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"Die Wolke"
Atomkraft und Super-GAU als Themen in der Schule
 Mit „Die Wolke“ läuft am 16. März ein Film zum Thema Atomkatastrophe an, der nach dem Roman von Gudrun Pausewang entstanden ist. Anlässlich des Films stellen wir die Frage: Wie brisant ist das Thema Atomkraft zurzeit? Und: Welche Aussichten haben Buch und Film als Thema im Unterricht? Was denken die Schülerinnen und Schüler?
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| Das Filmthema |
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Es gibt diese vermeintlich überstrapazierten Themen: Atomenergie, Nazizeit, Hunger in der Welt. Schon wenn sie erwähnt werden denkt manch einer: „Brauchen wir gar nicht erst anzureißen, die Diskussion kenne ich schon in zehn Varianten, und neun davon habe ich mitdiskutiert.“ Viele derjenigen, die heute Lehrer oder Referendare sind, erinnern sich an die mühsame Pflichtlektüre in den 80er Jahren: „Die letzten Kinder von Schewenborn“, „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“, „Fern von der Rosinkawiese“, „Die Welle“ und ähnliche aufrüttelnde Bücher. Angespornt vom plötzlich kritisch geschärften Bewusstsein bildeten sich Gruppen, die sich einen Vormittag lang ziemlich verwegen gegen den Golfkrieg auf die Straße setzten, um das schlafende Land zu wecken.
Mit „Die Wolke“ läuft am 16. März ein Film zum Thema Atomkatastrophe an, der nach dem Roman von Gudrun Pausewang entstanden ist. „Die Wolke“ meint eine radioaktiv verseuchte Wolke, die nach einem Reaktorunglück in der Nähe von Frankfurt auf den Wohnort der Protagonistin Hannah zutreibt. Zum Zeitpunkt des GAUs ist sie 16 Jahre alt und sehr verliebt. Auf der Flucht vor der unsichtbaren Gefahr stirbt ihr Bruder. Freund Elmar und ihre Mutter sind verschollen, fast 40.000 Menschen sterben in kürzester Zeit an den Folgen des Unglücks. Hannah ist kontaminiert und für immer gezeichnet.
Anlässlich des Films stellen wir die Frage: Wie brisant ist das Thema Atomkraft zurzeit? Und: Welche Aussichten haben Buch und Film als Thema im Unterricht?
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| Was tut die Politik? |
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Der aktuelle Bezug zum Film- bzw. Buchthema ist durchaus gegeben: Gerade hat das deutsche Bundesumweltministerium der Ukraine weitere Finanzmittel für Sanierungsarbeiten zugesagt. In Tschernobyl wird noch 20 Jahre nach dem Super-GAU an der „Versargung“, das heißt an der möglichst atomstrahlendichten Versiegelung der geborstenen Reaktoranlage, gearbeitet.
Hierzulande ist es Ziel der deutschen Bundesregierung, den Ausstieg aus der Atomenergie im Atomgesetz festzuschreiben. Die nicht zu verantwortende Gefahr eines schweren Unfalls sowie die hochproblematische und noch immer ungelöste Frage der Entsorgung des bei der Energiegewinnung anfallenden radioaktiven Mülls sind die treibenden Gründe für diesen Plan.
Seit den Terroranschlägen in den USA besteht außerdem die Frage, wie Atomkraftwerke in Deutschland gegen terroristische Attentate geschützt werden können. Die Wichtigkeit des Themas spiegelt sich nicht zuletzt in der Benennung des zuständigen Ministeriums: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
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| Was denken die Schülerinnen und Schüler? |
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Nun könnte man mutmaßen, der Problemkreis Atomkraft sei Schülern eher gleichgültig. Trickfilm-Serienheld Homer Simpson arbeitet schließlich auch in einem AKW – ohne Schutzanzug und in einem nicht näher definierten Job. Es ist nicht sicher, ob Homer selbst weiß, was er da tut, und das AKW hat im Übrigen den Hang, ab und an zu explodieren.
In einer Forsa-Umfrage unter Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren werden allerdings das Interesse und vor allem die erschreckende Unwissenheit von Schülern zum Thema deutlich.
Den Wunsch, das Thema Atomkraft im Schulunterricht zu behandeln, haben über 70 % der Schüler. Diese Zahl ist vor allen Dingen deshalb interessant, weil fast die gleiche Prozentzahl der Schüler nicht weiß, um was es sich bei Tschernobyl handelt und was dort passiert ist. Im Osten wissen nur 44 % der Schüler um die Katastrophe, im Westen lediglich 31 %. Der Aufklärungsbedarf ist also ebenso gegeben wie das Interesse groß.
Das wird noch einmal unterstrichen durch die Tatsache, dass knapp über 50 % der Schüler der Überzeugung sind, dass durch den Atommüll keine Altlasten produziert würden. Und zu denken geben sollten auch der zwar sehr geringe aber dennoch vorhandene Anteil der Schüler, die glauben, dass Atomkraftwerke heute sicher sind und ohne jegliche Unfallgefahr betrieben werden können (4%), und die 10 %, die der Meinung sind, Deutschland sollte überhaupt nicht aus der Atomenergie aussteigen. Wobei anzumerken ist, dass ohnehin nur die Hälfte der Schüler weiß, dass in Deutschland ein Ausstieg aus der Atomenergie vereinbart wurde.
Insgesamt schätzen über die Hälfte der befragten Schüler Atomkraftwerke sicherer als zu Zeiten des Reaktorunglücks in Tschernobyl ein, halten das Unfallrisiko aber noch immer für zu hoch. Diese Zahlen – noch einmal verbunden mit den oben genannten 70 % der Schüler, die sich eine intensivere Behandlung der Themen Atomkraft und Energieversorgung im Schulunterricht wünschen – legen nahe, dass ein Film wie „Die Wolke“, bzw. das Buch, auf offene Augen und Ohren stoßen wird.
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| Schüleraktionen zum Thema |
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Motivierend für die Schüler kann dabei sicherlich die Einbettung in eigene Aktionen und Projekte sein: Eine sehr originelle Aktion nach der Lektüre und Diskussion des Buches hat zum Beispiel eine Klasse aus dem Umland eines Kraftwerks durchgeführt. Die Schüler haben sich vom Landratsamt den Katastrophenplan für den Fall eines Super-GAUs aushändigen lassen. Bei der Lektüre haben sie festgestellt, dass in ihrem eigenen Schulgebäude Jodtabletten für die ganze Stadt gelagert sein sollen. Nach der vergeblichen Suche in ein paar Schränken und Lagerräumen haben die Schüler den Schulleiter nach dem Verbleib der Tabletten gefragt. Auch das vergeblich, denn der Schulleiter wusste noch nicht einmal, dass und welche Rolle seine Schule im Notfall spielen sollte.
In einem anderen Katastrophenplan waren Busfahrer der Umgebung dafür vorgesehen, im Falle eines Reaktorunglücks nach Schweinfurt zu fahren und die Bewohner aus dem Zentrum des Unglücks abzuholen. Zu der ihnen zugedachten Rolle im Notfallplan befragt haben diese Busfahrer angegeben, dass sie im Ernstfall nicht mitten ins radioaktive Chaos sondern auf direktem Wege zu ihren Familien fahren würden.
Das Prüfen der Katastrophenpläne ist nur eine von vielen Möglichkeiten, den Problemkreis Atomkraft aus den Medien in die Welt der Schüler zu holen. Und vielleicht überzeugen derartige Aktionen - und die alarmierende Statistik - auch diejenigen, die das Thema für sich bereits ad acta gelegt hatten.
Autorin: Annika Lüders
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