Unterricht gestalten / 15.06.2020

Jetzt Ernährung zum Thema machen?

Sukzessive Schulöffnungen

Auch wenn die Schulen jetzt nach und nach wieder öffnen – bis zum normalen Schulbetrieb ist es noch ein weiter Weg. Im Vordergrund stehen wohl erst einmal Prüfungen, außerdem geht es darum, Stoff nachzuholen und die Übergänge zu gestalten. Da bleibt vieles zunächst außen vor. Zum Beispiel das Thema Ernährung. Das taucht zwar in den Lehrplänen aller Schulstufen auf und wird im Normalfall auch immer wieder in verschiedenen Fächern behandelt, doch jetzt muss es wohl mindestens in die zweite Reihe rücken.

Bild: Shutterstock.com/Tatevosian Yana

Dazu kommt: Auch viele damit verbundene Aktivitäten wie gemeinsames Frühstück, Einkaufen auf dem Markt, gemeinsames Kochen, das Schülercafé oder der Schulgarten sind momentan undenkbar. All das, was unter normalen Bedingungen auch Abwechslung und Spaß in die Schule bringt, ist jetzt nicht möglich. Trotzdem sollte das Thema Ernährung nicht komplett vernachlässigt werden.

Schließlich ist eine gesunde Lebensweise in einer solchen Krise sehr wichtig. Dazu kommt: Längst nicht alle Schüler frühstücken vor Schulbeginn oder bringen ein Pausenbrot mit . Das wird sich auch jetzt nicht zum Besseren ändern. Es geht also um zweierlei:  Ernährungskunde und die Bereitstellung von Nahrung.

Rezeptsammlung

Wenn in den nächsten Wochen das Lernen zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht wechselt, können Sie genau diese Situation nutzen, um das Thema Ernährung in den Unterricht einzubauen. Die Familien verbringen jetzt viel mehr Zeit zuhause, sie können dort gemeinsam kochen und essen. Nutzen Sie diese Erfahrungen und legen Sie gemeinsam mit den Kindern eine Rezeptsammlung an. Dazu steuert jedes Kind ein Rezept bei – von seinem Lieblingsgericht, dem Gericht, das die Familie am häufigsten kocht oder dem Rezept, das Kinder bereits allein kochen können. Diese - digitale - Rezeptsammlung wird dann allen Kindern zur Verfügung gestellt.

Aus dieser Sammlung können die Kinder anschließend jeweils ein Rezept genauer untersuchen. Und zwar unter verschiedenen Aufgabenstellungen. Sie können die einzelnen Zutaten den verschiedenen Lebensmittelgruppen zuordnen und anhand des Ernährungskreises (siehe Arbeitsblatt "Gesund essen - lecker essen") untersuchen, wie gesund diese Mahlzeit ist. Sie können außerdem recherchieren und aufschreiben, was sie über die einzelnen Zutaten wissen und gegebenenfalls nach möglichen gesünderen Alternativen suchen.

Bringen Sie selbst auch ein Rezept mit, das sich leicht nachkochen lässt. So wird ein bisschen Schule nach Hause getragen - und zwar auf schmackhafte Weise. Der Austausch zwischen Schule und Elternhaus ist jetzt wichtig. Aber es müssen nicht immer die Noten, Leistungen und Aufgaben sein, über die man sich verständigt. Und die Kinder freuen sich, wenn sie ihren Eltern etwas mitbringen können – und sei es auch nur ein einfaches Rezept.

Ernährungstagebuch

Bild: Shutterstock.com/Tatevosian Yana

Lassen Sie Ihre Schüler eine Woche lang ein Ernährungstagebuch führen. Stellen Sie ihnen dafür eine einfache Vorlage zur Verfügung, die zum Beispiel so aussehen könnte:

Anschließend werten die Schüler das Tagebuch aus, sie vergleichen es mit der Ernährungstabelle, überlegen, ob sich ihr Essverhalten in den letzten Wochen geändert hat, ob sie mehr, weniger oder anderes essen, warum sie das tun und welche Konsequenzen ihr verändertes Essverhalten haben könnte. 

Gemeinsam können sie dann Tipps zur gesunden - und leckeren - Ernährung erarbeiten.

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Der Fensterbankgarten

Eigentlich hätten die Schüler jetzt im und für den Schulgarten jede Menge Aufgaben zu erledigen. Doch auch die müssen wohl erst einmal liegenbleiben. Und selbst mit dem Kräutergarten auf der Fensterbank des Klassenzimmers wird es wohl momentan nichts. Warum diese Aufgabe nicht nach Hause verlegen? Lassen Sie die Kinder zu Hause auf der Fensterbank Kräuter ziehen. Grundschulkinder können zum Beispiel ganz einfach einen eigenen Kressegarten anlegen. Schließlich wächst Kresse sehr schnell und man braucht noch nicht einmal Erde fürs Gelingen.

Am besten, Sie besorgen die notwendigen Utensilien und stellen sie den Kindern zur Verfügung. Für den Kressegarten brauchen Sie flache Behälter, Watte oder Küchenpapier und Kresse-Samen. Schreiben sie eine kleine Anleitung für die Pflege des Kressegartens. Zum Beispiel so:  Gib etwas Wasser und Watte auf den Boden des Behälters. Tränke die Watte anschließend noch einmal mit Wasser. Verteile die Samen auf der Watte und stelle alles auf die Fensterbank. Halte die Aussaat in den kommenden Tagen gut feucht. Bereits nach wenigen Tagen wirst du die Kresse ernten können.

Lassen Sie die Kinder ein - möglichst digitales - Gärtnertagebuch führen, in dem sie täglich die Entwicklung ihrer Pflanzen dokumentieren, zum Beispiel mit Fotos. Oder die Kinder füllen einen Pflanzensteckbrief aus, der neben dem Namen der Pflanze auch Fotos und Zeichnungen sowie eine Beschreibung der Pflanze und Informationen über die Verwendung enthält.

Lassen Sie die Kinder beschreiben, wie ihnen die Kresse schmeckt und zu welchen Gerichten sie passen könnte.

Ältere Schüler, die bereits ein bisschen mehr Geduld haben, können auch mit anderen Pflanzen auf der Fensterbank experimentieren, etwa mit Ruccola oder Radieschen. Beides ist auch für diese Art des Gärtnerns geeignet. An diese Erfahrungen und Beobachtungen können Sie dann mit Fragestellungen aus dem Sach- oder Biologieunterricht - je nach Klassenstufe - anknüpfen.

Ein leerer Bauch ...

Was bereits in „normalen“ Zeiten problematisch ist, wird in der gegenwärtigen Krise nicht besser: Viele Schüler starten in ihren Schultag ohne Frühstück und etliche können diesen Mangel noch nicht einmal mit ihrem Pausenbrot beheben – einfach, weil sie keines dabei haben. Einkommensschwache Familien leiden besonders unter der Krise. Sie sind oftmals von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit bedroht. Und der Anspruch ihrer Kinder auf ein kostenloses Mittagessen in Schule oder Kindergarten entfällt, seitdem auch die dortigen Kantinen geschlossen sind. Wie kann Schule unter diesen Bedingungen dafür sorgen, dass alle Schüler wenigstens eine gute Pausenverpflegung bekommen?

Klar, Sie können nicht der Brötchenlieferant ihrer Klasse sein. Aber Sie können gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen und mit der Schulleitung überlegen, welche Hilfen jetzt möglich sind. Gibt es einen Spezialfonds in der Schule, kann der Elternverein oder die Elternvertretung mit einbezogen werden oder auch die umliegenden Geschäfte wie Bäckerei oder Gemüse- oder Lebensmittelladen? Wichtig ist auch die Überlegung, wie gewährleistet werden kann, dass beim Schulfrühstück die Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden. Gewiss finden Sie eine Lösung! Denn auch wenn uns das Sprichwort anderes weismachen will, mit leerem Magen lernt es sich nun einmal nicht gut.

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Fazit

Kurzum: Wie vieles andere ist jetzt auch die Ernährungskunde eher ein Experimentierfeld. Aber ein wichtiges, denn jetzt können Sie trotz aller Unbill mindestens zweierlei: Ihre Schüler zum gesunden Essen animieren und dafür sorgen, dass alle überhaupt etwas zu essen bekommen.

Und im besten Fall, wenn dann das neue Schuljahr beginnt, können Sie auf diese Erfahrungen aufbauen und mit Ernährungsführerschein, Klassenfrühstück, Schülercafé oder Schulgarten weitermachen. Anregungen, Ideen und Konzepte werden wir Ihnen dann rechtzeitig vorstellen.

 

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