Unterricht gestalten / 21.05.2019

Motivationstipps für den Unterricht

Damit alle bei der Sache sind 

Was gibt es Schöneres für einen Lehrer als motivierte und neugierige Schüler, die sich auf den Unterricht freuen? Doch leider sieht der Alltag oft anders aus. Einige Schüler machen immer mehr oder minder deutlich, dass sie kein Interesse an diesem Fach und oder den aktuellen Unterrichtsinhalten haben, dass der Putz an den Wänden, der Ausblick aus dem Fenster oder schlicht das Starren in die Luft sie mehr interessiert als das Unterrichtsgeschehen. Was tun?

Bild: Shutterstock.com/LightField Studios

Klar, dass Schüler nicht alle Fächer lieben oder mit Begeisterung in jeder Unterrichtsstunde bei der Sache sind. Schließlich interessieren sich auch die meisten Menschen nur für bestimmte Sachen oder Themen, während andere Inhalte sie eher kalt lassen. Doch für den Erwerb eines soliden Grundwissens und den Aufbau und die Entwicklung von Kenntnissen und Fähigkeiten haben nun mal alle Fächer in der Schule ihren Stellenwert.

Pädagogen wissen um die Bedeutung von intrinsischer und extrinsischer Motivation und wie sehr der innere Antrieb mit dem Lernerfolg zu tun hat. Doch wenn es mit der intrinsischen Motivation partout nicht klappt, braucht es eben Hilfe von außen. Und diese Hilfe sind Sie! Im besten Fall wird dann aus der extrinsischen Motivation der Schüler eine intrinsische.

Doch wie schafft man es, Schüler für ein Fach oder ein Thema zu motivieren, das sie eigentlich nicht oder nur wenig interessiert? Dafür lohnt es sich, einmal zu überlegen, wie das eigene Interesse auch für ein Thema, das wenig interessant scheint, geweckt werden kann.

Bild: Cornelsen/STATISTA

Aufmerksamkeit erregen mit Teasern

Denken Sie nur an Ihre letzte Lektüre, zum Beispiel die einer Onlinezeitschrift. Gewiss werden Sie sich nicht für alle Rubriken und Themen interessieren. Doch wann klicken Sie vom Teaser weiter auf den eigentlichen Artikel? Klar, bei interessanten Themen. Vielleicht aber auch bei den weniger interessanten, weil Überschrift und Teaser Sie neugierig gemacht haben? Weil dort eine Frage gestellt, aber nicht beantwortet wurde? Weil die Überschrift eine Behauptung enthält, die aber im Teaser noch nicht belegt wird. Weil zunächst ein Versprechen gegeben wird, der Teaser aber mit dem Satz endet: "Das Ganze hat bloß einen Haken."  Genau diesen Trick können Sie auch im Unterricht anwenden. Zum Beispiel, indem Sie aus dem Unterrichtsthema ein kleines Geheimnis machen und mit einer verblüffenden Behauptung beginnen, die Sie zunächst gar nicht belegen. Mit ein wenig Glück haben Sie schon das Interesse Ihrer Schüler am Unterrichtsthema geweckt.

Mehr Motivation durch Alltagsbezug

Oder Sie fangen mit einer Fragestellung aus dem täglichen Leben an, um dann in den folgenden Schritten den Beitrag des Unterrichtsfachs genau zu diesem Thema herauszuarbeiten. Diese Herangehensweise funktioniert in allen Schulstufen.

Den Praxisbezug können Sie außerdem durch Kooperationen mit außerschulischen Einrichtungen und Experten im Unterricht verstärken. Oder Sie setzen das Lernen in direkten Bezug zum eigenen Wohlbefinden: "Ohne diese Vokabeln und Redewendungen werdet ihr euch beim Schüleraustausch garantiert blamieren. Wer die Übersetzungen allerdings beherrscht, wird jedes sprachliche Fettnäpfchen geschickt umgehen."

Auf Erfolge setzen

Eine weitere Möglichkeit: Sie nutzen die Erfolgserwartung. Denn Aussicht auf Erfolg ist eine starke Komponente für die Motivation. Doch Achtung! Machen Sie die Aufgaben nicht zu einfach, nur wegen der Erfolgsgarantie. Für solche Tricks haben Schüler in der Regel nämlich ein feines Gespür. Erst wenn die Aufgabenstellung für sie tatsächlich eine Herausforderung darstellt, entwickeln sie Ehrgeiz und Leistungswille. Aber auch die Übertreibung in die andere Richtung ist nicht zielführend. Wer spürt, dass er der Herausforderung nicht gewachsen ist, verliert bald die Motivation. Geben Sie also den Herausforderungen eine Struktur und sorgen Sie mit Teilaufgaben für kleine Erfolge. Belohnungssysteme können Sie dabei unterstützen. Was auch wichtig ist: Geben Sie den Schülern ausreichend Zeit, die Aufgaben auch erfolgreich zu erledigen.

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Freiraum und Verantwortung für Schüler

Geben Sie klare Arbeitsanweisungen, die dennoch genügend Freiraum für eigene Entscheidungen, für Selbstbestimmung und Verantwortung lassen. Ein gutes Beispiel ist das Stationenlernen, das insbesondere an Grundschulen, aber auch an weiterführenden Schulen Erfolge feiert. Lassen Sie – besonders bei älteren Schülern – auch unkonventionelle Gedankengänge, Ideen und Lösungsansätze zu. Betrachten Sie den Satz "Aus Fehlern wird man klug" nicht bloß als hohle Phrase, sondern nutzen Sie mögliche Fehler der Schüler für zusätzliche Diskussionen und weitere Herangehensweisen an das Thema. Und stellen Sie im Laufe des Unterrichts die richtigen Fragen. Verzichten Sie auf die klassische Formulierung "Hast du / Habt ihr noch Fragen? und fragen Sie lieber genauer: "Was hast du / Was habt ihr bereits verstanden?"

Die Schüler aktivieren

Lassen Sie Ihre Schüler etwas ausprobieren, etwas kreieren und gemeinsam mit anderen an einer konkreten Problemlösung arbeiten. Je aktiver die Schüler sein können, je mehr sie sich in das Geschehen einbezogen fühlen, umso mehr wächst ihr Interesse am Unterrichtsthema. Ältere Schüler können Sie bereits in Planung und Gestaltung des Unterrichts mit einbeziehen. Etwa, was die Arbeitsformen angeht, den Anteil von Gruppen- und Projektarbeit, Vorschläge für mögliche Exkursionen, weitere Medien oder Experten. Wenn nicht bloß der "Guru", der vor der Klasse steht, alle Vorgaben macht, wächst das Vertrauen in das eigene Können und das spornt an!

Die Mischung macht’s

Setzen Sie auf Methodenmix. Die immer gleiche Methode und der immer gleiche Stundenablauf wirken ermüdend und demotivierend. Das Gleiche gilt für den Medienmix. Neben Büchern, Arbeitsblättern, Wandtafeln oder anderen traditionellen Medien sind das die digitalen Medien. Grundschüler lassen sich von kleinen Aufgaben an PC oder Tablet begeistern, wenn sie zum Beispiel Tabellen anlegen, die Rechenfunktionen von Excel nutzen oder das Unterrichtsthema in Form einer Broschüre gestalten. Ältere Schüler fühlen sich motiviert, wenn Sie als Lehrer auf deren Kompetenz als Digital Natives setzen.

Inspirationen für den Medieneinsatz:

Die eigene Motivation

Doch nicht nur bei den Schülern lässt die Motivation manchmal zu wünschen übrig, auch als Lehrer ist man nicht ständig hochmotiviert. Das hängt von der eigenen Tagesform ab, von möglichen privaten Problemen und natürlich von den Belastungen, denen Lehrkräfte im Schulsystem ausgesetzt sind.  Sich ständig neu zu motivieren ist eine nicht immer leichte Aufgabe. Aber eine mit großen Wirkungen, denn – und das ist vielleicht das Entscheidende – die Motivation des Lehrers überträgt sich direkt auf die Schüler.

Fortbildungstipp

Gezielt motivieren – gekonnt demotivieren
Wenn Schülerinnen und Schüler gelobt werden, werden sie lebendiger und aktiver. Lob setzt Energie frei. Wird jemand konstant kritisiert, verliert er die Lust, etwas zu tun. Kritik raubt Energie. Um die Freude der Klasse am Lernen zu erhalten, ist es entscheidend, dass das Lob die Kritik überwiegt.
 

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