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Bild: stock.adobe.com/Katerina

Inklusion an weiterführenden Schulen

Sie sind Lehrerin oder Lehrer an einer weiterführenden Schule. Kinder und Jugendliche, die zuvor anders beschult wurden, finden sich nun in Ihrer Klasse wieder. Aber keine Sorge: Mit den meisten können Sie so umgehen wie mit den übrigen Schülerinnen und Schülern.

Ist jetzt alles neu?

Legt man einen weiten Inklusionsbegriff zugrunde, also nicht nur die Betrachtung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf, haben Sie als Lehrkraft immer schon mit besonderen Schülerinnen und Schülern gearbeitet. Anders als früher kommen jetzt aber mehr Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an allgemeinbildende Schulen. Zusätzlich bemerken Kollegien in Schulen, dass der Anteil „schwieriger“ Schülerinnen und Schüler zunimmt. 

Deshalb stehen Sie und viele andere Lehrkräfte in ihrer alltäglichen Arbeit vor folgenden Fragen:

  • Wie können nicht speziell psychologisch und sonderpädagogisch ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer mit diesen Herausforderungen im Unterricht umgehen?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten stehen ihnen zur Verfügung?
  • Wie können sie Eltern entsprechend beraten?
  • Wie können sie mit besonderen Schülern agieren, statt nur auf sie zu reagieren?

Das Ziel: mehr Souveränität im Schulalltag

Oft werden Sie als Lehrkraft einer allgemeinbildenden Schule mit Kolleginnen und Kollegen mit psychologischer und sonderpädagogischer Expertise zusammenarbeiten oder diese zumindest zurate ziehen können. Doch in Schul- und Unterrichtssituationen werden Sie mit Problemen konfrontiert, die Sie selbst akut lösen müssen. 

Daher ist es hilfreich, sich über gängige Problemstellungen zu informieren, damit Sie auf herausfordernde Situationen souveräner reagieren können. Im Hinblick auf Herausforderungen, die auf psychische Störungen und sonderpädagogischen Förderbedarf zurückzuführen sind, gibt es Besonderheiten, die Sie kennen sollten.


Differenzierte Lernangebote machen

Die Forderung nach einer inklusiven Pädagogik ist auch deshalb so aktuell, weil eine Aufteilung der Schüler auf unterschiedliche Einrichtungen und Schulen nicht länger zu rechtfertigen ist. Inzwischen streben auch praktisch begabte Schüler einen höheren Abschluss an – wenn sie von der Grundschule eine entsprechende Empfehlung erhalten. Und Schüler mit besonderem Förderbedarf finden sich inzwischen in jeder Gymnasialklasse.

Der einzige Ausweg, der Ihnen als Lehrkräften angesichts solcher Umbrüche im Klassenzimmer bleibt: Sie müssen Ihren Schülern ein differenziertes Lernangebot machen. Statt der pädagogischen Einheitskost früherer Generationen sollte ein Menü à la carte auf die Speisekarte des Unterrichts gesetzt werden. Die Differenzierung im Klassenzimmer funktioniert dann, wenn sie alle Ebenen des Unterrichts erfasst. 

Zu einem differenzierten Lernangebot gehören deshalb:

  • unterschiedliche Voraussetzungen (weil auch Kinder aus bildungsfernen Familien nicht abgehängt werden dürfen)
  • unterschiedliche Themen (weil die Motivation immer auch eine Frage des Inhalts ist)
  • unterschiedliche Lernwege (weil jedes Kind anders lernt und jeder Lerntyp willkommen ist)
  • unterschiedliche Materialien (weil sich nur so Kopf, Herz und Hand erreichen lassen)
  • unterschiedliche Zeitvorgaben (weil nicht jedes Kind ein Schnelldenker ist)
  • unterschiedliche Schwierigkeitsgrade (weil die kognitiven Möglichkeiten der Kinder stark differieren)
  • unterschiedliche Sozialformen (weil die Kinder so voneinander lernen können)