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Musizieren stärkt das Wir-Gefühl
von Dr. Ute Welscher

blank "Ein toller Ansatz, Musik in den Grundschulen wieder lebendig werden zu lassen", urteilte ein Lehrer über das Projekt "Förderung der Musikkultur bei Kindern. Entwicklung einer modellhaften Musikerziehung in Kindergärten und Grundschulen", das die Bertelsmann Stiftung und das nordrhein-westfälische Ministerium für Schule, Jugend Lehrer und Erzieherinnen zu qualifizieren und die Kinder durch verbesserte Musikerziehung zu fördern.

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Das Projekt link_arrow_top 
Fünf nordrhein-westfälische Schulen und zwölf Kindergärten waren beteiligt. Zehn Lehrer und elf Erzieherinnen besuchten über vier Jahre regelmäßig Fortbildungen. Die Seminare setzten sich aus verschiedenen Modulen zusammen: von Rhythmustraining, Stimmbildung, Gitarrenunterricht und Harmonielehre bis hin zur Entwicklung schuleigener Lehrpläne. Das gesamte Projekt wurde von einem Team des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Eckard König und Dr. Katja Luchte wissenschaftlich begleitet: 74 Personen - Dozenten, Kollegen, Schulleitung, Eltern, Kinder - wurden halbjährlich in Interviews und Fragebögen nach ihrer Einschätzung befragt, die im Folgenden vorgestellt wird.
Verbessertes Sozialverhalten link_arrow_top 
Dass sich Musik auf das Verhalten der Kinder positiv auswirkt, ist nichts Neues. Die Ergebnisse der Studie "Förderung der Musikkultur bei Kindern" liefern jedoch handfeste Daten darüber, wie wichtig es ist, Musik zu unterrichten. Während in normalen Klassen im Durchschnitt vier bis fünf Kinder ein Instrument spielen, sind es in den am Projekt beteiligten Klassen im Durchschnitt zehn. Während sonst vier bis fünf Kinder Noten kennen, sind es in den Projektklassen 15. Die geförderten Kinder können Rhythmen besser halten, kommen von selbst auf die Idee, ein Instrument zu lernen und singen mehr. Den im Rahmen der Projektevaluation befragten Eltern fiel auf, dass "meine Tochter in sämtlichen Lebenslagen singt: wenn sie Hausaufgaben macht, beim Spielen, in der Badewanne, beim Spazieren gehen." Doch der entscheidende Faktor scheint zu sein, dass die Kinder ein anderes Verständnis für Musik entwickeln und gelernt haben zuzuhören: Sie lassen sich nicht von Musik berieseln, sondern verbinden Musik mit Sinn, achten auf die Bedeutung. "Die Kinder lernen in den Musikstunden ein Zuhören, das sie hinüber nehmen in den anderen Unterricht", erklärte ein beteiligter Lehrer. Zuhören können ist entscheidender Faktor für Konzentrationsfähigkeit, und tatsächlich wurde bei einem großen Teil der Kinder von den Lehrern und Erzieherinnen eine deutlich höhere Konzentrationsfähigkeit beobachtet und auch von Eltern wahrgenommen. Außerdem wurden bei den Kindern ein gestärktes Selbstbewusstsein, größere Ausgeglichenheit und ein besonders gutes Gemeinschaftsgefühl beobachtet. Auch auf die Integration ausländischer Kinder scheint sich die musikalische Früherziehung positiv auszuwirken: "Wir bekamen ein Kind aus dem Kosovo, das furchtbar unter den Kriegseinflüssen gelitten hatte. Ich habe gemerkt, wie dieses Kind durch Lieder und durch Bewegung immer lockerer wurde", berichtete ein Lehrer und ein anderer erklärte: "Ich hatte einen ausländischen Jungen, der wenig motiviert war, wenig leistungsbereit. Ich denke, durch Musik hat er gelernt, sich zu besinnen, sich auf das Lernen einzulassen, zu versprachlichen, zu sagen, was er empfindet. Er ist jetzt eher bereit, etwas zu sagen. Das macht sich auch in den anderen Fächern bemerkbar."
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Die Studie zeigte auch, wie sich die Kompetenz und Einstellung der Lehrer und Erzieher änderte: "Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass Musik eine andere Ebene ist, die wir in unserem Leben nicht ausschließen sollen. Und für mich ist ganz klar, dass ich in diesem Bereich weiter lernen möchte", so einer der Teilnehmer. Die Begeisterung der Lehrer und Erzieher sowie die Auswirkungen auf den Alltag in Kindergarten und Schule überzeugte auch die Kollegen: In allen beteiligten Einrichtungen ist Musik in das Schul- und Kindergartenprogramm aufgenommen worden. Musik wurde zu einem Bestandteil des Schullebens, was beispielsweise durch Singnachmittage mit Eltern, musikalische Darbietungen bei Schul- und Kindergartenfesten oder das "Frühlingssingen" einer ganzen Schule zum Ausdruck kommt.
Mehr Hausmusik link_arrow_top 
Das Projekt veränderte auch das Verhalten in den Familien: "Ich singe jetzt sehr viel mehr mit meinem Sohn. Durch ihn lerne ich neue Lieder und erweitere damit auch meinen Liedschatz", berichtete ein Elternteil. Insgesamt waren die befragten Eltern von den Ergebnissen des Projekts begeistert: "Aus der Erfahrung, die ich hier gemacht habe, kann ich sagen, dass mein nächstes Kind auch an eine Schule gehen soll, an der Musik gefördert wird. Eine andere meinte "ich finde, dass das in unserer Gesellschaft vernachlässigt wird".
Neue pädagogische Ansätze link_arrow_top 
Entscheidend zum Erfolg des Projekts beigetragen hat, dass den Teilnehmern der Fortbildung keine fertigen Unterrichtseinheiten angeboten wurden. Stattdessen wurden die Erzieher und Lehrer angeregt, auf der Basis von Theorie und praktischen Anregungen "ihren" eigenen Unterricht zu entwickeln. Das Projekt hat demnach gezeigt, dass nicht die didaktisch-methodische Hilfestellung entscheidend ist, sondern die in der Fortbildung vermittelten theoretischen Grundlagen ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind: Erzieher und Lehrer können dann gute musikpädagogische Arbeit leisten, wenn sie nicht nur mit dem Stoff vertraut sind, sondern auch die theoretischen Grundlagen kennen. Der zweite Erfolgsfaktor war die 2Tandemmethode", die in den Lehrerfortbildungen zum Einsatz kam: Eine Lehrerin, die " beispielsweise auf Grund ihres Studiums " über Fachkompetenz im Bereich Musik verfügt, und eine "unerfahrene" Kollegin bildeten ein Team, das sich über die Erfahrungen im Musikunterricht austauschte, Stunden gemeinsam vor- oder nachbereitete oder auch eine interne Fortbildung für die anderen Kollegen organisierte. Dies zeigte, wie Kompetenz innerhalb einer Schule weitergegeben werden kann. Als dritter Erfolgsfaktor kristallisierte sich in den Interviews die Kompetenz und Persönlichkeit von Projektleiter und Dozenten heraus. Guter Musikunterricht, so die übereinstimmende Einschätzung, lässt sich nicht allein aus noch so gut aufbereiteten Materialien erlernen. Aus dem Projekt resultierte damit ein Konzept, das den Musikunterricht verändern kann. Derzeit werden die in den Fortbildungen gemeinsam erarbeiteten Materialien aufbereitet. Die Bertelsmann Stiftung plant, diese Materialien im Lauf des Jahres zu veröffentlichen und das entwickelte Fortbildungsmodell auch in anderen Bundesländern zu etablieren.
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