Unterricht gestalten / 09.08.2018

Drei Tipps für eine richtig gute Lernatmosphäre

Damit die Stimmung stimmt

Schlechte Stimmung verleidet allen Beteiligten den Unterricht – aber zum Glück ist auch gute Stimmung absolut ansteckend. Drei wirkungsvolle Tricks für eine angenehme und positive Lernatmosphäre können Sie sich hier von erfahrenen Kollegen abschauen.

Bild: Shutterstock.com/Pressmaster

Alles ist leichter, wenn die Stimmung stimmt

Erinnern Sie sich an einen richtig schlechten Tag? Einen Tag, an dem Sie morgens schon mit dem falschen Bein aufgestanden sind? Vielleicht hat der Wecker nicht geklingelt, Sie haben Ihren Kaffee verschüttet, dann gab es Stau auf dem Weg zur Schule und zum krönenden Abschluss hatten Sie auch noch alle Arbeitsblätter zu Hause liegen lassen.

Erinnern Sie sich auch an einen richtig guten Tag? Einen, an dem viele kleine Dinge passiert sind, die aber alle halb so wild waren? Sie sind morgens gleich gut gelaunt wach geworden. Zum Glück konnten Sie ein paar Minuten länger schlafen, denn der Wecker hat irgendwie nicht geklingelt. Der Kaffeefleck fiel auf der Musterbluse gar nicht groß auf, im Stau konnten Sie noch etwas länger Ihre Lieblingsmusik hören. Und im Unterricht haben Sie dann so sensationell improvisiert, dass die vergessenen Arbeitsblätter kein bisschen schlimm waren.

Vielleicht haben Sie gemerkt, worauf all das hinausläuft: auf die Erkenntnis, dass unsere Stimmung entscheidend ist. Sie entscheidet, ob etwas eine kleine Hürde oder ein großes Problem ist, ob uns die Schüler besonders fröhlich oder einfach nur laut vorkommen und wie der Unterricht verläuft. Als Lehrer sind Sie nämlich der Mittelpunkt des Lernprozesses und – im wahrsten Sinne des Wortes – der Stimmungsmacher. Gute Stimmung greift regelrecht um sich, sie steckt an, reißt mit und motiviert. In einer angenehmen Atmosphäre lernt es sich besser und bei einem wertschätzenden Umgang miteinander auch deutlich schneller.

Was Sie tun können, um in Ihrer Klasse für gute Stimmung zu sorgen? In Anlehnung an den Ratgeber "Klasse Stimmung! – 50 Methoden für ein gelingendes Miteinander und eine positive Lernatmosphäre in der Schule" vom Autorenteam des nlpaed (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2617-2), auf dem übrigens der gesamte Artikel basiert, haben wir drei wirkungsvolle Tipps für Sie ausgewählt.

1. Tipp: Der Ton macht die Musik1

Sprachliche Präzision ist ausgesprochen wichtig – unglückliche Formulierungen machen es Ihnen und den Schülern unnötig schwer. Das Auslösen von unbewussten Assoziationsketten bezeichnet man in der Psychologie auch als "Priming": Damit ist die Beeinflussung der Informationsverarbeitung durch die äußeren Reize gemeint. Die Worte, die Sie wählen, lösen bei den Schülern unbewusst Gefühle aus, die das Lernen entweder fördern oder hindern. Oft verknüpfen die Schüler mit Ihren Worten auch direkt andere Begriffe und Inhalte, die Ihnen das Einordnen der neuen Informationen erleichtern.

Achten Sie daher unbedingt darauf, bei den Schülern positive Emotionen auszulösen, denn die fördern das Lernen und Behalten. Die Grundregel dabei: Gute Stimmung beginnt bei Ihnen. Machen Sie sich Ihre eigene innere Haltung bewusst und bringen Sie sich selbst, wenn nötig, durch bewusst positive Gedanken in eine gute Stimmung. Gehen Sie nicht frustriert, müde oder unmotiviert in Ihren Unterricht – denn auch das überträgt sich sonst sofort auf Ihre Schüler.

Nehmen Sie auch Ihre Arbeitsmaterialien noch einmal kritisch unter die Lupe und achten Sie auf die Formulierungen. "Müssen" oder "sollen" ersetzen Sie besser durch "dürfen", "können" oder "wollen". Worte wie "sicher", "ruhig", "natürlich", "leicht", aber auch "meistern", "lösen", "leicht", "gut", "ja" und "Freude" oder "Begeisterung" lösen positive Assoziationsketten aus. Besonders bei neuen Inhalten sollten Sie darauf schauen, dass die entsprechenden Texte angenehme Assoziationen hervorrufen und immer nahelegen, dass die Schüler den Stoff schon ganz bald beherrschen werden.

Arbeitsmaterialien, mit denen Sie bisher immer sehr gute Lernerfolge erzielt haben, können Sie bedenkenlos weiter einsetzen. Bei Unterrichtssequenzen und Materialien, bei denen es nicht recht rund laufen wollte oder die Schüler unkonzentriert oder sogar offensichtlich frustriert waren, sollten Sie noch einmal überprüfen. Achten Sie dann im nächsten Schritt auch auf Ihre Wortwahl im Unterricht. Sollten Sie sich mal dabei ertappen, dass Sie etwas sagen wie: "Ihr müsst gut zuhören und euch anstrengen, das ist ein schwieriges Thema!", schieben Sie am besten hinterher: "Ach, für euch ist das bestimmt ganz leicht! Ihr habt schon so viel Schwieriges ganz locker gemeistert, da werdet ihr das hier auch im Handumdrehen lernen." Verzeihen Sie sich Fehler – alles andere sorgt nur für schlechte Stimmung.

 

2. Tipp: Mit Fehlern positiv umgehen2

Auch Ihren Schülern sollten Sie nicht (bewusst oder unbewusst) die Haltung einbläuen, dass Fehler um jeden Preis vermieden werden müssten. Im Gegenteil: Fehler geben wichtige Einblicke in Lernstände und Lernprozesse. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Unterricht ein fehlerfreundlicher Lernraum ist. Etablieren Sie eine positive Fehlerkultur und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Wenn ein Schüler beispielsweise an der Tafel eine Übung lösen soll, können Sie eingreifen, sobald er einen Fehler macht. Sie können sich aber auch nur nach seinen Gedankengängen erkundigen und ihn den Fehler selbst finden lassen. Geben Sie dem Schüler alle Zeit, die er braucht, um die Aufgabe zu lösen – Kritik, Zwischenrufe oder gutgemeinte Verbesserungen sind strengstens verboten. Meist werden die Denkblockaden schnell sichtbar und Sie können genau nachvollziehen, an welcher Stelle der Schüler gedanklich den falschen Weg einschlägt. Bedenken Sie auch immer: Mit jedem Fehler, den ein Schüler an der Tafel Schritt für Schritt sichtbar und nachvollziehbar löst, hilft er meist auch einigen anderen Schülern, die ähnliche Denkfehler machen.

 

3. Tipp: Regeln tun nicht nur den "Kleinen" gut3

Auch für ältere und sogar für erwachsene Schüler sind klare Regeln wichtig – für Respekt, Wertschätzung, Kooperationsfähigkeit, kurz: für ein positives Miteinander. Auf das Thema "Unterrichtsregeln" reagieren sie allerdings oft genervt.

Versuchen Sie es doch einmal mit einer kleinen "Erinnerungsrunde" und lassen Sie die Schüler die Meilensteine ihrer Schullaufbahn notieren. Was hat sie beim Lernen motiviert? Was hat sie behindert? Was waren ihre persönlichen Highlights? Und was ihre Krisen? Die Schüler sollen sich kurz mit ihrem Sitznachbarn über ihre Erfahrungen austauschen.

Danach bitten Sie sie, auf entsprechenden Karten aufzuschreiben, was ihnen im Unterricht am meisten geholfen hat, um gut lernen zu können. Die Karten sollen sie dann mit einer kurzen Erläuterung an der Tafel befestigen. Für die meisten Schüler werden vor allem Ruhe und die Unterstützung von Lehrern und Mitschülern wichtig sein.

Im Anschluss holen Sie das Regelplakat hervor, das Sie schon vorbereitet haben und fragen nach, ob die Schüler mit den dort vorgeschlagenen Regeln einverstanden sind. Bei älteren Schülern reichen meist drei "einfache" Regeln:

  • Jeder Schüler hat ein Recht auf Lernen.
  • Jeder Lehrer hat ein Recht auf Unterricht.
  • Jeder hat die Rechte der anderen zu akzeptieren.

 

In Anlehnung an: "Unbewusste Assoziationsketten – Steuerung der kognitiven Verarbeitung" von Gudrun Heinrichmeyer aus dem Ratgeber "Klasse Stimmung! – 50 Methoden für ein gelingendes Miteinander und eine positive Lernatmosphäre in der Schule" (Autorenteam des nlpaed: Rolf-Dieter Aff, Regina M. Bach, Gudrun Heinrichmeyer, Maria Hublitz, Herbert Just, Alexandra Lux und Christina Mager, ISBN 978-3-8346-2617-2), Verlag an der Ruhr, S. 12 ff.

In Anlehnung an: "Fehlerfreundlichkeit" von Herbert Just aus dem Ratgeber "Klasse Stimmung! – 50 Methoden für ein gelingendes Miteinander und eine positive Lernatmosphäre in der Schule“ (Autorenteam des nlpaed: Rolf-Dieter Aff, Regina M. Bach, Gudrun Heinrichmeyer, Maria Hublitz, Herbert Just, Alexandra Lux und Christina Mager, ISBN 978-3-8346-2617-2), Verlag an der Ruhr, S. 100 f.

In Anlehnung an: "Auch "große" Schüler brauchen Regeln" von Maria Hublitz aus dem Ratgeber "Klasse Stimmung! – 50 Methoden für ein gelingendes Miteinander und eine positive Lernatmosphäre in der Schule" (Autorenteam des nlpaed: Rolf-Dieter Aff, Regina M. Bach, Gudrun Heinrichmeyer, Maria Hublitz, Herbert Just, Alexandra Lux und Christina Mager, ISBN 978-3-8346-2617-2), Verlag an der Ruhr, S. 57 f.

Fortbildungstipp

Gut gelacht ist halb gelernt – professionelles Humortraining
Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen testen in vielen praktischen Übungen Ihre persönliche Humorfähigkeit und lernen, den eigenen Humor-Stil für einen heiteren und vor allem produktiven Unterricht an Ihrer Schule zu nutzen.
 

Humorvoller Umgang mit Widerständen und Störungen
Sie feilen in vielen praktischen Interaktionen an Ihrer eigenen Humorfähigkeit und erweitern mit viel Lockerheit und Spaß Ihren eigenen Humor-Werkzeugkasten.
 

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