Unterricht gestalten / 30.08.2018

Wissen und Skills durch Tandempartnerschaften

Gemeinsam besser lernen

Hilfe in Englisch gegen Hilfe in Französisch oder Präsentations- gegen Computerskills: Tandempartnerschaften sind ideal, um zielgerichtet Wissen und Skills zu "tauschen". Wie genau es funktioniert und wie sowohl Ihre Schüler als auch Sie selbst davon profitieren können, erklären wir Ihnen hier.

Bild: Shutterstock.com/Sergey Nivens

Möchte Skill, biete Wissen: Gemeinsam Lernen mit Tandempartnerschaften

Die Tandemmethode stammt ursprünglich aus dem Sprachenlernen. Zwei Lerner mit unterschiedlichen Muttersprachen bilden ein Team, das sogenannte Tandem. Jeder stellt sein Expertenwissen als Muttersprachler zur Verfügung und kann im Gegenzug das Wissen und die Erfahrungen des Tandempartners anzapfen. So profitieren beide.

Das Schöne daran: Das Prinzip funktioniert nicht nur beim Sprachenlernen. 
Tandempartnerschaften eignen sich auch sehr gut, um neue Skills zu lernen; vom Programmieren bis zum Gitarrespielen. Das ist einerseits interessant für Ihre Schüler, kann aber auch für Sie und Ihre Kollegen eine tolle Chance sein.

Was kann man lernen – und was anbieten?

Generell kann sich jeder mit jedem zusammentun – vorausgesetzt, das Ganze funktioniert als Geben und Nehmen, sprich: Beide sind jeweils Spezialist in etwas, das der andere lernen will. Welches Fachwissen bzw. welche Skills die Experten in ihren Bereichen "tauschen", liegt dann ganz bei Ihnen.

Neben Lernpartnerschaften rund um Sprachen oder Schulfächer wie Mathe oder Chemie lassen sich beispielsweise auch Skills-Tandems in folgenden Bereichen bilden:

  • Musikinstrumente (Gitarre, Keyboard, Akkordeon, …)
  • Programmieren
  • Computerprogramme (Excel, Word, PowerPoint, aber auch Photoshop oder Lightroom), Kunsttechniken (Zeichnen, Drucktechnik, Kalligrafie) oder auch Fotografie
  • Handarbeit, Nähen, Kochen
  • Entspannungstechniken (Yoga, Meditation etc.)
  • Sport, Tanzen, Fitness oder Geschicklichkeit
  • Theater
  • Kreatives Schreiben
  • Business (Präsentation, Bewerbung etc.)

Was die Tandempartner lernen wollen und was sie im Gegenzug einbringen können, ist also keineswegs nur auf Schulthemen beschränkt. Sie können "tauschen", was immer sie wollen: Englisch gegen Spanisch oder Spanisch gegen Gitarre oder Yoga gegen Excel.

Wie funktionieren Tandempartnerschaften – und wie nicht?

Ganz wichtig: Ein Lerntandem ist kein Nachhilfeersatz. Der Tandempartner ist auch kein Referent oder Lehrer, der Lerneinheiten plant und gestaltet und dem jeweils anderen dann Dinge federführend beibringt. Eine Tandempartnerschaft ist vielmehr eine Art Lernpakt: Die Partner schließen sich zusammen und teilen das (aktive) Selber-Lernen und das (passivere) Beim-Lernen-Helfen gerecht fifty-fifty auf. Beide verpflichten sich, sich regelmäßig zu treffen und an ihren Lernzielen zu arbeiten – und jeder ist selbst für das verantwortlich, was er lernen möchte.

Die Partner können beispielsweise ausmachen, sich zweimal die Woche für eine Stunde zu treffen. In der einen Stunde hilft der eine Tandempartner dem anderen beim Lernen; in der anderen Stunde ist er der Lerner und sein Parnter unterstützt ihn dabei. Wichtig zu wissen: Was und wie genau gelernt wird bestimmt nicht der Experte, sondern der, der lernen möchte. Er ist aktiv, legt selbst fest, welches Lernziel er in "seiner" Stunde erreichen will und welche Methode ihn dort am besten hinbringt; und er bereitet entsprechend vor, was er zum Lernen braucht. 

Wenn der eine also Gitarrespielen lernen möchte, bringt er nicht einfach nur eine Gitarre mit und erwartet von seinem Tandempartner, dass er ihm das schon beibringt. Stattdessen überlegt er sich selbst, was in welcher Stunde auf dem Plan stehen soll und wie genau er es angehen will. Der Partner hilft, wo es nötig ist, korrigiert gegebenenfalls und unterstützt mit seinem Wissen und Können. Für das Was und Wie ist aber der jeweilige Lerner selbst verantwortlich.

Was ist im Vorfeld zu klären?

Am besten machen die Tandempartner vorab aus, wie lange ihre Lernpartnerschaft dauern soll und wie oft und wie lange sie sich treffen wollen. Auch darüber, wie genau sie sich unterstützen wollen, sprechen sie besser schon im Vorfeld. Soll der Experte jederzeit eingreifen oder warten, bis er um Hilfe gebeten wird? Soll ein Feedback immer sofort erfolgen oder lieber gesammelt am Ende? Je genauer beide sich absprechen, desto besser funktioniert es.   

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und ein geduldiger und netter Umgang sollten selbstverständlich sein. Idealerweise finden sich die Tandempartner außerdem nicht nur abhängig von Wissen und Skills zusammen, sondern achten auch auf ihre Kompatibilität. Beide sollten einen gewissen Draht zueinander haben und eine echte Chance sehen, dass sie gut zusammenarbeiten können.

Zusammengefasst: 10 goldene Regeln für ein funktionierendes Lerntandem

  1. Jeder weiß bzw. kann etwas, das der andere lernen will – und die Chemie stimmt.
  2. Beide sprechen im Vorfeld ab, wann und wie lange sie zusammen lernen wollen.
  3. Die Partner treffen sich pünktlich und regelmäßig.
  4. Sie teilen Lernen und Beim-Lernen-Helfen genau fifty-fifty auf.
  5. Jeder ist für sein Lernen selbst verantwortlich.
  6. Der Experte ist kein (Nachhilfe-)Lehrer.
  7. Der Lerner bestimmt Lernziele und Methoden und bereitet alles vor.
  8. Der Lerner bittet um Hilfe, wenn er sie braucht.
  9. Der Experte unterstützt und korrigiert.
  10. Beide gehen geduldig und nett miteinander um.

Den Schülern empfehlen – oder selber nutzen?

Die klare Antwort auf diese Frage: Beides. Generell fallen Tandempartnerschaften natürlich eher in die Kategorie "Lernimpulse für zu Hause" als in "Unterrichtsmethoden". Tatsächlich können die Schüler von der Methode aber enorm profitieren – ganz gleich, ob sie sich in einem bestimmten Schulfach verbessern, sich auf das Arbeitsleben vorbereiten oder einfach neue spannende (Alltags-)Skills lernen wollen. Es lohnt sich also durchaus, Ihren Schülern Tandempartnerschaften ans Herz zu legen und sie als Lernempfehlung zu besprechen. Das kann übrigens auch für Vertretungsstunden eine schöne und sinnvolle Idee sein.

Aber auch für Sie selbst und Ihre Kollegen kann diese Lernmethode eine echte Bereicherung sein – beruflich und privat. Überlegen Sie doch einmal, mit wem Sie sich gerne zusammentun würden oder wem Sie die Methode noch empfehlen könnten. Vielleicht möchten Sie sich vom Excel-Experten im Kollegium fit machen lassen und bieten ihm im Gegenzug an, Ihre Fotografie-Kenntnisse anzuzapfen. Vielleicht möchten Sie sich auf Ihre Elternabende besser vorbereiten und der Kollege, der für seine gelungenen Elternabende geradezu berühmt ist, wünscht sich Hilfe bei der Förderplanung. Oder Sie haben privat eine Freundin, mit deren Unterstützung Sie Yoga lernen möchten, während sie Hilfe beim Kochen gebrauchen kann. Ganz gleich, welche Skills Sie tauschen möchten – Sie werden sehen: Tandempartnerschaften bringen beide Lerner weiter. Probieren Sie es aus!

Fortbildungstipp

Gemeinsam geht es besser
Sie erfahren Ihre eigenen Teamkompetenzen, gleichen sie mit denen der anderen Teammitglieder ab und gewinnen daraus ein differenziertes Bild Ihres Teams. Aus Ihrer Praxis entwickeln Sie Aufgabenfelder, um Ihre Teamarbeit und unterschiedlichen Teamrollen effektiv und mit Spaß zu nutzen.
 

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