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Eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache

Die lebensnahe Vermittlung deutscher Sprache ist das Anliegen, das unserem Deutschbuch zugrunde liegt. Mit diesem kurzen Beitrag möchten wir dieses Anliegen würdigen und über das Lehrwerk hinaus zeigen, wo und wie sich deutsche Sprache in der Gegenwart entfaltet. Lassen Sie sich für Ihren Deutschunterricht inspirieren! 

Lieder-Macher  –  Rockige Beats und poetische Text

 

 

Politisch, aber nie predigend. Pflichtbewusst, aber nie pathetisch. Persönlich, aber nie privat. Die Berliner Band Treptow ist eine originelle und sprachsichere neue Stimme in der deutschen Rock- und Popmusik.  

Philipp Taubert (Sänger, Gitarrist und, vor allem, Texter), Lukas Lindner (Schlagzeuger) und Simon Schulte-Werning (Bassist) veröffentlichten als Treptow 2017 ihr Debüt-Album Besser selbst als gar nicht. Und jenseits der schlüpfrigen  Interpretation: Die Band hat fast alles selbst gemacht. Die Songs geschrieben und geprobt. Die Aufnahme und Produktion auf dem Studioschiff MS Heiterkeit. Das Cover fotografiert. Den Schriftzug mitentworfen und aus Holz gelasert. Die Promotion – bis auf Radio-PR. Entwurf und Verkauf der Merchandising-Artikel. Die Überwachung der Videoproduktionen bis in den Schnitt. Das Buchen aller Konzerte, 49 Stück etwa für die 2018 im wegrostenden PKW samt Gepäck- und Instrumentenkoffer-Tetris absolvierte „Alles-außer-Schlaf“-Tour. 

Bereits im Herbst 2014 erschien Philipp Tauberts Solo-Debüt Wolken der Stadt. Fünf Songs, mit mal ruhiger, mal treibender Akustikgitarre im Stil der Liedermacher. Vorgetragen mit auffällig rauer Stimme – und mit deutschen Texten. Sein Englisch ist vertragssicher. „Ich kann englische Texte schreiben, die funktionieren – trotzdem sind sie weit davon entfernt, gute Texte zu sein. Jede Sprache hat ja ihre eigenen Schlüssel und Codes. Bis man so firm ist, dass man etwa Ironie und Mehrdeutigkeiten adäquat übertragen kann, muss man schon lange in dem anderen Land gelebt haben. Deutsch ist dagegen die Sprache, in der ich denke, träume, Witze mache.“ 

(Auszug aus der Sonderpublikation Mein Deutschbuch. Das Deutschbuch. Eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache.)

 

Nachgefragt bei Philipp Taubert

Ein deutschsprachiges Album, das man unbedingt gehört haben muss:  
Die Musik der Comedian Harmonists ganz generell. Grandiose Melodieführung und Harmonien sowie fantastisch spitzer Humor in Musik und Text. Ein echtes deutsches Kulturgut, das seiner Zeit voraus war und bewahrt werden muss.

 

 

Poetry Slam - Die Schlacht um das Wort

Dichterwettstreite, die Konzerthallen füllen? Lyrik zur Primetime? Tausende junge Zuhörer, die sich für Gedichte und Literatur begeistern? Das klingt verrückt, funktioniert aber – wenn man es richtig verpackt. Slam-Poeten wie Philipp Herold machen es vor. Der studierte Kulturwissenschaftler ist zweimaliger deutschsprachiger Poetry-Slam-Vizemeister. Er absolviert mindestens 100 Auftritte jedes Jahr und stellt sein wortgewandtes Können auch als Autor, Moderator und Workshopdozent in Schulen unter Beweis.  

„Das Großartige am Poetry-Slam“, erklärt Herold, „ist die Tatsache, dass er so viele Richtungen und Möglichkeiten zulässt.“ Bei den sogenannten Dead-or-Alive-Slams beispielsweise treten Schauspieler mit Texten toter Dichter wie Goethe, Kinski oder Willemsen gegen die Stücke höchst lebendiger Poeten an. Bei Prop-Slams dürfen sie ausnahmsweise Requisiten benutzen, bei CoverSlams gibt man die Texte anderer Autoren zum Besten, während die Teilnehmer von Island-StyleSlams ihre Texte live binnen 20 Minuten und unter Verwendung einer Handvoll vorgegebener Begriffe verfassen müssen. Neben diesen Varianten florieren noch unzählige weitere Spielarten. Philipp Herold beispielsweise hat einmal auf Einladung der Lebenshilfe einen Deaf-Slam moderiert, bei der ein Simultandolmetscher seine Moderationstexte in Gebärdensprache übersetzte.  

Poetry-Slammer sind so etwas wie die Spaßfraktion der Literaten, deshalb aber nicht weniger ernsthaft. Philipp Herold beispielsweise thematisiert in einem Gedicht historische Phänomene wie die Castor-Transporte, RAF-Terror und Mindestlohn, verwebt mit seiner persönlichen Geschichte. Ein anderer seiner Texte ist eine Art Reflexion über die Faszination des Feuers und die Sage des Prometheus, der ihm zu nahe geriet. Eigentlich Hardcore-Stoff, der aber durch Herolds Reimform an Leichtigkeit gewinnt. 
 


Nachgefragt bei Philipp Herold

Das fieseste Wort der deutschen Sprache heißt … 
Fremdenhass. 


 

Literaturblogs - Über das schreiben, was andere schreiben

 

 

Hunderte Buchblogger teilen online ihre literarischen Entdeckungen und Enttäuschungen mit anderen. Während die meisten in stillen Nischen des World Wide Webs vor sich hinpublizieren, erreichen manche jeden Monat tausende Leser. Sophie Weigand, Studentin der Kulturwissenschaften aus Lübeck, betreibt seit über 7 Jahren Literaturen, einen der meistgelesenen Literaturblogs Deutschlands. 

„Aus meiner Zeit als Buchhändlerin weiß ich, dass viele Leute schlicht um der Unterhaltung willen lesen“, sagt sie. „Ich finde, das ist auch völlig in Ordnung so. Was ich ebenfalls weiß: Bei 60.000 bis 80.000 Büchern, die jedes Jahr neu auf den Markt kommen, brauchen Leser einfach Orientierungshilfe.“ Und die erhalten sie Monat für Monat in überschaubarer, zugänglicher Weise von Amateurkritikern wie Sophie Weigand. 


Nachgefragt bei Sophie Weigand 

Ein (deutscher) Satz, mit dem man immer gewinnt: 
Vielleicht wird alles viel leichter.