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Alles zum Schulstart 2017/18

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Zwischen Krieg und Klassenzimmer
Wie Kinder aus geflüchteten Familien Deutsch lernen

Provisorische Bedingungen für den Deutschunterricht mit Flüchtlingskindern sind keine Seltenheit. Keine geeigneten Räume, zu wenig Zeit und Schüler auf ganz verschiedenen Lernniveaus...

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Alphabetisierung und Schriftspracherwerb

Fast alle Kinder kommen schon vor der Schulzeit mit mehr als einer Sprache in Kontakt: durch Medien, in ihrer nahen Umgebung oder durch zwei Familiensprachen. Viele Kinder – in den Ballungsräumen sogar 30 bis 40 Prozent und mehr – lernen Deutsch neben oder nach einer anderen Sprache. Grundschulklassen sind in mancherlei Hinsicht heterogen, zum Beispiel:

  • in Geschlecht und Altersspanne,
  • in den Temperamenten der Kinder,
  • in den körperlichen Potenzialen,
  • in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und im strukturellen Denken,
  • in sozialer, ökonomischer und geografischer Zusammensetzung,
  • in Bildungshintergrund und Bildungsaspiration der Familien sowie
  • in den politischen und humanitären Werten, die die Familien schützen.


Schule hat die verantwortungsvolle Aufgabe, in einem von Diversität geprägten Umfeld alle Kinder in die soziale und kulturelle Welt sowie in die Sachwelt einzuführen und dadurch Sachwissen und schriftkulturelles Wissen vorzubereiten.

Viele Kinder, die ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen in amtlich deutschsprachige Schulen kommen, sind bereits alphabetisiert, denn sie sind in der Regel zuvor im Herkunftsland zur Schule gegangen. Eine altersgemäße solide Bildung durch die frühere Schule hilft ihnen auch im deutschsprachigen Schulsystem. Sie haben den Schritt zur Abstraktion mittels Schrift schon vollzogen, und das Schreiben kann zur Unterstützung des Sprachlernens genutzt werden.

Manche Kinder sind allerdings nicht in lateinischer Schrift alphabetisiert und müssen das Graphemsystem des Deutschen erst noch lernen.

Für den Spracherwerb ist es günstig, dass die Lehrkraft einen guten emotionalen Kontakt zu den Kindern aufbaut und beispielsweise beim Sprechen Blickkontakt hält. Mit einem Lächeln kann man die Kinder zum Sprechen ermutigen, sie motivieren, neue Wörter und Sätze auszuprobieren. Macht das Kind einen Grammatikfehler oder spricht es unverständlich, kann man die mögliche Aussage des Kindes in gutem Deutsch wiedergeben oder die vermuteten Gefühle des Kindes paraphrasieren.

Dadurch fühlt sich das Kind ernst genommen und es hat vermutlich das Gefühl, dass man ihm das Reden in der fremden Sprache zutraut. Gerade für traumatisierte Kinder ist es wichtig, dass sie eine positive Beziehung erleben.

Kinder, bei denen im mündlichen Sprachgebrauch Probleme nicht oder nur kaum auffallen, können Schwierigkeiten haben, wenn sie mit konzeptioneller Schriftlichkeit konfrontiert werden. Das liegt daran, dass konzeptionelle Schriftlichkeit im Gegensatz zur Mündlichkeit besondere sprachliche Hürden und komplexe grammatische Strukturen bereitstellt.

In geschriebenen Texten kommen sprachliche Strukturen vor, die für mündliche Diskurse eher untypisch sind. So wird der Nominalstil im Schriftlichen präferiert, typisch sind außerdem Genitiv- anstelle von Dativkonstruktionen.

Den für die Schriftlichkeit charakteristischen Strukturen begegnen Grundschulkinder in unterschiedlichen Textsorten. Zeitungsartikel oder Berichte, aber auch Sachtexte zählen zu besonderen Textformen, in denen derartige Strukturen häufig vorzufinden sind. Hinzu kommen seltene Fachausdrücke, Passivkonstruktionen, Phraseologismen oder Funktionsverbgefüge. Auch Erzähltexte lassen sich nicht immer einfach lesen, denn darin finden sich stilistische Mittel ebenso wie verschachtelte Nebensatzkonstruktionen.

Konzeptionelle Schriftlichkeit kann also für ein- und mehrsprachige Schüler eine Herausforderung darstellen.

Migrantenkinder greifen gelegentlich auf ihre erstsprachlichen Erfahrungen zurück. Es gibt einen Unterschied zwischen der „Denksprache“ und der deutschen „Arbeitssprache“ im Unterricht. Bei Verständnisschwierigkeiten zum Beispiel im Mathematikunterricht kann man immer wieder beobachten, wie sich zwei Kinder den schwierigen Sachverhalt in ihrer Muttersprache gegenseitig erklären. Auf Deutsch könnten sie diesen Aspekt nicht ausdrücken und auch nicht schriftlich formulieren.

Aus diesem Grund ist es für DaZ-Lehrerinnen und -Lehrer hilfreich, ein grundlegendes interkulturelles Wissen zu den Sprachen der Migrantengruppen zu erwerben, die in der Klasse vertreten sind. So können länderspezifische Besonderheiten beim Sprechen, Schreiben und Reden erkannt und berücksichtigt werden.

Mehr zum Thema Alphabetisierung und Schriftspracherwerb lesen Sie beispielsweise in den folgenden Ratgebern, aus denen zum Teil auch die obigen Inhalte entnommen sind: