Unterricht gestalten / 05.12.2018

Fünf einfache Methoden für praxisnahes Classroom-Management

Unterrichtserfahrungen nutzen – neue Ideen kennenlernen

Effektives Classroom-Management ist einer der wichtigsten Bausteine für erfolgreichen differenzierenden Unterricht. Wenn Sie es schaffen Ihren Unterricht so zu gestalten, dass er sowohl gut strukturiert ist, als auch Ihnen und Ihren Schülern Spaß macht, haben Sie viel erreicht.

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Unsere Gastautorin: Sonja C. Magne

Gastautorin Sonja C. Magne verrät ihre fünf besten Tipps für erfolgreiches Classroom-Management. Sie ist langjährige Lehrerin und führt u.a. auch zu diesem Thema Webinare durch. Ihre Ideen sind sowohl für Junglehrer als auch Langzeiterprobte geeignet und im Unterrichtsalltag schnell einsetzbar.

Wertschätzung als Basis für eine gute Lernatmosphäre  

Schülerinnen und Schüler entwickeln rasch ein Gespür dafür, welche Haltung ein Lehrer ihnen gegenüber einnimmt. Jeder ist in seiner Persönlichkeit einzigartig und verdient eine individuelle und wertschätzende Ansprache. Für ein positives Lernklima, sollten Ihre Schülerinnen und Schüler daher spüren, dass sie Ihnen persönlich am Herzen liegen. Interessieren Sie sich für ihre Belange, zeigen Sie Ihnen damit ihre Wertschätzung und Anerkennung. Auch Ihr Sprachgebrauch hat durch Ihre Vorbildfunktion eine entscheidende Bedeutung dabei, eine positiven und konstruktive Lernatmosphäre zu entwickeln. Wenn Sie Ihre Schüler positiv ansprechen, drückt das Ihren Glauben an ihre Fähigkeiten sowie Ihr Vertrauen aus. Nach meiner Erfahrung ist gerade in einer leistungsheterogenen Schülergruppe die Haltung der Lehrkraft die Basis für eine positive Zusammenarbeit innerhalb der Klasse. Wenn Sie zeigen, dass Sie mit allen Mitgliedern der Klassengemeinschaft, unabhängig von ihren momentanen kognitiven Leistungen respektvoll und wertschätzend umgehen, wird das auch auf deren Verhalten untereinander und Ihnen gegenüber einen entscheidenden Einfluss haben. 

Mein besonderer Tipp: "Classroom Throwback" ist eine Methode, die in diesem Zusammenhang sehr gut angewendet werden kann. Hierbei schreiben die Schüler eine kleine positive Erinnerungsgeschichte eines besonderen Moments zu einem ausgewählten Schüler. Die Geschichten werden in einer Box gesammelt und teilweise auch vorgelesen. Die Schüler schreiben in Abhängigkeit von ihrem Sprachniveau und können eventuell Hilfen in Anspruch nehmen. Am Ende erhält der ausgewählte Schüler alle positiven Erinnerungsgeschichten.

Routiniertes Arbeiten entlastet alle

Gönnen Sie sich und Ihren Schülerinnen und Schülern transparente und verlässliche Abläufe und Rituale. Sie fördern effektives Lernen, vermitteln ein sicheres Gefühl und entlasten Sie in Ihrer Arbeitsvorbereitung. Die Kinder sollten wissen, was sie zu tun haben, wo sie erforderliche Materialien oder Hilfe und Unterstützung finden. Wenn Sie zudem klären, was die Schüler tun sollen, wenn sie fertig sind, werden Freiräume sinnvoll genutzt. In meinem Unterricht hat sich beispielsweise bewährt, die Stunde mit einem für die Schüler transparenten Ablaufplan zu beginnen, in den ich auch bereits Anschlussaufgaben integriere. So ist allen klar, wohin die Reise gehen soll und die Schüler können sich entsprechend darauf einstellen. Diesem Plan folge ich strategisch, dabei achte ich aber auch immer darauf, ob und wie die Klasse sich beteiligt. Sehr oft können die Schüler durch ihre Ideen positiv zum Unterrichtsverlauf beitragen. 
 

Positive Leistungserwartung motiviert Ihre Schüler

Schüler zeigen oft nur einen Bruchteil, von dem was Sie tatsächlich leisten können. Das Zutrauen des Lehrers spielt bei ihren Leistungen eine wesentliche Rolle. Oft ist es – gerade bei schwächeren Schülern – maßgeblich für Motivation und das Zutrauen der Schüler in sich selbst. Ermutigen Sie Ihre Schüler so oft sie können und loben sie Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft. Natürlich bedeutet dies auch, dass eine schulische Trägheit und wenig Neugier auf neue Lernerfahrungen, auch entsprechend aufgezeigt werden dürfen. Bedenken Sie aber, dass dahinter meist kein böser Wille sondern häufig vielmehr mangelndes Selbstvertrauen oder andere Schwierigkeiten stecken. Oft können Sie durch alleiniges Zuhören viel über ihre Schüler und ihr Lernverhalten erfahren. Damit ist es einfacher, geeignete Schritte in der weiteren individuellen Lernprogression aufzuzeigen. 

Mein besonderer Tipp: Die Klasse bestimmt eine Schülerin oder  einen Schüler des Monats. Die Kategorie können sie dabei selbst festlegen und solange sie nicht zu abwegig ist, lasse ich fast alle Kategorien zu. Ich küre am Ende des Tages auch zwei Schüler – in den Kategorien "Verhalten" und "fachliche Leistungen". Diese Namen nenne ich vor der Klasse, schreibe sie jeweils auf einen Zettel und sammle sie separat. Wer sich am Ende des Monats am meisten hervorgetan hat, ist Schüler bzw. Schülerin des Monats.

Handeln Sie schnell und konsequent

Zeigen Sie Ihren Schülern, dass Ihnen die Zusammenarbeit mit ihnen wichtig ist. Das bedeutet auch, dass Sie erwarten, dass die Regeln für eine gute Klassen- sowie Lernatmosphäre eingehalten werden. Was in Ihrer Klasse als Störung oder unerwünschtes Verhalten gelten soll, können Sie mit Ihren Schülern gemeinsam festlegen. Achten Sie jedoch dabei darauf, dass Sie als Lehrkraft allen Regeln uneingeschränkt zustimmen können. Sie sind für die gute Lernatmosphäre verantwortlich und sollten daher auch den dafür festgelegten Rahmen tragen können. Oft haben Schüler ein sehr feines Gespür für Regelverstöße und können diese genau benennen. Wenn Sie von Beginn an in den Prozess der Regelaufstellung einbezogen werden, sind sie bei der Umsetzung und Einhaltung oft verantwortlicher. 

Bei mir hat sich bewährt, die Regeln im Klassenraum gut sichtbar aufzuhängen. So kann ich immer sofort auf Störungen reagieren. Manchmal reicht es dann oft schon, wenn ich auf eine der Regeln zeigen. Am Besten in einer humorvollen Art und Weise. Je kleiner die Reaktion zu Beginn ausfällt, desto besser. 

Beobachten Sie, ob Ihre Reaktion ausreichend war oder ob Sie nochmal deutlicher werden müssen. Je schneller Sie anfangs reagieren, desto eher verhindern Sie, dass Störungen stärker werden und sich auf andere Mitschüler übertragen. Bleiben Sie bei der Benennung des Fehlverhaltens aber immer positiv und wertschätzend – werten Sie Schüler niemals ab. Und seien Sie bei der Ahndung von Regelverstößen konsequent. Machen Sie immer deutlich, dass sie sich lieber mit den Schülern selbst und ihrer Beziehung zu den Unterrichtsinhalten beschäftigen möchten, als mit dem Fehlverhalten. Ihre Reaktion bezieht sich dabei immer auf das unangemessene Verhalten des Schülers, nicht auf seine Person. Machen Sie dem Schüler danach ein Angebot wieder aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Einfache Regeln:

  1. Wir respektieren uns!
  2. Wir hören uns gegenseitig zu und lassen jeden aussprechen!
  3. Wir arbeiten leise und stören die anderen nicht!
  4. Wir glauben an uns selber!

Bleiben Sie gelassen

Sie sind der Manager Ihrer Klasse. Das Classroom-Management wird zu einem hohen Prozentsatz durch Ihre Entscheidungen beeinflusst. Sorgen Sie daher gut für sich. Gehen Sie möglichst mit einem entspannten, ausgeglichenen Gefühl und der notwendigen Portion Gelassenheit in Ihre Klassen – soweit dies im Unterrichtsalltag möglich ist. Keine Situation kann so verfahren sein, dass Sie sie nicht mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit meistern können. Vertrauen Sie auf sich, Ihre Vorbereitung, Ihre Erfahrung und die positive Einstellung Ihrer Schüler. Meiner Erfahrung nach ist dies, gepaart mit den obigen Anregungen, der beste Erfolgsfaktor für ein gelingendes Classroom-Management.

 

Fortbildungstipp:

Classroom-Management - der Lehrer als Führungskraft

In dieser Fortbildung können Sie und Ihr Kollegium anhand konkreter Fälle

  • aus Ihrem Schulalltag mit praktischen Übungen Ihr Selbstkonzept überprüfen und neue Möglichkeiten entdecken,
  • Strategien kennen lernen, um neue und vorhandene Ressourcen zu mobilisieren sowie
  • Methoden zur effizienten inneren und äußeren Konfliktbewältigung einüben.

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