Unterricht gestalten / 01.12.2020

Aktueller Tipp: Lerntagebuch

Besser lernen in Pandemiezeiten

Homeschooling, Hybridunterricht, vorübergehende Quarantäne – der Unterricht und das Schulleben laufen noch immer nicht rund. Eine große Herausforderung ebenso für Schülerinnen und Schüler wie für ihre Lehrerinnen und Lehrer. Welche Hilfestellungen, welche Motivation bekommen die Kinder und Jugendlichen jetzt beim Lernen, wie können Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schüler individuelle Rückmeldungen geben, wenn das Lernen auf Distanz angesagt ist?  Ein probates Mittel, dem gerade jetzt große Bedeutung zukommt, ist das Lerntagebuch.

Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Gut, wenn die Schülerinnen und Schüler bereits gewohnt sind, Lerntagebücher zu führen. Aber auch jetzt können sie ohne großen Aufwand mit dieser Methode beginnen. Lerntagebücher können in nahezu allen Schulstufen eingesetzt werden, auch schon in der Grundschule - zumindest ab der dritten Klasse. Wie in einem herkömmlichen Tagebuch sollten die Aufzeichnungen regelmäßig und möglichst zeitnah zum Erlebten, beziehungsweise zur Lernerfahrung gemacht werden. Eines aber unterscheidet diese beiden Tagebücher. Denn anders als das persönliche Tagebuch ist das Lerntagebuch in der Regel nicht geheim. Es wird von der Lehrkraft, mitunter auch von den Eltern, gelesen.

Mit Lerntagebüchern können Schülerinnen und Schüler das eigene Lernen reflektieren und sich intensiv mit dem Lehrstoff auseinandersetzen. Sie beschreiben, was sie gelernt haben und wie sie gelernt haben. Dazu zählen auch Probleme und Hürden, die sie überwunden haben oder noch bewältigen müssen.

So bekommen die Lehrkräfte Einblick in den Lernprozess ihrer Schülerinnen und Schüler, in ihre Herangehensweisen, ihre Stärken und Schwächen. Klar: Ein Lerntagebuch zu führen ist mit Mehraufwand verbunden, sowohl für die Lernenden wie für die Lehrkräfte, die Einblick in das Tagebuch haben und Rückmeldungen geben. So entsteht aber auch im besten Fall ein Dialog und beide merken, dass sich dieser Mehraufwand lohnt, weil das Lernen – selbst in einer Ausnahmesituation – effektiver wird.

Die äußere Form

Im Fachhandel sind bereits fertig angelegte Lerntagebücher erhältlich. Es genügt aber auch ein einfaches Schulheft oder eine Kladde. Die Schülerinnen und Schüler können ihre Tagebücher außerdem digital führen. Das geht aber nur, wenn sie wirklich alle Zugang zu den entsprechenden Geräten haben. Der Vorteil: Der Austausch lässt sich digital recht einfach organisieren. Aber selbst in Zeiten der Pandemie können sich Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte über die Inhalte traditionell geführter Lerntagebücher austauschen. Schließlich haben sie seit dem Frühjahr 2020 Wege gefunden, wie sie Lernmaterialien und Arbeitsergebnisse austauschen können, auch wenn kein Schulunterricht stattfindet.

Einige Regeln

Wichtig ist, das Lernen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich zu dokumentieren und das Lerntagebuch zeitnah und ehrlich auszufüllen. Verpflichtender Bestandteil des Tagebuchs sollten außerdem persönliche Daten wie Name, Klasse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse sein.

Worum geht es in diesem Schulhalbjahr oder in dieser Lerneinheit? Eine Information, die den Schülerinnen und Schülern zum Start des Lerntagebuchs zur Verfügung stehen sollte. Ist dies pandemiebedingt nicht im Unterricht möglich, kann die Information auch auf dem Schulserver bereitgestellt oder per Mail verschickt werden.

Auch sollte festgelegt werden, wie oft in das Lerntagebuch geschrieben wird - täglich, nach einer bestimmten Lernphase oder je nach Aufforderung durch die Lehrkraft. Es ist wichtig, die Lern- und Arbeitsaufträge, die Schülerinnen und Schüler von Ihren Lehrkräften erhalten, mit den passenden Fragen ihres Lerntagebuchs zu verknüpfen. Diese Fragen können zum Beispiel noch einmal ganz dezidiert in den jeweiligen Arbeitsblättern formuliert werden.

Lerntagebücher können frei, sozusagen in Berichtsform, geschrieben sein.  Lerntagebuch-Einsteiger und vor allem jüngere Kinder könnte das freie Schreiben allerdings überfordern. Für sie eignen sich eher konkrete Fragen, die sie beantworten müssen. Am einfachsten und schnellsten sind geschlossene Fragen, bei denen die Antworten lediglich angekreuzt werden müssen. Geeignet sind auch offene Fragen, die mit einem kurzen Text beantwortet werden. Bewährt hat sich ein Mix aus offenen und geschlossenen Fragen kombiniert mit der Möglichkeit, eigene Bemerkungen einzufügen. Wichtig auch, dass die Eintragungen überschaubar bleiben und nicht zu einer demotivierenden Belastung für die Schülerinnen und Schüler werden.

Die Fragen – eine Auswahl

Je nach Alter der Kinder und nach Lernstoff können unterschiedliche Fragen formuliert werden. Wir haben einige Beispiele zur Auswahl zusammengetragen.  Entscheidend ist, die Schülerinnen und Schüler nicht mit zu vielen Fragen zu überfordern.

Geschlossene Fragen zum Ankreuzen

  • Ich habe den Arbeitsauftrag /den Lernstoff verstanden.
  • Ich war konzentriert.
  • Ich habe lange für diese Aufgabe gebraucht.
  • Diese Aufgabe war einfach.
  • Diese Aufgabe war kompliziert.
  • Das Thema hat mich interessiert.
  • Ich möchte gern mehr darüber erfahren.
  • Die Aufgabe hat Spaß gemacht.

Offene Fragen, auf die von den Schülerinnen und Schülern jeweils eine Antwort formuliert wird

  • Was habe ich heute gelernt?
  • Bin ich mit den Arbeitsaufträgen klar gekommen?
  • Was fällt mir bei dieser Aufgabe leicht, was fällt mir schwer?
  • Welche Schwierigkeiten hatte ich?
  • Welche Informationen fehlen mir? Was ist noch offen?
  • Wie habe ich die Aufgaben gelöst? 
  • Wie bin ich mit Schwierigkeiten umgegangen?
  • Was habe ich gar nicht verstanden?
  • Was ist wichtig für die nächste Klassenarbeit, für den nächsten Test?
  • Was möchte ich noch darüber wissen?
  • Wann und wie werde ich das erkunden?
  • Wen kann ich fragen? Wer kann mir weiterhelfen?
  • Was war für mich neu?
  • Wo kann ich das Gelernte anwenden?
  • Welche Schwierigkeiten habe ich noch?
  • Das muss ich mir noch einmal ansehen:
  • Das hatte ich mir vorgenommen:
  • Besonders gefallen hat mir:
  • Gestört hat mich:
  • Das wünsche ich mir:

Außerdem sollten die Schüler eigene Bemerkungen anfügen können und gegebenenfalls mit wenigen Worten die entscheidenden Inhalte zusammenfassen. Das hat zwei Vorteile: Sie setzen sich noch einmal ganz bewusst mit dem Lernstoff auseinander und können jederzeit nachlesen, womit sie sich beschäftigt haben.

Fazit

Ein Tagebuch – selbst ein Lerntagebuch – ist etwas Persönliches. Hier sollte also nicht bloß wie auf einem Arbeitsblatt abgehakt und ausgefüllt werden, sondern auch Raum für persönliche Gestaltung bleiben. Das beginnt beim Umschlag. Aber auch im Inneren können Zeichnungen, spontane Notizen, aufgeklebte Bilder oder Cartoons die verpflichtenden Eintragungen ergänzen. Ein solch persönlich gestaltetes Lerntagebuch wird von den Schülerinnen und Schülern dann gewiss auch öfter genutzt als vorgeschrieben. Und das gilt nicht nur für Pandemiezeiten.

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