Schule gestalten / 20.09.2019

Nachhaltigkeit im Unterricht: Pflicht und Kür zugleich

Das vielfältige Thema Nachhaltigkeit sinnvoll anpacken

Nachhaltigkeit hat in der Schule überall und nirgendwo Platz. Überall, weil es sinnvolle Anknüpfungspunkte in jedem Fach gibt. Nirgendwo, weil oft keine spezielle Unterrichtszeit dafür vorgesehen ist. Kindern und Jugendlichen liegt das Thema am Herzen, wie die weltweite Jugendbewegung "Fridays for Future" für mehr Klimaschutz eindrücklich beweist. Umso wichtiger, sich für interessante Unterrichtseinheiten und Projekte innerhalb der Schule Zeit zu nehmen.

Bild: © Engagement Global gGmbH/Patric Fouad

 

Armut und Ungleichheit werden wirkungsvoll bekämpft, Konflikte friedlich gelöst, Natur und Umwelt geschützt – viele Kinder und Jugendliche wünschen sich genau das für unsere Welt. Doch ihre eigenen Möglichkeiten schätzen sie eher begrenzt ein: Energie sparen, Müll vermeiden, demonstrieren gehen. Zu vermitteln, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet und wie jede und jeder Einzelne sich wirkungsvoll dafür einsetzen kann, liegt auch in der Hand von Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern.

Das Thema Nachhaltigkeit ist so vielfältig wie komplex, die Zeit dafür muss man bewusst schaffen, denn ein eigenes Fach gibt es dafür nicht. Und, wie der Name schon sagt: Für Nachhaltigkeit braucht es einen langen Atem, mit einmaligen Projekttagen ist es selten getan. Die gute Nachricht: Bei ihren Schülern stoßen Lehrer meist auf offene Ohren, Nachhaltigkeit spielt für sie eine wichtige Rolle. Immerhin fast ein Drittel der jüngeren Generation zwischen 15 und 24 Jahren hat eine starke Motivation, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren und will tatkräftig mit anpacken. Das hat die Leuphana-Universität Oldenburg im Auftrag von Greenpeace herausgefunden.

Im Fokus: eigene Kompetenzen erwerben

Das Schulfach Nachhaltigkeit gibt es (noch) nicht. Vorerst liegt es in der Verantwortung der Kollegien und Schulleitungen, Aspekte der Nachhaltigkeit in den Unterricht einzugliedern, Projekte anzubieten, Kinder und Jugendliche auf thematisch passende Exkursionen mitzunehmen oder das Thema in der ganzen Schule fest zu verankern. Der Orientierungsrahmen für den Lernbereich "Globale Entwicklung", den die Kultusministerkonferenz herausgegeben hat, gibt dafür Leitlinien vor. Im Kern geht es dabei immer um die Vermittlung der Kompetenzen "Erkennen" (etwa Globalisierungsprozesse und -folgen zu analysieren), "Bewerten" (die Perspektive zu wechseln und ein eigenes Urteilsvermögen zu entwickeln) und "Handeln", also aktiv teilzunehmen, mitzugestalten und zu erleben, wie viel man selbst bewegen und bewirken kann.

Auch der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik "alle für EINE WELT für alle" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellt das selbstwirksame Handeln und die erfolgreiche Umsetzung eigener Projekte in den Mittelpunkt. Unterstützt und inhaltlich begleitet wird der Wettbewerb von mehreren Partnern, darunter der Cornelsen Verlag und einige NGOs. Das aktuelle Thema lautet "Meine, deine, unsere Zukunft?!" Lokales Handeln – globales Mitbestimmen. Der Schulwettbewerb hat das Ziel, den Lernbereich Globale Entwicklung im Unterricht aller Jahrgangsstufen zu verankern und Kinder und Jugendliche für die EINE WELT zu sensibilisieren und zu aktivieren.

Der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik 2019/2020: 

Bild: © Engagement Global gGmbH/Merlin Nadj-Torma

Die Schüler überraschen

Besonders spannend wird es für Schüler und Lehrer, wenn das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle in Fächern übernimmt, in denen man es am wenigsten vermutet, etwa im Sport- oder im Mathematikunterricht. Die Lösung von Konflikten, Fußball für alle Generationen oder die Folgen olympischer Spiele für die Ökosysteme sind nur drei Beispiele, wie man nachhaltige Entwicklung aufgreifen und konkretisieren kann. In Mathe kann es beispielsweise darum gehen, die weltweite Bekämpfung extremer Armut anhand von Daten zu analysieren.

Die ganze Schule macht mit

Vom Supermarkt bis zum Smartphone: Nachhaltigkeit spielt in allen Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen eine Rolle. Umso besser ist es, wenn sie auch in der Schule nicht nur in einzelnen Fächern oder Projekten, sondern im ganzen Schulalltag stattfindet – vom Pausensnack über das Zusammenleben in der Klassengemeinschaft bis zum Schüleraustausch.

Wie das gut gelingt, beweisen zum Beispiel die Unesco-Projektschulen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung ganzheitlich verstehen und umsetzen. Das Hainberg-Gymnasium in Göttingen ist eine davon. Allein für die vergangenen Schuljahre zeigt die Palette der Aktivitäten, wie vielseitig man das Thema Nachhaltigkeit angehen kann. Ein paar Beispiele: eine siebte Klasse erlebt das Wattenmeer als "Klassenzimmer"; im Rahmen einer Projektwoche befassen sich zwei ganze Jahrgänge mit Gästen aus Uganda und einer NGO mit Ostfarika – gemeinsame Mahlzeiten inklusive; und eigens ausgebildete Fair-Trade-Botschafter stellen in Grundschulen den fairen Handel vor.

Gute Kooperationspartner finden

Über die Grenzen der eigenen Schule hinauszudenken, Netzwerke zu bilden und mit außerschulischen Partnern zusammenzuarbeiten, hat viele Vorteile: Man bündelt Kräfte, holt sich Expertise und ermöglicht den Schülern, Nachhaltigkeit praktisch zu erleben und anschaulich zu erfahren. Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteuren wird von den Kultusministerien der Länder ausdrücklich unterstützt und gefördert. Manche haben dafür eigene Netzwerke und Plattformen geschaffen.

Und es lohnt immer, direkt bei den Nichtregierungsorganisationen und Initiativen nachzufragen, die das jeweilige Unterrichtsthema in ihrer praktischen Arbeit anpacken und umsetzen, am besten vor Ort. So bietet zum Beispiel der NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) in Hamburg Thementage, Exkursionen und konkrete Naturschutzprojekte an. Auch Greenpeace stellt viele Lernmaterialien zur Verfügung und schickt erfahrene Umweltschützer in den Klassenraum, wenn Anschauliches aus erster Hand gewünscht wird.

Wer sich stärker für Themen der Entwicklungszusammenarbeit und des fairen Handels interessiert, findet zum Beispiel bei der Welthungerhilfe potenzielle Partner für Unterrichtseinheiten oder Projekte. Das Portal "Globales Lernen" vermittelt zudem ehemalige Entwicklungshelfer, ausländische Studierende und Mitarbeiter von NGOs wie der Welthungerhilfe, Inkota und Gemeinsam für Afrika als Referenten für den Unterricht.

Mehr Mut, sich einzumischen

71 Prozent der jüngeren Generation haben in der Schule schon mal mit Nachhaltigkeit zu tun gehabt – aber nur jeder Dritte hat Möglichkeiten kennengelernt, Gesellschaft zu verändern. Um das zu verbessern und Kinder und Jugendliche zu starken, selbstbewussten Akteuren für eine nachhaltige Gesellschaft zu machen, bieten sich Lehrkräften und Schulleitungen viele Chancen. Globalisierungsprozesse bringen wesentliche Veränderungen mit sich. Im Unterricht sollen Kinder und Jugendliche die notwendigen Kompetenzen erwerben, um sich in einer globalisierten Welt zu orientieren und eigene Werte und Haltungen zu entwickeln.

Magazin-Linktipp:

Titel-Tipps

Hier finden Sie passende Titel zum Thema Nachhaltigkeit:

Unsere Erde

3fach Erdkunde · Band 3: 9./10. Schuljahr
Weltweite Zusammenhänge zwischen Globalisierung und Klimawandel · Differenzierungsmaterial auf drei Niveaustufen

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Wirtschaft

3fach Wirtschaft · Band 1: 5.-10. Schuljahr
Arbeit, Verbraucherbildung und Nachhaltigkeit

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Fortbildungen der Cornelsen Akademie:

Zukunftswerkstatt - Die kreative Methode alle zu beteiligen!
Ihrer Gruppe wird zu verbindlichen Zielformulierungen und Arbeitsplänen verholfen. Durch die aktive Beteiligung jedes Einzelnen an diesem Prozess wird das Ergebnis tragfähig.

Schulentwicklung über das Schulprogramm!
Ihnen und Ihrem Kollegium wird das "Handwerkszeug" vermittelt, mit dem Sie die Schulentwicklung für Ihre Schule in Eigenregie organisieren und die damit verbundenen Aktivitäten und Verbesserungsschritte starten können.

Projektunterricht und Projektwochen
Sie werden mit den wichtigsten Prinzipien des Projektunterrichts vertraut gemacht, lernen die notwendigen Schritte kennen und werden in die Lage versetzt, eine Projektwoche zu planen und durchzuführen.

Nachhaltigkeit...einfach erklärt!

Die Ressourcen der Erde – Wasser, Luft, Boden, Erze, Erdöl – werden überall immer knapper.  Wie können wir sorgsamer mit den Ressourcen und unserer Umwelt umgehen, damit wir sie für uns und zukünftige Generationen sichern?  Diese Frage wird hier kurz und verständlich geklärt.
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