Schulstress meistern

Jeder vierte Lehrer stellt zu hohe Erwartungen an sich selbst

Hohe Erwartungen belasten: Ein Viertel aller Lehrerinnen und Lehrer gibt an, sich selbst zu überfordern und sich zu verausgaben. Das berichtet ein Gutachten des Aktionsrats Bildung und warnt, ein Drittel aller im Bildungswesen Beschäftigten sei stark belastet und Burn-out-gefährdet. Seit langem ist bekannt, dass der Lehrerberuf zu den Hochrisikogruppen für Erschöpfungskrankheiten gehört. Besonders gefährdet sind Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrem Beruf stark engagiert sind und sich selbst hohe Ziele setzen.

Dauereinsatz geht auf die Leistungsfähigkeit

Schülerinnen und Schüler gut zu begleiten, sie im richtigen Augenblick zu unterstützen und voranzubringen – das ist eine Aufgabe, die sich nicht im 45-Minuten-Takt erledigen lässt. Zu groß ist das Spektrum der Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Hintergründe. Ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer nimmt seine Überlegungen also mit – mitunter bis in den Feierabend. Auf die eigenen Ansprüche treffen zusätzliche Anforderungen von Seiten der Schüler, Eltern, Kollegen und der Schulleitung. Der Druck ist immens: Individualitäten erkennen und gerecht benoten, den Unterricht interessant gestalten, den Lehrplan einhalten, den Klassenverbund stärken, Eltern einbinden, Schulreformen umsetzen und vieles mehr. All das natürlich bei möglichst geringen Fehlzeiten, guter Laune und auch in Stressphasen, zum Beispiel vor Zeugnissen oder Abiturprüfungen. Wer viel leisten will, läuft schnell Gefahr sich zu überfordern.

Stresspotenzial Lehrerberuf

Lehrerinnen und Lehrer sind vielen Erwartungen ausgesetzt; sie stehen unter permanentem Zeitdruck und haben wenige Rückzugsmöglichkeiten. Diese Stressfaktoren treten selten so gehäuft auf wie im Bildungsbereich. Einzelne Stressanzeichen sind oft unspezifisch und werden als Frühwarnsignale übersehen oder nicht ernst genommen. Das medizinische Versorgungszentrum VT Falkenried unterscheidet 130 verschiedene Ursachen, die zu Burn-out führen können – darunter nervöse Unruhe, Schlafprobleme, Reizbarkeit, Vergesslichkeit, schnelle Erschöpfbarkeit, Schwindel, verändertes Essverhalten oder ein übersteigerter Ordnungssinn. Wenn sich die Symptome verstärken oder häufen, können die Belastungen zur Überlastung führen. Lehrerinnen und Lehrer, die gern im Beruf sind und ihn engagiert und professionell ausüben möchten, brauchen Strategien, um mit dem fortlaufenden Stress umzugehen und der Erschöpfung vorzubeugen.

Stressbewältigung und Gesundheitsvorsorge

Erfolgreiche Stressbewältigung schützt vor Überlastung. Verschiedene Techniken helfen dabei, die eigenen Ansprüche zu überprüfen und dem Druck des Schulalltags standzuhalten. Zusätzlich könnte die Schule systematisch vorgehen, um Stress mit Schülern, Eltern oder im Kollegium zu reduzieren. Die Etablierung einer kollegialen Beratung kann hilfreich sein. Externe Unterstützung bieten Mediatoren oder eine Supervision. Vielleicht helfen bereits Lehrerfortbildungen, etwa zur Konfliktbewältigung, zur Gesprächsführung oder auch zum gezielten Einsatz von Humor. Wichtig ist, die Maßnahmen nicht erst einzuführen, wenn es bereits „brennt“. Bausteine für ein gutes Stressmanagement sollten fest im Schulalltag integriert sein und nicht erst bei schweren Konflikten oder krankheitsbedingtem Lehrerausfall eingeführt werden. Hoffnung machen erste Schulen, die eine Stressprävention etabliert haben. Dort ist unter anderem einen Ruheraum mit entsprechenden Pausenzeiten reserviert. Außerdem wird ein „Gesundheitstag für das Kollegium“ mit einem Maßnahmenbündel eingeführt, wenn das regelmäßig gemessene „Stressbarometer“ Alarm schlägt.