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Schüler für Forschung begeistern

blank Schon Kinder forschen und gerade die kleinsten bieten erstaunliche Erklärungsmodelle für die Phänomene dieser Welt an: „Der Schatten geht bei Regen in mich rein, damit er nicht nass wird.“ Der Forscherdrang ist ein ganz natürlicher Trieb, der dafür sorgt, dass wir die Welt entdecken und verstehen. Dieser Drang überdauert leider nicht jedes Schülerleben. Gerade in den Naturwissenschaften und bei den Ingenieuren wird über Nachwuchsmangel geklagt. Die Erhaltung und Förderung des Forscherdrangs ist nicht nur deshalb wichtig, und es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Aufgabe anzugehen.

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Der natürliche Drang, die Welt zu erforschen kann sich aus verschiedenen Gründen zurückziehen oder für immer verschwinden. Die Zeiteinheiten, die in der Schule den Rhythmus bestimmen, und das spüren auch die Lehrer, entsprechen nicht immer den für die Forschung notwendigen längeren und unregelmäßigeren Zeiträumen. Das Gefühl für die Dauer der Beschäftigung mit einem Gegenstand wird von den übersichtlichen Zeiteinheiten der Schule geprägt und lässt der Idee oder dem Impuls, anders zu lernen, womöglich nicht immer genügend Raum.

Schwierig ist es auch im Kindergarten oder der Schule, dem Forscherdrang jedes Kindes gerecht zu werden. Wenn ein Lehrer für 20 Kinder zuständig ist, ist es ihm schlicht nicht möglich, auf die Neugier jedes Kindes ausführlich einzugehen. Kinder denken dann natürlich schnell, dass Ideen und Ansätze dieser Art der Aufmerksamkeit anscheinend nicht würdig sind. Ohne positive Bestätigung bleibt die Motivation, sich der Erforschung eines Phänomens zu widmen, oft auf der Strecke. Die viel beklagte Folge ist letztendlich der Nachwuchsmangel an Forschern, vor allem in den Naturwissenschaften.
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Die Schule kann durchaus dazu beitragen, diese Kluft zu überbrücken. Für Forschung in und außerhalb des begrenzten Raumes der Schule bieten sich verschiedene Möglichkeiten.

Projekte und Initiativen, forschende Kinder und Schüler zu fördern, gibt es inzwischen zahlreiche. Der Anfang der Forschung, die Initialzündung zu einem Forschungsprojekt kann von außen angeregt werden, findet aber letztendlich im Kopf des Schülers statt. Wenn keiner forschen will, verstauben gut durchdachte Konzepte und kindgerechte Labore. Forschen basiert auf Interesse und Begeisterung für eine Sache.

Um Schüler für Forschung zu interessieren, können Sie als Einstieg in das Thema mit der Vorstellung von z.B. Jugend forscht beginnen. Es ist einer der bekanntesten Wettbewerbe, bei dem eine Vielzahl von Projekten aus den Bereichen Naturwissenschaft und Technik die Chance haben, ins Rennen um den Sieg und einen der Preise zu gehen. Der Anmeldeschluss ist jedes Jahr der 30. November. Mit einem Brainstorming kann den Schülern dann deutlich gemacht werden, dass jeder von ihnen voller Ideen steckt. In einem Brainstorming hat auch jede noch so abstruse Idee Geltung, nichts wird bewertet. Von „Wieso ist der Bauchnabel vorne?“ über „eine gesunde Zigarette“ erfinden bis hin zur „Elternerziehmaschine“ wird alles gesammelt. In der Praxis gibt es eine Fülle von Beispielen, bei denen aus einer skurrilen Idee oder einem abseitigen Interesse ein Forschungsprojekt geworden ist. Das Trockenshampoo wurde ja tatsächlich erfunden. Und die 10jährige Lenka Stepanek wollte einfach nur mal wissen, ob ihre Meerschweinchen mehr können, als nur Fressen. Mit ihren ausführlichen Beobachtungen gewann sie den Regionalwettbewerb von Jugend forscht 2006 und trat inzwischen auch in der Talkshow von Johannes B. Kerner im ZDF auf.

Der erste Schritt ist also, den Kindern zu zeigen, dass sie selber der Ausgangspunkt sind, und dass eine Menge in ihnen steckt. Ist das Interesse geweckt, kann man aus den ersten Ideen mit den Schülern Projekte entwickeln und zusammen recherchieren, ob es womöglich Wettbewerbe oder Initiativen gibt, bei denen die Schüler ihr Forschungsprojekt einreichen können und unterstützt werden. Neben der Forschung in der Schule kann so eine weitere Möglichkeit, nämlich die Forschung aus der Schule heraus zu tragen, wahrgenommen werden. Die Schule als hermetischer Raum wird so verlassen, und ein Schritt auf dem Weg, die Kluft zwischen Schule und Wissenschaft zu verkleinern, ist getan.
Gute Gründe zu forschen link_arrow_top 
Die Gewinne, die bei Jugend forscht oder anderen Wettbewerben winken, sind natürlich ein Anreiz. Der große Glücksfall aber ist der Forschungsprozess selber. Die Erfahrung, dass jede Reise Sackgassen, Umwege und Enttäuschungen bereithält, dass man aber trotzdem aus eigener Kraft ein Ziel erreichen und alles, was einen interessiert, entdecken und durchdringen kann, ist der eigentliche Gewinn des Forschens. Der Prozess des Forschens hält folgende Erfahrungen bereit: Lernen ist aufregend, das Selbstverständnis und die Selbstsicherheit wachsen, weil der Schüler sich selbst als wirksam erfährt, Probleme können selbständig gelöst werden und die Motivation für zukünftige Aufgaben wächst enorm.

Welche Energien frei werden, wenn man aus eigenem Interesse forscht, ist eine unersetzliche Erfahrung. Aber auch Unzufriedenheit kann der Antrieb zu forschen sein. Die Erfahrung, dass Unzufriedenheit mit einem Aspekt seines Lebens oder der Umwelt nicht den Endpunkt darstellt, sondern der Ausgangspunkt für eine Veränderung sein kann, ist für die Motivation von Schülern von großem Wert. So hat der Schüler Daniel Gurdan beim Experimentieren mit selbst gebauten Knallkörpern zwei Finger verloren. Er musste feststellen, dass er mit den Prothesen, die auf dem Markt waren, leider nicht mehr jonglieren konnte. Also erfand Daniel eine handschuhähnliche und von einem Motor betriebene Fingerprothese. Er kann wieder jonglieren und gewann damit den ersten Preis beim Bundeswettbewerb von Jugend forscht 1999.

Forschen vermittelt dem Schüler nicht nur Kenntnisse über sich selbst und über seine eigene Antriebsbasis. Er erhält auch Anerkennung von Außen. Wer bei Jugend forscht gewinnt, wird nicht nur mit Geld, sondern auch mit Anerkennung und der Möglichkeit weiter zu forschen belohnt: Zu den Preisen gehören Forschungsaufenthalte an wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland, Reisen zu internationalen Wettbewerben, Praktika und Präsentationen auf Fachmessen.

Nebenbei bemerkt: auch die Lehrkräfte hinter den begeistert forschenden Schülern erhalten Anerkennung. Mit dem „Klaus-von-Klitzing-Preis“ zum Beispiel werden Pädagogen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Anregung von Schülerinnen und Schülern zu naturwissenschaftlichem Denken und Arbeiten verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wird jährlich von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der EWE Stiftung vergeben.
Forschen ist zukunftsweisend link_arrow_top 
Was wird aus Leuten mit Forscherdrang? Ein Jugend forscht-Preisträger, der allen Lehrern und Referendaren bekannt sein dürfte, hat in seinem heutigen Beruf als Bildungsforscher eine Menge Aufregung in der Schullandschaft und in der Bildungspolitik gestiftet: Andreas Schleicher ist der Erfinder der Pisa-Studie. Schleicher gewann 1984 mit SASCHA IV, einem Verfahren zur computerisierten Spracherkennung, bei Jugend forscht.

Ein anderer, Marc Brunke, verdient mit der Erfindung, die ihm 1996 den Sieg bei Jugend forscht bescherte, heute sein Geld. Auch bei ihm war Unzufriedenheit die Triebfeder zur Forschung. Als Musiker ärgerte er sich regelmäßig über die Kupferkabel der Lautsprecheranlagen, die unerfreuliche Nebengeräusche produzierten. Der Schüler Brunke entwickelte ein System, das die Töne über einen Lichtleiter durch ein Glasfaserkabel schickt, und zwar störungsfrei. Diese Bühnentechnik hat sich der Münchner weltweit patentieren lassen und sich schließlich damit selbständig gemacht. Zu den Kunden seiner Firma "Optocore" zählen inzwischen Musikgiganten wie Rod Steward, die Rolling Stones oder Robbie Williams. Auch für die Beschallung auf der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2004 erhielt "Optocore" den Zuschlag.

Forschen macht Spaß, es macht zufrieden und manchmal reich, aber vor allem öffnet Forschen Türen. 90 Prozent der Teilnehmer der Bundeswettbewerbe von Jugend forscht beginnen ein Studium der Natur- oder Ingenieurwissenschaften, etwa ein Viertel von ihnen promoviert.

Natürlich braucht es Zeit und Engagement, diesen nicht unbedingt im Curriculum festgeschriebenen Teil der Welt des Wissens zu fördern. Aber der Gewinn für Lehrer, Schüler und Wissenschaft ist es wert, dass in ihn investiert wird.

Autorin: Annika Lüders
Links zum Thema:



http://www.jugend-forscht.de/index.php/article/detail/1
Website von Jugend Forscht, mit Teilnahmebedingungen, Fristen, Berichten und Vorstellung der Siegerprojekte.



http://www.die-kinder-uni.de



http://www.junioruniversitaet.de



http://www.polarjugend.de
Am 1. März 2007 hat das Internationale Polarjahr (IPY 2007-2009) begonnen, welches darauf zielt, verschiedenste nationale Forschungsprojekte in den Polarregionen miteinander zu multi-nationalen Projekten zu verflechten und international zu koordinieren. Über den Link ist die Plattform der deutschen Jugendorganisation zu erreichen, die die Aktivitäten koordiniert.

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