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Tinto 1

Grüne JÜL-Ausgabe

  • Schriftspracherwerb mit offenen Lernwegen
  • Begeisternde Themen, liebevolle Illustrationen
  • Materialien für einen flexiblen Einsatz mit vielen Differenzierungsmöglichkeiten
  • Für jahrgangsübergreifendes Lernen

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TINTO blau und TINTO grün – schnell erklärt im TINTO-Film

Wozu gibt es eine blaue und eine grüne Ausgabe von TINTO? Das Lehrwerk ist ideal für den jahrgangsübergreifenden Unterricht, aber kann es auch in nicht-gemischten Klassen eingesetzt werden? Erfahren alles zum TINTO-Konzept – anschaulich und farbenfroh erklärt im TINTO-Film.

Was ist TINTO?

TINTO ist die praktische Umsetzung eines offenen Schreib-Lese-Lern-Konzepts. Im Mittelpunkt stehen dabei die zentralen Materialien: das Buchstabenhaus, das Erstlesebuch und das Arbeitsheft.

Über weitere Materialien, die nicht streng aufeinander aufbauen, aber miteinander korrespondieren, werden den Kindern zusätzlich Lernangebote gemacht.

Je nach Leistungsstand und Motivation können die Kinder häufig selbst entscheiden, welches Angebot sie nutzen wollen oder das gleiche Angebot unterschiedlich nutzen. Das letzte nennt man „natürliche“ Differenzierung. Beispiel: Bei der gleichen Schreibaufgabe schreibt ein Kind ein Wort, ein anderes einen Satz, ein drittes schon eine Geschichte und ein viertes nur einen Buchstaben. An jedem „Produkt“ kann die Lehrerin ablesen, wie weit das Kind schon ist und was es als nächstes lernen könnte.

So wird nicht nur die differierende Lernausgangslage der Kinder berücksichtigt, sondern auch die Tatsache, dass sie sehr unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten zur Schrift haben und daher differenzierte Lernwege zur Verfügung stehen müssen.

TINTO eignet sich deshalb hervorragend für Unterricht nicht nur in jahrgangshomogenen, sondern auch in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen.

Warum kein kleinschrittiger Lehrgang?

Die TINTO-Materialien legen keine Reihenfolge fest, in der gelernt werden soll. Sie setzen nicht an einem fiktiven Nullpunkt an, von dem aus alle Kinder auf den Weg geschickt werden. Mit TINTO ist vielmehr ein offener Anfangsunterricht möglich, der den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes gerecht wird.

Zwei Grundgedanken bestimmen die Konzeption der Materialien. Erstens: Kinder können sich den Weg in die Schriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten. Dazu sind geeignete Materialien und Hilfestellungen wichtig. Zweitens: Kinder erlernen das Lesen durch Schreiben.

Lesen durch Schreiben?

Kinder erlernen mit TINTO, das Lesen durch Schreiben. Sie schreiben Wörter und Texte, die für sie wichtig sind, die ihnen Freude bereiten, mit denen sie uns etwas mitteilen wollen. Sie entdecken dabei die Funktion der Schrift als ein Zeichensystem, das weitgehend die Laute der Sprache abbildet. In den selbst geschriebenen Texten können sie dabei große Kreativität entwickeln.

Schreiben ist lange verstanden worden als die Reproduktion vorgegebener oder im Gedächtnis verankerter Wortbilder. Deshalb glaubte man, dass es die Hauptaufgabe der Schreiberziehung sei, diese Wortbilder Kindern einzuprägen. Damit wurde das Prinzip der Fehlervermeidung zum obersten Prinzip der Schreibdidaktik erhoben.

Heute wissen wir, dass Schreiben ein konstruktiver Prozess ist: nach zunächst bewussten, später weitgehend nicht bewussten Regelungen.

Dem Ansatz „Lesen durch Schreiben“ folgend, erlernen die Kinder mit Hilfe der Lauttabelle, die bei den TINTO-Materialien „Buchstabenhaus“ heißt, das Schreiben.

Wie funktioniert das TINTO-Buchstabenhaus?

Das Kind muss am Anfang die für das zu verschriftende Wort notwendigen Buchstaben bewusst im Buchstabenhaus suchen. Später denkt es nur „o“ und das entsprechende Zeichen steht ihm „automatisch“ zur Verfügung. Nach entsprechend langer Übungszeit denkt es nur den Begriff, und das ganze Wort wird innerhalb von Sekunden von seinem Gehirn konstruiert, ohne dass es sich dabei der Laut-Buchstabenbeziehungen und der spezifischen orthografischen Regelung bewusst wird.

Das Schreibenlernen mit Hilfe des Buchstabenhauses ermöglicht genau dieses konstruierende Vorgehen, wobei das Buchstabenhaus kein Selbstzweck ist, sondern die Funktion hat, eine Brücke zwischen Laut und Buchstabe zu sein. Arbeiten die Kinder regelmäßig mit dem Buchstabenhaus, lernen sie, Laute und Buchstaben automatisch einander zuzuordnen: Sie assoziieren das richtige Zeichen zum gehörten Laut.

Die ständige Präsenz der Hilfe verhindert auch, dass es zu Verwechslungskonflikten kommt. Die Kinder entscheiden selbst, wie lange sie mit dem Buchstabenhaus schreiben möchten. Dem Erlernen der Laut-Buchstaben-Beziehung dient auch der TINTO-Rap.

Welche Rolle habe ich als Lehrerin bzw. Lehrer?

Die schülerbezogene Grundhaltung in geöffneten Unterrichtsformen verlangt von der Lehrkraft einen sozial-integrativen Erziehungsstil. Die Lehrkraft hat Vertrauen in den Lernwillen der Kinder. Sie vermeidet, Schülerinnen und Schüler auf ein bestimmtes Leistungsniveau festzulegen. Sie behandelt die Kinder als gleichberechtigte Partner, ermöglicht selbstständiges Tun, nimmt Vorschläge auf, akzeptiert Kritik, argumentiert bei Widerspruch. Sie übt didaktische Zurückhaltung. Sie regt die Lernprozesse der Kinder an nach dem Montessori-Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Sie beobachtet den Lernfortschritt mit Hilfe verschiedener Beobachtungshilfen, die die HRU von TINTO zur Verfügung stellt.

Sandra Meeh, Grundschulrektorin an der Grundschule Öschelbronn zu ihrer veränderten Lehrerrolle in einem offenen Unterricht und dazu in einem jahrgangsübergreifendem Unterricht (1/2):

„Meine Lehrerrolle hat sich durch diese Arbeitsform sehr verändert. Ich bin Helfer, Materiallieferant, Lernender, Anlaufstelle und vor allem Lernbegleiter. Die Kinder nehmen ihr Lernen selbst in die Hand. Dabei ist es wichtig, dass sie gut strukturiertes Material zur Verfügung haben. […]

Es gibt viele Alltagssituationen, die sehr unterschiedlich verlaufen. Doch ich kann sagen, dass ich überwiegend positive Erlebnisse mit dem offenen System gemacht habe.

Deshalb möchte ich allen Mut machen, die diese Arbeitsform einmal ausprobieren wollen. Denn Offenheit und Individualität sind ein echter Gewinn, wenn eine gute Struktur und ansprechendes Material dieses Vorhaben unterstützen.“

Wie kooperiere ich mit den Eltern?

Mit dem ersten Schultag beginnt nicht nur für das Kind ein neuer Lebensabschnitt, auch die Eltern müssen sich umstellen. Es ist nicht immer leicht, eine Lehrerin als miterziehende Person zu akzeptieren. Wenn dann der von ihr praktizierte Unterricht auch noch ganz anders verläuft als der, den die Eltern als Kinder erfahren haben, kann es zu großen Verunsicherungen kommen.

Deshalb ist es wichtig, den Eltern zu erklären, wie und nach welchem Konzept ihre Kinder schreiben und lesen lernen. Bei der Arbeit mit der Buchstaben-Laut-Tabelle ist eine rechtzeitige und umfassende Information der Eltern unverzichtbar. Wesentlich eindrücklicher kann die Information aber durch eine Selbsterfahrung, z. B. mit einem verfremdeten Buchstabenhaus, gestaltet werden.

Sie haben weitere Fragen?

Haben Sie darüber hinaus Fragen, können Sie diese per E-Mail stellen, die dann an die Autorinnen und Autoren und an erfahrene Nutzer von TINTO weitergeleitet und beantwortet werden: tinto@cornelsen.de

Wir werden uns bemühen, Ihre Anfragen so schnell wie möglich zu beantworten. Sollte es ggf. aufgrund vieler Anfragen zu kleinen Verzögerungen in der Beantwortung kommen, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir Ihnen eine kurze Mitteilung für diesen Fall zusenden.

Wir werden dann Antworten zu weiteren häufigen Fragen in der obigen Liste öffentlich ergänzen. Wir hoffen, dass dann auch Ihre Anfrage eine Antwort erfahren wird.

Ihr TINTO-Team und Ihr Cornelsen Verlag

Das Tinto-Team

Wir sind das Team, das das Schreib-Lese-Lehrwerk Tinto entwickelt hat: Ursula Brinkmann, Doris Frickemeier, Irmgard Mai, Linda Anders, Dr. Rüdiger Urbanek, Gabriele Müller und Imke Pelz. Alle haben wir umfangreiche Erfahrungen mit offenem, hoch individualisiertem Unterricht, der dennoch themenzentriert ist.

Dr. Rüdiger Urbanek

Mit Tinto hat Dr. Urbanek eines der für den Anfangsunterricht in Deutsch derzeit bundesweit besonders erfolgreichen Konzepte entwickelt, die von der Idee ausgehen, dass Kinder sich den Weg in dieSchriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten können. Bis zu seiner Pensionierung war Dr. Urbanek Regierungsschuldirektor am Landesinstitut für Schule und Weiterbidung in Soest und zugleich Koordinator der Lehrplankommission für das Fach Deutsch/Grundschule. Er betätigt sich weiterhin als Fortbildner von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern sowie von Lehreraus- und -fortbildern.