Referendariat / 25.06.2018

Motivierende Unterrichtseinstiege: Tipps und Ideen

Clevere Appetitanreger

Unterrichtseinstiege haben enormes Potenzial: Sie können die Lernbereitschaft der Schüler aktivieren, sie motivieren und ihren Entdeckergeist wecken. Wie es geht und was Sie beachten sollten, erfahren Sie hier. Fünf konkrete Ideen für gelungene Unterrichtseinstiege in der Sek liefern wir direkt mit.

Bild: stock.adobe.com/goir

Der Unterrichtseinstieg – oftmals unterschätzt

Gelungene Unterrichtseinstiege können viel mehr als nur der Auftakt für die folgenden 45 oder 90 Minuten zu sein: Sie können als "Appetithäppchen" fungieren und den Schülern Lust auf den Unterricht machen. Sie können das Ankommen in der Stunde erleichtern und die Lernbereitschaft wecken. Sie können den Kopf freimachen für neue Themen, motivieren und Interesse wecken. Sie können die Begeisterung für ein Thema entfachen und den Entdeckergeist wecken. 

In guten Unterrichtseinstiegen steckt also enormes Potenzial, das Sie für Ihren Unterricht nutzen sollten. Fünf konkrete Alternativen zum reinen "Schlagt bitte eure Bücher auf Seite XY auf!" haben wir hier für Sie zusammengetragen. Alle Anregungen basieren dabei auf der Ideensammlung "Produktive Unterrichtseinstiege – 100 motivierende Methoden für die Sekundarstufen" von Arthur Thömmes (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0022-6), in der Sie – wenn Sie mögen – noch viele weitere Impulse finden können.

Gute Einstiege: Funktionen und Voraussetzungen

Am Anfang einer Einzelstunde oder zum Auftakt einer neuen Unterrichtseinheit kann der Unterrichtseinstieg die Schüler wirkungsvoll in ein neues Thema einführen. Wenn Sie das Thema, die Ziele und den Unterrichtsverlauf vorstellen, kann der Einstieg auch Orientierung bieten und den Schülern einen Eindruck geben, wohin die Reise gehen soll. Auch die Zusammenhänge zu bereits bearbeiteten oder zukünftigen Themen kann er aufzeigen – und so altes und neues Wissen verknüpfen. 

Damit all das gelingen kann, müssen Sie die Schüler da abholen, wo sie stehen. Außerdem sollten Sie bei der Methodenauswahl immer die konkrete Situation in der bestimmten Lerngruppe bedenken. Die Gruppendynamik ist ein wichtiger Faktor für die Frage, welche Methode in der jeweiligen Klasse funktioniert und sinnvoll ist. Nicht jeder Einstieg passt zu jeder Gruppe. Der Unterrichtseinstieg, den Sie wählen, sollte idealerweise auch die ganz individuellen Wissensstände, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Stärken der Schüler aufgreifen. So heben Sie bisher ungenutzte Potenziale. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass der Unterrichtseinstieg tatsächlich für alle Schüler nachvollziehbar ist – auch bei heterogenen Lerngruppen müssen Sie also einen gemeinsamen Nenner finden.

Methoden zum Ankommen

Ihre Schüler und auch Sie selbst müssen zunächst in der Unterrichtsstunde ankommen. Wer sich gedanklich noch mit der letzten Stunde beschäftigt, sich in der Pause geärgert hat und immer noch vor sich hin grummelt oder sich so beeilen musste, dass er völlig aus der Puste ist, kann sich schwer auf den jetzt folgenden Unterricht einlassen. Ein angenehmes Lernklima und ein freier Kopf sind entscheidend für den Lernerfolg. 

Beginnen Sie doch einmal damit, Motivationskiller aufzudecken und gezielt den inneren Schweinehund zu hinterfragen. Schülern ab 14 Jahren geben Sie dazu ein Arbeitsblatt, auf dem sie notieren sollen, was ihre Motivation bremst. Das Ergebnis sollen sie dann nicht vorlesen, sondern sich selbst Möglichkeiten überlegen, um ihre Motivation zu fördern. Ein Beispiel könnte lauten: "Ich habe heute gar keine Lust auf Mathe. Ich nehme mir aber vor, mich mindestens dreimal zu melden und nach der Stunde kaufe ich mir am Kiosk einen Schokoriegel." Wichtig ist, dass die Schüler selbst Lösungsmöglichkeiten für ihre "Motivationsbremsen" finden. Nur so können sie ihren inneren Schweinehund tatsächlich überwinden. 

Alternativ können Sie zum Beispiel auch mit der "aktuellen Stunde" starten. Sie können einen aktuellen Zeitungsausschnitt vorlesen, ein Foto zeigen oder einfach ein Thema ansprechen, das gerade weite Kreise in den Medien zieht. Fragen Sie die Schüler, was sie darüber wissen und wie sie darüber denken, lassen Sie sie aber gegebenenfalls auch einfach ihre Betroffenheit ausdrücken. Aktuelle Themen bewegen die Schüler oft sehr stark – ab 10 Jahren können sie sich gut im Unterricht dazu äußern.

Ideen zur thematischen Motivation

Damit Sie die Schüler für das konkrete Thema motivieren können, müssen sie sich zunächst damit vertraut machen. Im Idealfall wecken Sie den "Spürsinn" der Schüler, sodass sie aus eigenem Antrieb Fragen entwickeln und der Sache nachgehen wollen. 

Bei Klassen mit Schülern ab 10 Jahren können Sie beispielsweise als Geschichten-Erzähler starten: Sie erzählen eine kurze Geschichte, eine Anekdote oder auch ein Märchen, um das Unterrichtsthema einzuleiten. Die Kernaussage und die Hintergründe der Geschichte können dann im nachfolgenden Unterricht näher untersucht werden. In jedem Fach gibt es berühmte Persönlichkeiten – zum Beispiel Albert Einstein, Franz Kafka oder Marie Curie –, zu denen Sie spannende Anekdoten einbringen können. Achten Sie aber nach Möglichkeit darauf, tatsächlich zu erzählen und nicht nur vorzulesen – das macht die Geschichte lebendiger und eindrucksvoller. 

Alternativ können Sie auch mit einer Demonstration beginnen, um den Schülern einen abstrakten Inhalt durch Gegenstände oder Medien zu veranschaulichen. Je mehr Sinne Sie ansprechen, desto besser – die Schüler sollen sich sehend, hörend, riechend, schmeckend und/oder tastend an die Materie heranwagen.

Wenn Sie lieber erst mal mit einem Arbeitsblatt starten möchten, statt gleich Demonstrationen zu nutzen, denken Sie doch ausnahmsweise über ein paar spannende Lügen nach: Schülern ab 10 Jahren können Sie einen einleitenden Text zum Unterrichtsthema austeilen. Darin nennen Sie viele interessante Fakten, von denen aber nicht alle wahr sind – manches ist etwas übertrieben, anderes schlichtweg falsch. Die Schüler werden nun als Detektive aktiv: Sie müssen herausfinden, welche der Aussagen wahr sind und welche nicht. Dazu recherchieren sie selbst in der passenden Informationsquelle, zum Beispiel im Schulbuch, in Fachbüchern, Lexika oder im Internet. Die Lösungen werden anschließend gemeinsam besprochen.

Nur Mut: Probieren Sie es einfach aus!

Innere Sperren sollten Sie ernst nehmen und nicht einfach übergehen – das gilt sowohl mit Blick auf die Schüler als auch für Ihre eigene innere Haltung. Nicht jeder Einstieg passt zu Ihnen und nicht jede Methode passt zu Ihrer Klasse. Beobachten Sie also immer wieder, wie Ihre Schüler und auch Sie selbst sich mit den Unterrichtseinstiegen fühlen und ob beziehungsweise wie sie funktionieren. Fangen Sie mit dem an, wobei Sie sich sicher fühlen und bleiben Sie neuen Ideen gegenüber offen. Denn erst wenn Sie etwas probiert haben, wissen Sie auch, ob es Ihnen und Ihren Schülern schmeckt.

Fortbildungstipp

Anders Lernen lernen – ein Methodentraining
Viele Schülerinnen und Schüler machen sich das Lernen unnötig schwer, weil sie ohne oder mit veralteten Lerntechniken arbeiten, die die Kapazitäten des Gehirns oft nicht annähernd voll ausnutzen. 
 

Schlagworte:

28.07.2020
Was soll ich in der Schule anziehen?
Über passende Outfits und ihre Wirkung
Hartnäckig hält sich das Gerücht, Lehrer seien meist schlecht gekleidet. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass wir uns eher an die seltsam gekleideten Lehrer aus unserer eigenen Schulzeit erinnern als an die mit unauffälligem Outfit. Doch welche Kleidung passt zum Lehrerberuf? Schließlich gibt es... Weiterlesen
22.07.2020
Richtig auftreten bei Schülern, Eltern & Kollegen

Tipps für Referendare und Junglehrer

Das rein Fachliche ist nur eine Seite der Medaille: Als Referendar beziehungsweise Junglehrer stellt sich für Sie auch die Frage nach dem richtigen Auftreten. Wie Sie Schülern, Eltern und Kollegen am besten begegnen, erklären wir Ihnen hier: unsere 5 Top-Tipps. ... Weiterlesen
08.07.2020
Den Grundschulalltag richtig ritualisieren

Rituale und Phasenübergange

Sinnvolle Orientierungshilfen sind für Grundschulkinder besonders wichtig. Was Rituale leisten können, wodurch sie sich auszeichnen und welche kreativen und bewährten Rituale sich für Ihren Unterricht lohnen, erfahren Sie hier. ... Weiterlesen
06.07.2020
Referendare – wie eine gute Betreuung gelingt

Erfahrene Pädagogen empfehlen, was sich in der schulischen Praxis bewährt hat

Kurz vor Beginn des Schul(halb)jahres stehen sie vor der Tür: die Neuen. Keiner weiß so recht, was sie können, und Zeit für eine gute Betreuung hat eigentlich auch keiner – trotz viel guten Willens. Umgekehrt schwanken die Nachwuchslehrer oft zwischen hohen Erwartungen an ihren Sprung in die Praxis ... Weiterlesen