Schulalltag organisieren

92 Verpflichtungen außerhalb des Unterrichts
– von Abendveranstaltungen bis Klassenfahrt

25 bis 30 Pflichtstunden unterrichten Lehrerinnen und Lehrer in den verschiedenen deutschen Bundesländern pro Woche. Das klingt zunächst überschaubar, doch mit dem Läuten der Schulglocke ist die Arbeit keineswegs getan: Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen beispielsweise kommen insgesamt auf ein Arbeitspensum von 1.800 bis 2.000 Stunden im Jahr, das entspricht 50 Stunden die Woche und liegt nicht weit entfernt von der Arbeitszeit eines Arztes im Krankenhaus. Die Zeit, die dabei wirklich in den Unterricht und dessen Vorbereitung fließt, liegt bei 800 Stunden, also weniger als der Hälfte der Arbeitszeit. Organisatorische Aufgaben und Verwaltung nehmen immer mehr Raum ein.

Nicht nur für Klassenlehrer steigt der Aufwand neben dem Unterricht
Circa 38 Mal führt ein Lehrer pro Schuljahr Aufsicht. Dazu kommt die steigende Frequenz von Konferenzen, die Förderempfehlungen und Zeugnisse, die Materialbeschaffung und Teilnahme an Klassenfahrten und einiges mehr. Fazit ist: die Belastungen im Lehrerberuf fallen zu einem beträchtlichen Teil außerhalb des Unterrichts an. Veränderungen in der Schulorganisation und neue bürokratische Vorgaben führen zu höherem Aufwand, so etwa die Lernstandserhebungen, die Lieferung von Angaben für Schulstatistiken oder von Konzepten für Qualitätsanalysen oder aber die Umsetzung etwa der Inklusion. Hinzu kommt, dass Lehrkräfte und Schulen sich stärker juristisch absichern als noch vor 20 Jahren: Noten und Zeugnisse werden zum Beispiel rechtssicher gestaltet und Methoden genau dokumentiert. Eine besondere Rolle spielen die Klassenlehrer. Aber nicht nur sie übernehmen Verantwortlichkeiten, die nicht zu ihrer Kernaufgabe gehören. Sicherlich muss hier unterschieden werden: Es gibt Organisatorisches, das besser über den Schulträger, ein Sekretariat oder eine Aufsicht des Schulgebäudes erledigt werden könnte. Die GEW fordert hierfür zu Recht die Unterstützung durch Verwaltungsassistenten. Und es gibt Aufgaben, die unerlässlich sind für die Abläufe in der Schule, für die Kommunikation mit und zwischen den Schülern und mit und zwischen den Eltern. Wichtig für das Schul- und Klassenklima und gleichzeitig sehr beanspruchend sind Aktivitäten wie etwa Klassenfahrten, die sorgfältiger Planung und Vorbereitung bedürfen. Lehrkräfte sind hier 24 Stunden im Dienst und haben die Aufsichtspflicht. Im Gegensatz zu Schülern müssen sie teilnehmen, so wurde gerichtlich beschieden.

Gestaltungsspielraum an der eigenen Schule
Viele Dinge, die unter den Überbegriff Organisation fallen, können Lehrerinnen und Lehrer nur bedingt selbst bestimmen. Dennoch gibt es Gestaltungsspielraum. So ist es möglich, etwa über grundlegende Beschlüsse in Konferenzen, die übergreifende Organisation und ihre Abläufe mit zu beeinflussen und sie nicht der Schulleitung zu überlassen. Das betrifft etwa das Schulprogramm, die Regelungen für Anwesenheitspflicht oder Vertretungsstunden, die Kommunikation innerhalb der Schule, die Ausstattung der Fachbereiche oder die Unterrichtstaktung. Für die Organisation können zudem Plattformen hilfreich sein, auf denen Dokumente hinterlegt werden und zu denen die verschiedenen Beteiligten Zugriff haben. Verantwortung und Arbeit können teilweise auch delegiert werden, insofern die Erlaubnis besteht, an Eltern, Schüler oder Partner, im Sinne einer gelingenden Schulpartnerschaft.