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Die neuen Schüler und ihr Klassenlehrer – so raufen sie sich zusammen
von Walter Kowalczyk & Klaus Ottich

Das neue Schuljahr hat begonnen, und als Klassenlehrer haben Sie eine besondere Rolle für die neuen Schüler. Unser Beitrag gibt Tipps, wie Sie diese Rolle optimal und zur Zufriedenheit aller angehen können.

link_arrow_down Wie gelingt Unterricht? link_arrow_down Wer schreibt, bleibt
link_arrow_down Step by Step link_arrow_down Schulentwicklung konkret
link_arrow_down Schulleben „vor Ort“

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Wie gelingt Unterricht? link_arrow_top 
Vor einger Zeit hat Professor Andreas Helmke von der Universität Koblenz-Landau in einem Interview die Frage nach den „Mindestbedingungen gelungenen Unterrichts“ mit einer Zweierformel beantwortet: „Klassenführung und Klarheit“.
Klarheit schaffe der Lehrer vor allem durch eine plastische, auf den Punkt zielende Sprechweise und den geordneten Aufbau der Stunde. Unter Klassenführung versteht Helmke ein Klassenmanagement, das die Schüler motiviert und Unterrichtsstörungen ohne großen Zeitverlust, ohne theatralische Szenen aus der Welt schafft.
Mit dem zweiten Aspekt spricht der Unterrichtsforscher Tätigkeitsfelder an, auf denen generell jeder Fachlehrer seinen Beitrag zu leisten hat, die aber insbesondere zum pädagogischen Engagement des Klassenlehrers gehören.
Und dieser Betreuer einer etwa dreißigköpfigen Lernguppe wird von der Schulleitung gemäß den internen Gepflogenheiten und den Sachzwängen der Unterrichtsverteilung eingesetzt.
Entsprechend gespannt begegnen sich die beiden „Lager“ zu Beginn eines neuen Schuljahres. ‚Ist die 5b eine Gruppe von freundlichen, aufgeschlossenen, arbeitswilligen Schülerinnen und Schülern?’ - ‚Kriegen wir einen netten Klassenlehrer, der Humor hat, gerecht ist und sich durchsetzen kann?’
Deutliche Erwartungen also auf beiden Seiten, vor allem auch in Fragen des Umgangs miteinander. Statt schlicht abzuwarten, was sich im Lauf der Monate aus der Zuordnung durch die Schulleitung ergibt, kann der Klassenlehrer von vornherein auf die Gestaltung der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens hinwirken.
Rechtzeitige Planung bringt Struktur in die Sache, ein langer Atem sorgt dafür, dass die einzelnen Initiativen auch an ihr Ziel gelangen und dass der kräftezehrende pädagogische Alltag nicht im Laufe des Schuljahres die sozialen Aktivitäten verkümmern lässt.
Wer schreibt, bleibt (am Ball) link_arrow_top 
Schriftliche Vereinbarungen, die von den Schülern und vom Lehrer abgezeichnet werden, erinnern an Termine und erzeugen jenen sanften Druck, den die Beteiligten nun einmal brauchen, wenn Geplantes nicht „vergessen“ oder beiseite geschoben werden soll. Außerordentlich vielversprechend sind die Erfahrungen von Lehrkräften, die als Kleingruppe auf ihre Ziele losmarschiert sind.
Ein Tandem beispielsweise, gebildet von der Mathematik-Kollegin und dem Deutsch-Klassenlehrer, wird binnen kurzem erleben, dass die Terminabsprachen funktionieren, dass der Erfahrungsaustausch, die Aufteilung der organisatorischen Arbeit Spaß machen und entlastend wirken und dass auch die Klasse davon angetan ist, gleich zwei Pädagogen so engagiert zu erleben. Die Bitte um eine Rückmeldung kann als Auftakt diesen langfristig angelegten Prozess in Gang bringen: Welche Wünsche richten die Schülerinnen und Schüler an „ihren“ Klassenlehrer (an das Team)?

Hier ein Beispiel aus einer achten Klasse (Auswahl).
Ich wünsche mir von meiner Klassenlehrerin, dass sie ...
- nicht gleich einschnappt, wenn jemand etwas Kritisches sagt freundlich und nett ist
- nicht Lieblinge hat, die sie bei den Noten bevorzugt
- mit Humor reagiert, wenn etwas nicht klappt
- mit uns auch mal etwas unternimmt (Ausflug; ins Kino gehen; Pizza bestellen)
- uns bei Lernschwierigkeiten weiterhilft (berät)
- ein Gespür für persönliche Schwierigkeiten und Probleme hat und sich dann kümmert
- die Störenfriede in den Griff kriegt
- auch außerhalb des Unterrichts erreichbar ist (Telefon, E-Mail)
- für eine gute Atmosphäre sorgt und den Zusammenhalt in der Klasse stärkt
- im Lehrerzimmer nicht schlecht über uns redet
- zuverlässig ist, ihre Sache und uns ernst nimmt
- auch mal lobt und uns etwas zutraut
- als Fachlehrerin nicht so sturen Unterricht macht (Inhalte pauken, abschnittweise wiedergeben)
Step by Step link_arrow_top 
Man sieht: Arbeit in Hülle und Fülle für die engagierte Klassenlehrerin – auch immer wieder im Bereich des persönlichen Umgangs miteinander. Die Liste mit den vielen Unterpunkten mag zunächst abschrecken („Was soll ich denn noch alles leisten?“). Wie im Privatleben sorgt auch in der Schule die bewährte Technik der schrittweisen Erledigung – gekoppelt an eine Gewichtung der Aspekte – dafür, dass man bei der Stange bleibt. Was genau ist im Moment besonders wichtig? Wozu habe ich zurzeit am meisten Lust? Diese häufig empfohlene Taktik, sich konzentriert immer wieder (nur) dem nächsten Einzelpunkt zuzuwenden (beziehungsweise ein Detail herauszugreifen) und so die Komplexität der Vorhaben zu reduzieren, dürfte hierbei gute Dienste leisten.
Schulentwicklung konkret link_arrow_top 
Im Nachdenken über eine zeitgenössische Unterrichtskonzeption spielt das Stichwort „Schulleben“ inzwischen eine bedeutsame Rolle. Einigkeit herrscht in dem Punkt, dass dieser Schlüsselbegriff dafür wirbt, drei Bereiche organisch miteinander zu verbinden: den eigentlichen (Fach-)Unterricht, die Bemühungen um elementare Standards der Erziehung und die Orientierung an einem ganzheitlich verstandenen Bildungskonzept.
Und nun ist das gesamte Kollegium gefordert. Vor allem an jenem Punkt, der – wie in der Einführung bereits angesprochen – Neugier, Anspannung und sorgenvolle Gedanken auslösen kann: wenn „die Neuen“ kommen und die Mädchen und Jungen sich mit ihren Klassen-lehrern zu Beginn des Schuljahres zusammenraufen müssen. Dann stellt sich die Aufgabe, Unsicherheiten abzubauen, allmählich miteinander vertraut zu werden und dafür zu sorgen, dass sich die Schüler am neuen Lernort und in der neuen Lerngemeinschaft wohl fühlen.
Im Folgenden stellen wir an einem Beispiel das Konzept einer Schule vor, die bereits gegen Ende des vorangegangenen Schuljahres die fünf Klassenlehrer-Teams der künftigen siebten Klassen (also zehn Lehrkräfte) gebeten hatte, die Einführung der „Neuen“ zu organisieren.
(Übrigens: Die Rückmeldung der Schüler auf die Frage „Wie war’s?“ ergab eine breite Zustimmung, aber auch kritische Einwände (15 von 135 Schülern). Diese Hinweise wurden von der Vorbereitungs-gruppe erörtert und zur Verbesserung der Konzeption „Einführung der Neuen“ herangezogen.)

Liebe Klasse 7d: Herzlich willkommen an unserer Schule! Hier ist euer Plan für die ersten drei Tage.

Donnerstag
10 Uhr: Begrüßung aller siebten Klassen durch die Schulleitung und die Klassenlehrer-Teams in der Turnhalle
ab ca. 11 Uhr: Kennenlernen der Klassenleitung (Herr Schrempp und Frau Niehus) und der Mitschüler im Klassenraum 101, Besprechung des Stundenplans und anderer organisatorischer Dinge
12.20 – 13.05 Uhr: Erste Englisch-Stunde bei Frau Niehus

Freitag
7.50 – 8.35 Uhr: Gemeinsames Frühstück im Klassenraum 101
8.40 – 9.25 Uhr: Rallye durch das Schulgebäude
Erste große Pause
9.40 – 10.25 Uhr: Erste Deutschstunde bei Herrn Schrempp
10.30 – 11.15 Uhr: Erste Geschichtsstunde bei Frau Hanke
Zweite große Pause
11.30 – 12.15 Uhr: Eis essen in der Stadt, Spaziergang
12.20 – 13.05 Uhr: Bücherausgabe in der Schule, Spiele im Klassenraum

Montag
7.50 Uhr: Treffen im Klassenraum 101
8.00 – 13.05 Uhr: Gemeinsame Wanderung aller siebten Klassen zu einer Spiel- und Sportanlage im Waldgebiet; Spiele, Siegerehrungen; Picknick
ab 12.15 Uhr: Rückkehr in die Schule
Aus dem Schulleben „vor Ort“ – ein Nachspiel link_arrow_top 
In der Verfügungsstunde der 6a meldet sich zu Beginn die Klassensprecherin und teilt dem Lehrer mit ernstem Gesicht mit, sie hätten noch etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen, wenn die üblichen Mitteilungen und Zettel des Schulleiters abgehandelt wären. Dem Lehrer schießt durch den Kopf, was alles in den letzten Tagen schief gegangen ist oder Ärger ausgelöst hat. Er kommt auf das leidige Tafelwischen, auf den Tadel wegen wiederholten Zuspätkommens, auf die drei Briefe, die er wegen rüpelhaften Benehmens einiger Schüler an deren Eltern richten musste.
Dann sind die Formalitäten erledigt, die Schülerin mit dem ernsten Gesicht erhält das Wort. Über eine Freundin aus der Parallelklasse habe sie mitgekriegt, dass „ihr“ Klassenlehrer mit der 6c einen Theaterbesuch plane. Dort sei er aber doch „nur“ Geschichtslehrer. Könnte er denn nicht auch mal was Schönes mit „seiner“ Klasse machen?
Der Lehrer atmet tief durch – und bittet dann um Vorschläge: „Was würdet ihr gern mal mit mir unternehmen?“
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