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Bild: Fotolia/Katerina

Inklusion und Integration

Zwei unterschiedliche Begrifflichkeiten

Beide Begriffe bezeichnen zwei vollkommen unterschiedliche Konzepte und stehen für zwei verschiedene gesellschaftliche Philosophien. Wie genau unterscheidet sich also die Inklusion von der Integration? 

Inklusion und Integration

Irrtümlicherweise werden die Begriffe Inklusion und Integration heutzutage noch häufig gleichgesetzt und synonym verwendet. Ein Missverständnis, das einem Übersetzungsfehler der UN-Behindertenrechtskonvention geschuldet war und im Schulwesen für Verwirrung sorgte. 

„Integration“ geht auf das lateinische Wort „integer“ = „ganz“, „vollständig“ zurück – und davon abgeleitet „integratio“ = „Herstellung eines Ganzen“. 

„Inklusion“ kommt von dem Verb „includere“ = „einschließen“, „einbeziehen“ – und davon abgeleitet „inclusio“ = „Einschließung“, „Einbeziehung“.


Das ist Integration

Von Integration spricht man, wenn beide Gruppen zwar in einem Klassenzimmer gemeinsam unterrichtet werden, wenn sich durch dieses aber eine unsichtbare Demarkationslinie zieht. Denn Lehrkräfte wie Schüler wissen jeweils sehr genau, wer zu den Behinderten und wer zu den Nicht-Behinderten gehört. Diese Zuweisung macht sich an den einzelnen Handicaps fest: So ist Max nicht einfach Max, sondern „der Junge mit dem Down-Syndrom“; und Marie wird nicht einfach wie ein ganz normales Mädchen behandelt, sondern als „unsere sehbehinderte Mitschülerin“ geführt.

Damit werden die behinderten Schüler in eine bestimmte Schublade gesteckt, bleiben sie für alle Zeiten auf ihr Handicap reduziert. In den integrativen Klassen wird die friedliche Koexistenz von behinderten und nicht-behinderten Schülern praktiziert, ohne dass sich diese einer solchen Kategorisierung entziehen könnten.


Das ist Inklusion

Demgegenüber geht das Programm der pädagogischen Inklusion von der Einzelpersönlichkeit des Schülers aus – und das ohne jede voreilige Etikettierung. Jeder Schüler wird hier als Mensch behandelt, der über bestimmte Stärken und Schwächen verfügt und der jeweils so gefördert wird, wie es seine persönliche Situation verlangt. 

Max ist dann wirklich Max: nämlich ein Junge, der sich gerne kreativ betätigt und gut mit anderen zusammenarbeitet. Vielleicht aber auch ein Schüler, der sich nur schwer konzentrieren kann und viel zu schnell aufgibt. Und Marie ist dann wirklich Marie: eine Schülerin, die ihre Aufgaben umsichtig und selbstständig angeht, der aber ihr übergroßer Ehrgeiz manchmal einen großen Streich spielt. 

Damit wird das Zwei-Klassen-System überwunden, das immer noch die Situation mancher integrativer Einrichtungen bestimmt. Denn die Inklusion nimmt jeden Schüler mit – weil es in der Schule wie im Leben ganz normal sein sollte, verschieden zu sein.