Handy von der Lehrkraft zum kurzen Feedback, Coaching oder der informellen Notenverkündung außerhalb der Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Bei Schulausflügen und Projekten kann das Handy zur Schnitzeljagd oder zur Koordination von weit verstreuten Gruppen dienen.
Oder es wird ein kleiner Wettbewerb gestartet, wer einen kurzen Text in die kürzeste SMS verpacken kann. Ebenfalls als Wettbewerb kann eine Übung für die Reaktion auf eher unangenehme Situationen, die im Zusammenhang mit dem Handy eintreten können, gestaltet werden. In kleinen Gruppen wird der Diebstahl eines Handys angenommen. Die Gruppe, die am schnellsten die Notrufnummer beim Anbieter zur Sperrung des entsprechenden Handys vorlegen kann, hat gewonnen.
Die Möglichkeiten sind unerschöpflich und bieten sinnvolle Unterrichtsaktivitäten. Lassen Sie sich von weiteren Arbeitsmaterialien und Unterrichtsvorschlägen, die wir in der Linksammlung am Ende des Artikels zusammengestellt haben, inspirieren.
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| Stunden ohne das Handy |
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Es gibt Orte, an denen Handys nichts zu suchen haben, und dazu gehört der Klassenraum.
Trotzdem stören Klingeln und das Versenden von SMS den Unterricht, und viele Lehrerinnen und Lehrer erleben das Handy im Schulalltag als Stressfaktor.
Aber es gibt Möglichkeiten, bei Störungen zu intervenieren.
Jede Schule hat eine Schulordnung, die für Lehrer wie Schüler verbindlich ist. Anordnungen und Regeln für den Umgang mit dem Handy sollten darin festgelegt sein.
Auf der Grundlage dieser Regeln können Sie als Lehrer bei Störungen handeln. Denn die Einhaltung der Schulordnung wiederum ist per Gesetz geregelt.
„Die Schülerinnen und Schüler haben die Schulordnung einzuhalten und die Anordnungen
der (…) Lehrer (…) zu befolgen (§ 42 Abs. 3 Satz 3 Schulgesetz NRW). Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Pflichten verletzen, können gemäß § 53 Abs. 1 SchulG (…) erzieherische Einwirkungen angewendet werden. Hierzu gehört ausdrücklich die zeitweise Wegnahme von Gegenständen gemäß § 53 Abs. 2 SchulG. Eine solche Pflichtverletzung liegt z. B. vor, wenn gegen (…) ein Handyverbot verstoßen wird.“
Bei erst- und einmaligem Verschicken einer SMS während des Unterrichts reicht wahrscheinlich eine Ermahnung. Wird das Handy als Spickzettel während einer Klausur genutzt, sollte sich das auf die Bewertung der Arbeit auswirken. Scheint das als Sanktion nicht angemessen, kann das Gerät konfisziert werden. Es sollte immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel beachtet werden.
Wenn sich das Problem von stressigen, aber geringen Störungen des Unterrichts durch SMSen hin zu strafbaren Handlungen verlagert, ist eine Unterbindung durch die sofortige Konfiszierung des Gerätes angebracht. Das ist der Fall, wenn Schüler die Drangsalierung ihrer Mitschüler mit der Handykamera filmen und später verbreiten, wenn heimlich mit der Handykamera demütigende Photos von Mitschülern oder Lehrern geschossen und als Druckmittel oder Mittel zum Mobbing eingesetzt werden.
Hier ist die Gesetzeslage vielschichtig, weil bei den genannten Handlungen verschiedene Straftatbestände einzeln oder in Kombination auftreten. Ohne Ausnahme strafbar sind:
- Gewaltdarstellung
- Beleidigung
- Körperverletzung
- Verbreitung gewalthaltiger Inhalte
- Verletzung des Rechts am eigenen Bild
Zu jedem dieser Punkte gibt es Vorschriften aus dem Strafgesetzbuch. Sinnvoll ist es, den Schülern einmal zu erläutern, dass sie sich mit jeder einzelnen der hier aufgezählten Handlungen strafbar machen. Für das Delikt Körperverletzung unmittelbar einleuchtend, mag es für manche überraschend sein, dass auch Beleidigung oder die Verbreitung von Bildern ohne die Zustimmung der abgebildeten Person Straftaten sind. Weisen Sie z. B. darauf hin, dass bereits die schlichte Ankündigung der Verbreitung solcher Aufnahmen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden kann. Auch derjenige, der den Akt der Körperverletzung aufzeichnet ohne selber daran beteiligt zu sein, macht sich strafbar.
Beachten Sie als Lehrer aber unbedingt, dass Sie bei Konfiszierung des Gerätes nicht das Recht haben, die Inhalte des Handys einzusehen, außer der Schüler gibt seine Zustimmung. Der bloße Besitz von Aufnahmen oder Photos solcher Art ist nicht strafbar. Das schützt auch diejenigen, die ungefragt solche Bilder zugeschickt bekommen.
Liegt eine Straftat vor, müssen Sie intervenieren. Informieren Sie die Eltern der Schüler, alarmieren Sie ggf. die Polizei und bringen Sie die Tat zur Anzeige.
Gewalttätige Schüler, die von ihnen begangene Misshandlungen von Klassenkameraden filmen lassen, können vom Unterricht ausgeschlossen werden. Ein entsprechendes Urteil fällte das Verwaltungsgericht Berlin (Az. VG 3 A 930.05).
Die Begründung des Urteils kann Ihnen bei jeder Überlegung zur Intervention von Fehlverhalten, vor allem bei massivem und strafbaren, zur Entscheidungshilfe und Unterstützung dienen:
„Bliebe ein derartiges Fehlverhalten ohne massive Strafe, würde die Schule ihre Glaubwürdigkeit und Fähigkeit zur Durchsetzung ihrer Erziehungsziele verlieren.“
Die Schule hat einen erzieherischen Auftrag und die Lehrer sind die, die ihn auszuführen haben. Dazu stehen Ihnen Mittel zur Verfügung und Sie werden vom Gesetz gestützt.
Autorin: Annika Lüders
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Unterrichtsvorschlag
Ein Unterrichtsvorschlag, bei dem in einem Rollenspiel die positiven Seiten und die Gefahren der Handynutzung reflektiert werden können.
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Arbeitsmaterialien zum Download
Neben etlichen Informationen stehen auf dieser Site Arbeitsmaterialien zu den Themen Handy-Nutzung, Tarife, Klingelton-Rallye und Jugendschutz zum Download bereit.
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Arbeitsblätter zum Thema Handy
Arbeitsblätter zur Entwicklung des Mobilfunks, Technik der Handys sowie zu den Aspekten Gesundheit, Umwelt und Mobilität.
Kostenlos zur Bestellung als Heft oder zum Download.
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Kostenlose Lehrerfortbildungen
Ein Angebot für kostenlose Lehrerfortbildungen des IZMF, die selbst zusammengestellt werden können und im gesamten Bundesgebiet stattfinden.
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Klingeltöne komponieren
Kostenlose Software, mit der Klingeltöne selber komponiert werden können. Mit Anleitung, wie es geht. Die Site ist auf Englisch.
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Hinweise des LKA
Rechtliche Hinweise und Handlungsvorschläge des LKA NRW zu Snuff-Videos
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Rechtliche Hinweise
Rechtliche Hinweise zum Thema Handy-Belästigung
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Zu den Gesetzen
Hinweise und Links zu relevanten Gesetzestexten
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Linkliste zum Thema
Ausführlich kommentierte Linkliste für Eltern und Lehrkräfte, Publikationen zum Thema Medienkompetenz und Empfehlungen für Kinderliteratur zum Thema Handy.
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Hotline für Eltern und Lehrer
Kostenlose Hotlines von T-Mobile und Vodafone mit Inforamtionen zur Thematik „Handynutzung durch Kinder und Jugendliche“. Dort erfahren Eltern z. B., wo auf den Handys Gewaltvideos gespeichert werden können und wie sich der unerwünschte
Empfang deaktivieren lässt.
T-Mobile-Hotline
täglich 8 bis 20 Uhr
0800-33 88 77 6
Vodafone-Hotline
täglich 24 Stunden
0800-172 1212
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