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Bild: Fotolia/Katerina

Wie gelingt inklusiver Unterricht?

Ein Interview

Fünf Fragen an die Leipziger Grundschul- und Förderschullehrerinnen Birgit Herzog und Daniela Olschewski, die für ihre Umsetzung von Inklusion den Cornelsen Stiftungspreis Zukunft Schule erhalten haben.

1. Frage: Welche Schritte empfehlen Sie für den Anfang?

  1. Fordern Sie ein Zweilehrersystem ein und praktizieren Sie Teamteaching mit zwei gleichwertigen Partnern. Dazu gehört: eine gemeinsame Vision entwickeln, viel Kommunikation untereinander und klar abgesteckte Aufgabenbereiche.
  2. Gehen Sie von einer gemeinsamen Schülerklientel aus, betreiben Sie keine Sonderfallbehandlung!
  3. Informieren Sie über gut laufende Projekte, die Beispiel geben können, und nutzen Sie die Fortbildungsmöglichkeiten.

2. Frage: Wie bleibt im Unterricht genügend Zeit für eine individualisierte Betreuung?

Mit einer langfristigen, gezielten und klar strukturierten Planungsarbeit. Da gleichen wir Arbeitsmaterialien und Unterrichtsstrukturen an und stecken lehrplangerecht Zielvorgaben ab. Im Unterricht setzen wir einen Mix aus individuellem, also lernzieldifferentem, und gemeinsamem Lernen ein. Die offenen Unterrichtseinheiten geben den Freiraum für eigenständiges Lernen und ermöglichen eine individualisierte Betreuung.


3. Frage: Wie gelingt die Kommunikation mit Eltern, Kollegen und der Schulleitung?

Bei uns ist die Planungsarbeit jederzeit transparent. Wir hängen Jahres- und Wochenplänen aus, die für alle Beteiligten einsehbar sind. Wir achten darauf, dass die Absprachezeiten intensiv genutzt werden, und pflegen eine Hospitationskultur. Außerdem binden wir neue Medien ein, um zeitnah kommunizieren zu können.


4. Frage: Wie setze ich – auch hinsichtlich eines begrenzten Budgets – die richtigen Prioritäten?

Budget im finanziellen Sinne hat nichts mit der Gestaltung guten Unterrichts zu tun (siehe John Hattie)! Wir verschaffen uns einen Überblick auf Buchmessen und in anderen Foren, greifen viel auf bewährte, kindgerechte Materialien zurück. Vor allem aber arbeiten wir mit kompetenten Mitarbeitern zusammen, die in die Weiterentwicklung von Unterrichtsmaterialien involviert sind.


5. Frage: Aus welchen Fehlern haben Sie gelernt?

Aus vielen Fehlern, vielleicht am wichtigsten: Keine vorzeitige Kapitulation! Denn:

  1. Je mehr Personen zusammenarbeiten müssen, umso schwieriger werden Absprachen.
  2. Nicht jede Form der Freiarbeit ist geeignet, wenige ausgewählte Methoden bringen oft mehr.
  3. Wir dürfen nicht in Leistungsdruck verfallen.
  4. Hilfesysteme müssen konsequent und penetrant eingefordert werden.