Cornelsen Schulleitungsstudie 2026
Die wichtigsten Studienergebnisse zusammengefasst
Zum Start des Reformschuljahres trifft der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung auf Schulen, die am Limit arbeiten. Nur jede 5. Grundschulleitung hält hochwertige Ganztagsbildung unter den aktuellen Voraussetzungen für möglich. Startchancen-Programm und Digitalisierung werden ambivalent betrachtet.
Schulleitungsthemen und Rollenverständnis
- 37 Prozent der Schulleitungen sind zufrieden mit der Situation an ihrer Schule.
- 94 Prozent berichten von stetig wachsenden Aufgaben ohne ausreichende Entlastung.
- 83 Prozent fühlen sich durch Bürokratie ausgebremst.
Wichtigste Schulleitungsthemen
- Allgemeinbildende Schulen: 73 Prozent Kinder mit herausforderndem Verhalten, 51 Prozent KI, 40 Prozent Gesundheit aller Schulakteure.
- Berufsbildende Schulen: 44 Prozent Personalgewinnung, 43 Prozent Schüler:innengewinnung, 39 Prozent Personalgewinnung.
Startchancen-Programm
- 93 Prozent der Schulleitungen, die am Startchancen-Programm teilnehmen, sehen einen Nutzen für die eigene Schule.
- Dokumentationspflichten (82 Prozent), Antragsverfahren (75 Prozent) und Personalmangel (63 Prozent) bremsen die Umsetzung.
- Nur 36 Prozent der betroffenen Schulleitungen erwarten, dass an ihrer Schule der Anteil der Kinder, die die Mindestanforderungen in Deutsch und Mathematik noch nicht erreichen, halbiert werden kann.
Rechtsanspruch Ganztag
- 86 Prozent der Befragten sehen im Ganztag vor allem ein Betreuungs- und kein Bildungsangebot.
- Nur eine von fünf Grundschulen hält unter den aktuellen Gegebenheiten eine hochwertige Ganztagsbildung für möglich.
- Die größten Hürden sind Räumlichkeiten und qualifiziertes Personal.
- In Ostdeutschland, Berlin und Hamburg werden schon heute mehr als 80 Prozent der Grundschulkinder ganztägig beschult oder im Hort betreut, im Rest der Republik herrscht Aufholbedarf.
Demokratie
- 32 Prozent betonen, dass der Schulalltag durch Gewalt belastet wird.
- 50 Prozent berichten von Eltern, die demokratische Werte nicht mittragen – in ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind es 65 Prozent.
- 51 Prozent fühlen sich alleingelassen, wenn es darum geht, demokratische Werte in der Schule zu verteidigen.
Lernerfolg und Hindernisse
- Belastungen der Schüler:innenschaft wie psychische Probleme (88 Prozent), familiäre Herausforderungen (81 Prozent) und soziale Auffälligkeiten (79 Prozent) prägen den Schulalltag.
- 74 Prozent berichten von Lernschwierigkeiten.
- Als mögliche Ansätze für mehr Lernerfolg werden unter anderem stärkere Förderung von Basiskompetenzen (79 Prozent), ein besserer Umgang mit der Heterogenität der Schüler:innenschaft (71 Prozent), multiprofessionelle Teams (69 Prozent) und eine grundlegende Anpassung der Rahmenlehrpläne (61 Prozent) gesehen.
Social Media und Smartphone-Verbot
- Schulleitungen wünschen sich klare, rechtssichere Leitplanken.
- An allgemeinbildenden Schulen befürworten 96 Prozent ein Smartphone-Verbot im Unterricht und 91 Prozent ein ganztägiges Verbot.
- 92 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung beim Thema Cybermobbing.
Digitalisierung und KI
- Schulen wollen Digitalisierung vorantreiben; die größten Bedarfe werden bei nachhaltiger Finanzierung (78 Prozent) und Fortbildung der Lehrkräfte (72 Prozent) gesehen.
- Für KI wird medienkritische Begleitung gefordert (99 Prozent).
- 78 Prozent erkennen an, dass KI eigenständiges Denken der Schüler:innen gefährdet, und nur 30 Prozent erwarten durch ihren Einsatz mehr Chancengerechtigkeit.
Zur Studie
Die Cornelsen Schulleitungsstudie umfasst eine bundesweite Online-Befragung von Schulleitungen verschiedener Schulformen. Befragt wurden 2.066 Schulleitungen, davon 1.819 an allgemeinbildenden Schulen und 247 an berufsbildenden Schulen. Zusätzlich wurden 16 leitfadengestützte Interviews geführt. Erhebungszeitraum ist Februar bis Juni 2026. Durchgeführt wurde die Studie vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Cornelsen Verlags.