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Unterricht gestalten / 31.05.2024

Ein Unterricht, an dem sich alle beteiligen

Idealvorstellung oder machbar?

Mitmachen – in diesem Wort steckt bereits die entscheidende Aussage: „Mit“. Wenn Schülerinnen und Schüler sich ernst genommen fühlen, wenn sie nicht nur mitmachen, sondern auch mitbestimmen können, wenn wahrgenommen wird, was sie einbringen, dann entwickelt sich ein Unterricht, an dem sich – im besten Falle – alle beteiligen.

Kinder heben im Klassenzimmer die Hände; Weltkarte und Pinnwand im Hintergrund.
Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Oft jedoch erleben Lehrkräfte das Gegenteil, Schülerinnen und Schüler beteiligen sich nicht aktiv am Unterricht, sie erwarten, dass die Lehrkraft den Unterricht bestimmt, an dem sie dann mehr oder minder aktiv teilnehmen. Wie lässt sich das ändern?

Möglicherweise hat die Schule bereits in ihrem Schulprogramm ein Partizipationsmodell verankert oder legt zumindest großen Wert auf Mitwirkung und Mitbestimmung – von der Schülermitverwaltung bis zum Klassenrat. Das stärkt das Selbstbewusstsein und die Verantwortung für das eigene Lernen und bringt die Schülerinnen und Schüler dazu, ganz selbstverständlich aktiv am Unterricht teilzunehmen. Kurzum: Die Grundhaltung einer Schulgemeinschaft ist entscheidend für einen Unterricht, bei dem möglichst alle mitmachen.

Profis in Sachen Unterricht

Spätestens in der Sekundarstufe I sind Schülerinnen und Schüler außerdem Profis in Sachen Unterricht. Diese Professionalität gilt es zu nutzen. Rahmenpläne sind nicht in Stein gemeißelt, sie geben genügend Freiheiten, um Schülerinnen und Schüler an der Unterrichtsplanung und –durchführung zu beteiligen. Das bedeutet nicht, den Unterricht von heute auf morgen umzukrempeln und über alles abstimmen zu lassen. Die Frage ist vielmehr: Was brauchen Schüler/-innen, um gut lernen zu können? Um interessiert an den Unterrichtsinhalten zu sein, um sich – im besten Fall – auf den Unterricht zu freuen?  

Mitbestimmung und Partizipation mag für den einen oder anderen ein bisschen bedrohlich klingen und Angst machen vor chaotischen Zuständen im geordneten Schul- und Unterrichtsablauf. Aber schon kleine Veränderungen können viel Positives bewirken und zu einem lebendigen und guten Unterricht führen.

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Feedback-Kultur

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Schülerinnen und Schüler partizipieren zu lassen, und damit das Mitmachen zu fördern. Wie soll ein Thema, eine Lerneinheit angegangen werden, welchen Bezug zur Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler gibt es, welche Arbeitsformen werden von der Lerngruppe bevorzugt? Gerade Projektunterricht und selbstorganisiertes Lernen bieten den Schülerinnen und Schülern viele Entscheidungsmöglichkeiten und die Chance, sich selbst einzubringen. Und schließlich hilft eine Feedback-Kultur nicht nur zur Demokratiebildung im Klassenzimmer, sondern macht den Schülerinnen und Schülern auch deutlich, dass ihre Stimme zählt, dass sie gehört werden. Und wer weiß, dass er gehört wird, meldet sich auch zu Wort. Wichtig ist, dass das Feedback kontinuierlich eingesetzt wird und kein einmaliges Ereignis bleibt.

Noch ein paar praktische Tipps

Und schließlich gibt es noch ein paar einfache Tipps, um die Schülerinnen und Schüler zum Reden und zum Mitmachen zu bringen. Gerade im Fremdsprachenunterricht – aber auch in anderen Fächern – fällt es Schülerinnen und Schülern oft nicht leicht, sich am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen, sich zu melden und auf Fragen vor der gesamten Klasse zu antworten. Deswegen sind Ping-Pong-Szenarien wenig zielführend, bei denen die Lehrkraft eine Frage stellt, und nur ein Schüler oder eine Schülerin antwortet. 

Hilfreicher sind Partner- oder Gruppenarbeiten, bei denen sich die Lernenden zunächst in einem geschützten Raum austauschen können, bevor sie ihre Antworten vor der gesamten Klasse präsentieren. Auch ihre Hausaufgaben können sich die Schüler/-innen zunächst gegenseitig vorstellen, bevor im Plenum darüber gesprochen wird. So haben sie Zeit, sich auf die Fragen und Aufgaben einzustellen. Ein großer Vorteil von Partner- und Gruppenarbeiten ist außerdem, dass so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich zeitgleich aktiv sind.

Eine weitere – und mittlerweile eigentlich selbstverständliche – Methode ist die Differenzierung, um alle Schülerinnen und Schüler mit ins Boot zu holen. Dafür können Aufgaben qualitativ verändert werden, indem leistungsstarke Schülerinnen und Schüler die Aufgaben autonom erledigen, während leistungsschwächere Lernende zusätzliche Hilfestellung bekommen, die es ihnen ermöglicht, sich mit ihren Ergebnissen auch vor der gesamten Klasse einzubringen.

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Warm-ups

Regelmäßige Warm-Ups können zu einem erfolgreichen Einstieg in den Unterricht führen. Damit alle angesprochen werden, sollten die Inhalte möglichst etwas unter dem Niveau der Klasse angesiedelt sein. Eine einfache Methode ist, drei Behauptungen zu präsentieren, von denen nur eine richtig oder falsch ist. Die Klasse kann sich nun in Zweiergruppen darüber austauschen und anschließend das Ergebnis präsentieren. So sind alle von Anfang an intellektuell gefordert und können aufgewärmt in den eigentlichen Unterricht starten.

Rollentausch

Warum nicht einmal die Rollen tauschen und einzelne Schülerinnen und Schüler den Unterricht übernehmen lassen? Zum Beispiel, wenn es um Themen geht, bei denen sie über viel Knowhow verfügen? Das können Computerthemen oder der Umgang mit Künstlicher Intelligenz ebenso sein, wie Spezialwissen zum Thema Sport, Regionalgeschichte oder Haustiere. Das setzt allerdings voraus, dass die Lehrkraft die Interessen ihrer Schüler kennt. Und: Alle Schülerinnen und Schüler – und nicht nur die leistungsstarken – können einmal die Lehrerrolle einnehmen.

Fehlerkultur

Alle Menschen machen Fehler, Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte. Wenn Schülerinnen und Schüler keine Angst davor haben, falsche Antworten zu geben, sondern sie als Chance zum Lernen begreifen, werden sie auch den Mut haben, sich zu äußern. Eine offene Fehlerkultur fördert auf jeden Fall einen Unterricht, an dem sich die Schülerinnen und Schüler gern beteiligen.

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Buchtipps

Hilbert Meyer, Carola Junghans: Unterrichtsmethoden II - Praxisband (17., komplett überarbeitete Neuauflage), Cornelsen, ISBN 978-3-589-20701-5, 29,75 Euro

Martin Bastkowski, Stefan Koic: Warm-ups · Aufwärmübungen Fremdsprachen Englisch · Klasse 5-10, Cornelsen, ISBN 978-3-589-16768-5, 12,99 Euro

Christiane Althoff: Unterrichtseinstiege Deutsch (3. Auflage) · Klasse 5-10, Cornelsen, ISBN978-3-589-16226-0, 17,25 Euro

Liane Paradies, Johannes Greving: Unterrichts-Einstiege (12. überarbeitete Auflage), Scriptor Praxis, ISBN 978-3-589-16929-0, 27,75 Euro

Henning Peppel: Differenzieren im Fremdsprachenunterricht Klassen 6-13 · Mit Beispielen für Englisch, Französisch und Spanisch, Scriptor Praxis, ISBN 978-3-589-16858-3, 27,50 Euro

Fortbildungen der Cornelsen Akademie

Der Klassenrat – die Basis um Demokratie zu lernen  
Im Klassenrat üben SchülerInnen von klein auf, demokratisch zu handeln: In der Gruppe diskutieren sie ihre Anliegen und lösen Probleme, akzeptieren Mehrheitsmeinungen und achten Minderheiten. Sie erleben, wie Diskussions- und Entscheidungsprozesse funktionieren. 

Gezielt motivieren – gekonnt demotivieren
Wenn Schülerinnen und Schüler gelobt werden, werden sie lebendiger und aktiver. Lob setzt Energie frei. Wird jemand konstant kritisiert, verliert er die Lust, etwas zu tun. Kritik raubt Energie. Um die Freude der Klasse am Lernen zu erhalten, ist es entscheidend, dass das Lob die Kritik überwiegt. Allerdings gibt es klare Notwendigkeiten für Kritik. 

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