Unterricht gestalten / 22.08.2019

Inspirationsquellen für den Unterricht

Nicht jedes Jahr dasselbe – So sorgen Sie für Abwechslung

Sich zurückzulehnen und auf Bewährtes zurückzugreifen, ist im oft stressigen Schulalltag durchaus verlockend. Doch spätestens dann, wenn sich eine Routine abgenutzt hat, Ihr Unterricht immer gleich verläuft und sogar Sie selbst sich damit langweilen, ist es an der Zeit, mal etwas anders zu machen.

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Gewohnheiten erkennen

Routinen sind hilfreich und wertvoll. Sie verschaffen Ihnen Struktur und einen sicheren Rahmen. Aber es gibt viele Bereiche im Leben, in denen man seine Gewohnheiten hin und wieder umstellen kann und sollte, um daraus frische Energie zu schöpfen. Bemühen Sie sich also nicht nur im Berufsalltag darum, neue Perspektiven und Ansätze zu wählen, sondern gewöhnen Sie sich auch in Ihrer Freizeit daran – selbst wenn Sie "eigentlich ganz zufrieden" sind.

Je bewusster und häufiger Sie sich dazu entscheiden, Dinge mal anders zu machen als sonst, desto leichter geht Ihnen diese Haltung in Fleisch und Blut über. Und, ja, das bedeutet, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen müssen und vielleicht auch mal etwas in den Sand setzen. Schlimme Folgen wird das nicht haben – im Gegenteil: Im Kleinen zu scheitern ist ein wichtiges Element positiver Veränderung. Nehmen Sie es mit Humor. Und manchmal gelingt eine komplett unvorbereitete, improvisierte Stunde tatsächlich viel besser und hat für Ihre Schüler weitaus mehr Wert als Ihr bewährtes Unterrichtsschema. Solche Momente sollten Sie bewusst wahrnehmen, denn sie sind dazu da, Ihnen Mut zu machen.

Routinen bewusst durchbrechen

Probieren Sie es einfach mal mit einer zugänglichen Klasse, mit der Sie gut zurechtkommen, aus: Kommen Sie ganz und gar unvorbereitet in den Unterricht und seien Sie offen für das, was passiert. Fragen Sie Ihre Schüler, was sie gerade interessiert und beschäftigt. Sammeln Sie Vorschläge für die inhaltliche Behandlung eines bestimmten Themenbereichs. Lassen Sie sich überraschen, bleiben Sie flexibel, aber behalten Sie das Zepter in der Hand. Natürlich sollte diese Herangehensweise nicht zur Regel werden, aber Sie werden erstaunt sein, welche neuen Erkenntnisse sie Ihnen bringen kann.

Besonders gute Aufhänger für eine improvisierte Unterrichtsstunde sind aktuelle Ereignisse. Sie haben im Radio auf dem Weg zur Schule etwas gehört, das Sie nicht mehr loslässt? Dann fragen Sie sich, ob es sich sinnvoll den Unterricht integrieren ließe. Damit ist nicht gemeint, dass Sie Ihre Schüler mit permanenten thematischen Sprüngen den Nerv rauben sollen. Es handelt sich vielmehr um eine Grundbereitschaft, die sich lohnt, weil sie einen größeren Bezug zwischen Lebensrealität und Unterricht im Sinn hat.

Auch unser Praxis-Ratgeber "99 Tipps: Unterrichtsvorbereitung" hilft Ihnen dabei, Ihren Unterricht immer wieder lebendig zu gestalten und herkömmliche Abläufe und Techniken kreativ zu hinterfragen.

Jede Klasse neu denken

Jede Klasse hat ihre Eigenheiten und Bedürfnisse. Selbst in einem Fach wie Geschichte, bei dem sich auf den ersten Blick kaum etwas verändert – betrachtet man zumindest die zu vermittelnde Fachkompetenz –, ist es wichtig, die Unterrichtsvorbereitung individuell auf die jeweilige Lerngruppe abzustimmen. Beantworten Sie sich deshalb vor der Planung jeder Unterrichtseinheit und -stunde die folgenden Fragen:

  • Welches Vorwissen hat diese Gruppe zum Thema?
  • Welcher Unterrichtseinstieg passt zur Lerngruppe?
  • Welchen aktuellen Bezug hat diese Klasse zum Thema oder wo ist dieser herzustellen?
  • Wo ist der Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler?
  • Warum ist das Thema für diese Klasse wichtig?
  • Welche Medien, Texte, Bücher, Hörbeispiele, Arbeitsblätter, Aufgaben, Spiele können in dieser Gruppe am effektivsten eingesetzt werden?
  • Welche Sozialform ist für diese Gruppe die passende?
  • Wie können in dieser Gruppe die Arbeitsergebnisse am besten zusammengefasst und präsentiert werden?

Gehen Sie diese Checkliste immer wieder durch, um sich optimal auf die jeweilige Klasse einzustellen.

Fachwissen aktuell halten

Mit einer Vollzeitstelle ist es fast unmöglich, seine bewährten Unterrichtsplanungen ständig daraufhin zu überprüfen, ob sie den aktuellen Anforderungen noch gerecht werden und sie gegebenenfalls durch völlig neue zu ersetzen. Meist ist man froh, wenn man auf Material zurückgreifen kann, das in der Vergangenheit gut funktioniert hat. Andererseits verlieren viele Lehrerinnen und Lehrer im Laufe der Jahre den Spaß an ihrer Arbeit, weil sie das Gefühl haben, dem hohen Anspruch einer sich stark verändernden Welt, geprägt von digitalen Medien und rasantem Fortschritt auf allen Ebenen, nicht mehr gerecht zu werden.

Stillstand ist keine Lösung, aber machen Sie sich das Leben auch nicht zu schwer. Versuchen Sie, einen gesunden Kompromiss zu finden. Einen Mittelweg, der Ihnen entspricht und mit dem Sie langfristig zufrieden sind. Das kann bedeuten, pro Unterrichtswoche zwei bis drei Stunden komplett neu auszuarbeiten, was bei einer vollen Stelle etwa zehn Prozent des Unterrichts entspricht. Wenn Sie sich nicht zu viel vornehmen und sich Verschnaufpausen gönnen, werden Sie feststellen, dass Ihre Motivation, mal wieder etwas ganz Neues zu entwickeln, steigt.

Wenig verändern, viel bewirken

Oft ist es überhaupt nicht notwendig, die ganze Stunde oder Unterrichtseinheit neu zu konzipieren. Manchmal reichen schon kleine Veränderungen, zum Beispiel, indem Sie vorhandene Medien besser nutzen oder sich eine neue Unterrichtseröffnung ausdenken. Hier einige Inspirationen:

  • Lassen Sie den Arbeitsbogen statt in Einzel- oder Partnerarbeit in arbeitsgleicher Gruppenarbeit bearbeiten.
  • Lesen Sie den Text nicht mit der ganzen Gruppe, sondern lassen Sie die Schüler Schlüsselwörter unterstreichen und stellen Sie dann Ihre Fragen zum Text nicht mündlich, sondern schriftlich.
  • Wechseln Sie die Perspektive. Lassen Sie einen oder zwei Schüler verantwortungsvoll Ihren Job erledigen, indem sie Fragen stellen oder etwas auf der Karte zeigen.
  •  Machen Sie das Experiment nicht einfach vor, sondern lassen Sie die Schüler den experimentellen Aufbau austüfteln.
  • Verdeutlichen Sie gegensätzliche Positionen aus einem Text in Form eines Rollenspiels.
  • Verzichten Sie auf mündliche Wiederholungen zum Stundenbeginn. Verpacken Sie Ihre Wiederholungsfragen in ein kleines Quiz, indem Sie sie als Aussagen formulieren. Ihre Schüler müssen je nach Antwort (ja/nein) aufstehen oder sitzen bleiben.
  •  Präsentieren Sie der Klasse ein Bild oder eine kurze schriftliche Aussage und tun Sie anschließend nichts. Gar nichts. Die Gruppe wird irritiert sein und dann von sich aus beginnen, Theorien zu entwickeln.

Innovative Unterrichtsmaterialien finden

Sie haben viele Ideen, aber es fehlen Ihnen die konkreten Materialien, die Sie in Ihrer Klasse nutzen können? Dann stellen Sie sich zunächst die Frage, was Sie unter gutem Unterrichtsmaterial verstehen. Wenn Sie wissen, was Sie vermitteln möchten und wonach Sie suchen, werden Sie sehr wahrscheinlich auch fündig – ob bei einer Internet-Recherche, auf einer Lernplattform, einem Portal wie unterrichten.zum.de, in einer Zeitschrift, im Kollegenkreis oder bei externen Kooperationspartnern und Anlaufstellen, die fachlich genau das zu bieten haben, was Sie mit Ihren Schülern behandeln wollen. 

Achtung: Denken Sie bei allen alternativen Arbeitsmaterialien, die Sie nutzen, an das Urheberrecht. Nicht alle digitale Materialien sind lizenzfrei und somit frei verwendbar. Aufschlussreiche Informationen zum Thema Open Educational Resources (OER; frei zugängliche Bildungsressourcen) bekommen Sie hier: https://open-educational-resources.de/was-ist-oer-3-2/.

Das Kollegium mit einbeziehen

Manchmal allerdings fällt einem partout nichts ein. Dann versuchen Sie Folgendes. Schreiben Sie auf ein Blatt Papier: "Ich brauche eine Idee für die nächste …Stunde. Die beste Idee wird prämiert." Lassen Sie den Zettel im Lehrerzimmer liegen, ohne dass es jemand mitbekommt. Sie werden sich wundern, wie viele Anregungen zusammenkommen, und vermutlich sind auch ein paar nicht ganz ernst gemeinte dabei. Freuen Sie sich über die wilden Spekulationen Ihrer Kollegen, die rätseln, wer den Zettel wohl geschrieben haben könnte. Und vergessen Sie nicht die Prämie.

Auch unsere digitalen Lehr- und Lernmedien können Sie inspirieren und effektiv bei Ihrer Unterrichtsplanung unterstützen – und das ohne großen Aufwand: www.cornelsen.de/digital

Fortbildungstipp

"Wir haben gut Lachen - Humor als Lernbeschleuniger???"
Lachen ist motivierend und ein Lernbeschleuniger – es fördert die Leistung von Lehrern und Schülern. Das Lernklima kann besser werden und die Arbeitsabläufe reibungsloser funktionieren. Humor können Sie als Handwerkszeug für eine erfolgreiche Lehrer-Schüler-Eltern–Kommunikation einsetzen. Dazu bedarf es einer ersten Beschäftigung mit der Frage, welcher Humor im Unterricht vertrauens- und lernfördernd ist.

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