Mit Lärm umgehen

73 Dezibel – Durchschnittslautstärke im Klassenraum während des Unterrichts

Mit Lärm umgehen

In vielen Klassenzimmern ist es zu laut – und Lärm macht krank. Ab einem anhaltenden Geräuschpegel von 65 Dezibel steigt das Herzinfarktrisiko, warnt der Rat für Umwelt der Europäischen Union. Lehrerinnen und Lehrer sind statistisch jeden Tag mehrere Stunden bis zu 95 Dezibel ausgesetzt. Auf dem Pausenhof, in Mensa oder Turnhalle steigt der Geräuschpegel oft auf das Doppelte. In anderen Berufen ist bei dieser Lautstärke längst ein Gehörschutz vorgeschrieben. Im Klassenzimmer dagegen soll dabei individuell beraten, begleitet, begeistert und beurteilt werden.

Lärm kann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Hohe Schallpegel fördern Stress, können Herzkrankheiten und Burn-Out-Erkrankungen verursachen oder das Gehör schädigen. Nicht zuletzt beeinträchtigt ein hoher Lärmpegel die Konzentrationsfähigkeit, das Nachdenken und Verstehen. Lärm ist ein Stressfaktor für alle Schüler und Lehrer und eine besondere Erschwernis für Kinder mit Hörschädigungen, Förderbedarf oder nichtdeutscher Muttersprache.

Aktive Unterrichtsformen erhöhen die Lautstärke
Mit der Qualität von Unterricht und der Kompetenz der Unterrichtenden hat Lärm nichts zu tun. Guter Unterricht braucht Kommunikation. Lernen lebt vom Informationsaustausch und gerade moderne, handlungsorientierte Unterrichtsformen erhöhen die Lautstärke im Klassenzimmer. Methoden wie Freiarbeit, Lernzirkelarbeit, Projektarbeit und kooperatives Lernen verstärken den Austausch untereinander und führen schnell zu einer Lärmspirale, in der jede Gruppe versucht, die Gespräche der Nachbarn zu übertönen. Kaum ein Klassenzimmer ist raumakustisch optimiert.

Wie lässt sich die Lärmbelastung reduzieren?
Technische Einbauten wie Akustikdecken oder schallgedämmte Wände und Türen sind effektiv, scheitern aber oft an finanziellen und administrativen Hürden. Meist sind Schallpegel und Nachhallzeiten erhöht, liegen aber knapp unter der Gefährdungsbescheinigung. Einzelne Verbesserungen der Raumausstattung können selbst vorgenommen werden, wie die Anbringung schallabsorbierender Materialien, die Reduzierung glatter Flächen oder das Aufstellen von Schallstörern. Hilfreich kann auch sein, die Schülerinnen und Schüler für Lärm zu sensibilisieren, sei es durch didaktische Unterrichtseinheiten zu Lärmquellen, Lärmschutz und Lärmgefährdung oder das Anbringen von Lärmampeln.

Der erste Schritt für eine verbesserte Raumakustik ist aber ein offener Umgang mit dem Thema Lärm, der hohe Geräuschpegel weder bagatellisiert noch einem mangelnden Geschick einzelner Lehrer zuschreibt. Lärm muss als normaler Effekt einer lernförderlichen Kommunikation erkannt werden, den es bestmöglich zu steuern gilt. Denn eine raumakustisch entspannte Atmosphäre fördert den Lernerfolg und die Freude am Unterricht – bei Schülern und Lehrern.