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Bild: shutterstock/Jacob Lund

DaF-Blog

Verhältnis von Allgemeinsprache und Berufssprache

Vereinsmitglied oder Geschäftsleitung?

Neulich beim Bäcker: „Morgen. 2 Roggen, bitte. Ähm, und ein Sesam.“  Das lernen die Teilnehmer (vermutlich) nicht bei uns im Kurs. Dafür braucht man ein sehr gut entwickeltes Sprachgefühl, einen Sinn für die Fähigkeit des Gesprächspartners zur Antizipation und ein vertrautes kulturelles Umfeld. Und auch wenn dieser Grad der Umgangssprache erst nach vielen Jahren erreicht wird, sind die Lernenden gewöhnlich  in der Lage, ihre Brötchenwünsche sprachlich angemessen und gut verständlich vorzubringen: „Guten Morgen. Ich möchte gern 2 Roggenbrötchen.  Bitte geben Sie mir auch noch  ein Sesambrötchen.“  In unseren Kursen  befähigen wir sie, sich  in Alltagssituationen adäquat auszudrücken und auch auf andere zu reagieren. So können sie sich sowohl mit einem Bäckermeister wie auch mit einer Aushilfe im Backshop verständigen – unabhängig von deren Grad der Fachkenntnis.

Ein vergleichbares Verhältnis wie zwischen Umgangs- und Allgemeinsprache findet sich im Vergleich von Berufs- und Fachsprache. Wissen Sie, was ein Schließstück ist? Oder ein Bremssattel? Überlassen wir die Fachsprache  den Fachleuten. Wir können aber das Problem bei einem undichten Fenster beschreiben,  den Kundendienst der Autowerkstatt anrufen, einen Termin für einen Monteur am Telefon vereinbaren, die unbefriedigende Reparatur beim Meister reklamieren und schließlich die Rechnung prüfen und bezahlen.

Ob Bäckerei, Autowerkstatt oder Fensterbaubetrieb – in jedem Betrieb muss man den Bestand kontrollieren, Materialien sortieren und lagern, Rechnungen prüfenBestellungen entgegennehmen oder Reklamationen bearbeiten. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kursteilnehmer auf solche Vorgänge auch sprachlich vorbereitet sind. Gut, dass es hier eine große Schnittmenge mit  unserer Alltagssprache gibt. Für die Lernenden ist es leichter nachvollziehbar,  wenn wir auch von Alltagssituationen ausgehen.

Alltag: Mein Kühlschrank ist leer? Ich muss Lebensmittel einkaufen.
Beruf: Es fehlen Waren oder Ersatzteile? Ich muss eine Lieferung veranlassen.

Alltag: Ich habe eine Reklamation? Was erwarte ich von meinem Ansprechpartner in der Werkstatt?
Beruf: Ein Kunde wartet auf eine Lieferung? Was kann ich ihm sagen?

Wenn ich also zum Bäcker gehe, erwarte ich von der Verkaufskraft hinter dem Tresen  keine Auskünfte über Hefen, Teiglinge oder Teigführung. Ich möchte freundlich angesprochen werden, die gewünschten Produkte in angemessener Qualität und Anzahl bekommen und einen korrekten Preis bezahlen. Die berufsbezogene Sprachförderung soll unsere Kursteilnehmer zu solchem sprachlichen Handeln befähigen.

Hier gelangen Sie zum Kurs- und Übungsbuch und können bei „Blick ins Buch“ auf die Seiten 44 und 46  blättern.