Digitale Medien / 24.08.2020

Wie kann guter Unterricht mit digitalen Medien gelingen?

Der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist kinderleicht

In ihrer Freizeit nutzen Schülerinnen und Schüler digitale Medien ganz selbstverständlich und dies mit Leichtigkeit und hoher Aufmerksamkeit. Sie sind motiviert und konzentriert. Wie kann es gelingen diese hohe Motivation für schulische Lernprozesse nutzbar zu machen?

Grundschülerinnen mit Tablet
Bild: Shutterstock.com/karelnoppe

Schüler/-innen nutzen digitale Medien vor allem zur Kommunikation, zur Information und zur Unterhaltung. Die Nutzungsintensität ist jedoch vom Alter abhängig. Das Spielen im Netz verliert bei den ab-16-Jährigen etwas an Bedeutung, dafür steigt der Anteil der Informationssuche deutlich an. Im Altersverlauf wird der ritualisierte Austausch von Texten, Gedanken, Fotos oder Videos innerhalb einer Gruppe immer wichtiger, ebenso die Informationsrecherche. Spitzenreiter sind hierbei Videoportale wie YouTube. 43% der Videos, die Jugendliche sich ansehen sind Tutorials (Erklärvideos) zu den unterschiedlichsten Themenfeldern.

Schüler integrieren digitale Medien also bereits ganz selbstverständlich in alltägliche Lernprozesse und decken dabei ganz unterschiedliche Kompetenzbereiche ab. Trotz der großen Beliebtheit von digitalen Medien und einem ausgeprägten Nutzungsverhalten, liegen die computerbezogenen Kompetenzen deutscher Schüler im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld.  

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Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülern, Ergebnisse der ICILS

Die ICILS - International Computer and Information Literacy Study untersucht die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern in 21 Ländern.

Schüler der 8. Klasse in Deutschland erreichen bzgl. ihrer computer- und informationsbezogenen Kompetenzen ein Niveau, das sich im internationalen Vergleich im Mittelfeld anordnet. 30 % der befragten Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen lediglich die beiden unteren Kompetenzstufen. Sie verfügen über rudimentäre Fertigkeiten bzw. basale Wissensstände im kompetenten Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen. Sie sind in der Lage einfache Computerprogramme zu bedienen, beispielsweise Mails anzuklicken, und einfache Formatierungen vorzunehmen.

Geht es jedoch um höhere Kompetenzen, die einen produktiven und reflektierenden Umgang mit digitalen Medien erfordern und über das Recherchieren von Informationen hinausgehen, so scheinen deutsche Schüler Probleme zu haben. Doch woher kommen diese relativ großen Lücken? Prof. Dr. Eickelmann findet in einem ZEIT Online Interview deutliche Worte: "Obwohl Deutschland ein hochtechnisiertes Land ist, genießt die digitale Bildung bei uns keine Priorität." (Zeit Online, 2014). So sei Deutschland Schlusslicht, wenn es um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht gehe. Dies hänge wiederum mit der vergleichsweise schlechten Ausstattung an deutschen Schulen und der geringen Relevanz des Themas in der Lehrerausbildung zusammen (ebd.).

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Ausstattung mit digitalen Geräten an deutschen Schulen

Besonders die flächendeckende Ausstattung mit mobilen Geräten, die flexibel im Unterricht einsetzbar sind und damit Potenzial für einen besonders produktiven und vielfältigen Einsatz bieten, lässt noch zu wünschen übrig. So verfügen die meisten Schulen zwar über Computer- oder Fachräume, aber die wenigsten sind mit Tablets oder Laptops ausgestattet. Allerdings verfügen immer mehr Schulen über Laptops und Tablets, die in Form von Medienwagen (15-40 Geräte) flexibel eingesetzt werden können. So haben 58% der Gymnasien Laptops und 67% Tablets, die ihnen für den Einsatz im Unterricht zur Verfügung stehen (Cornelsen-Trendstudie 2015). Dies lässt zumindest einen punktuellen Einsatz der Geräte im Unterricht zu. Ca. 142 Schulen arbeiten heute bereits regelmäßig mit Tablets bzw. haben sogenannte Tablet-Klassen (Quelle: Tablet in der Schule, Stand April 2015)  

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Digitaler Unterricht in Deutschland

Lehrer, die ihren Unterricht mit digitalen Medien für die Schülerhand ergänzen, setzen die Geräte für das Recherchieren mehr oder weniger umfangreicher Informationen, für das Dokumentieren von Notizen, und Ergebnispräsentationen, beispielsweise mithilfe von interaktiven Whiteboards, ein (Cornelsen-Trendstudie 2015). Damit werden der traditionelle Unterricht und Lernprozesse, wie die Wissensvermittlung durch das schülerseitige Recherchieren von Informationen im Netz, zwar ergänzt und unterstützt. Die Geräte werden aber bisher kaum eingesetzt, um Lernprodukte (Videos, Portfolios, Mind-Maps) zu erzeugen, bzw. um Kompetenzen zu vermitteln, die den oberen Kompetenzstufen auf der ICILS-Skala entsprechen. Schüler sollten beispielsweise auch lernen, die Nützlichkeit und Glaubwürdigkeit komplexer Informationen einzuschätzen oder adressatengerechte und logisch gegliederte Informationsprodukte zu erstellen (Schule Digital, Der Länderindikator 2015, Deutsche Telekom Stiftung, S.37)     

Lehrkräfte können die Medienkompetenzen, die Schüler bereits in der Freizeit erworben haben, für ihren Unterricht nutzen und systematisch Handlungskompetenz vermitteln, indem mobile Geräte vielfältig eingesetzt werden.  

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Förderung der Medienkompetenz durch digitalen Unterricht

Um Schülerinnen und Schüler in ihren computer- und informationsbezogenen Kompetenzen zu fördern, ist es wichtig, dass die digitalen Geräte nicht nur zum Einsatz von Informationsrecherche und Präsentation kommen. Lehrer sollten Anlässe schaffen, digitale Geräte in weitere Phasen des Lernprozesses zu integrieren. 

So kann das Ausführen von Arbeitsaufträgen sowohl die Produktion wie auch die Dokumentation bestimmter Inhalte durch digitale Geräte anregen. Die Inhalte bleiben editierbar und können mit anderen Schülern geteilt werden. Werden Laptop oder Tablet nicht nur als reine Recherche- und Schreibgeräte verstanden, sondern auch für die Erstellung von Lernprodukten (beispielsweise Mind-Maps, Videos, Poster, Präsentationen) und zur Dokumentation genutzt, wird der Einsatz automatisch vielschichtiger.

Dies erfordert von Lehrern ein Umdenken beim Planen und Durchführen ihres Unterrichts. So könnte beispielweise das Erstellen einer Personenbeschreibung nicht nur in einem Word-Dokument oder mit Powerpoint erarbeitet werden. Dem vorangestellt könnte es eine Aufgabe sein, zunächst im Internet Informationen über die Person zu recherchieren und in Form einer Mind-Map zu sammeln. Hierfür gibt es zahlreiche Apps. Die Mind-Maps können anschließend präsentiert oder mit Mitschülern geteilt werden. Die Schüler könnten in Gruppen, individuell durch die Lehrkraft unterstützt, einen Film über die entsprechende Person produzieren. Auch hier stehen Apps zur Videobearbeitung zur Auswahl. Die Ergebnisse könnten über eine Lernplattform mit den anderen Schülern geteilt oder im Unterricht am Whiteboard präsentiert werden. In solchen Szenarien sind Mittel zur Kommunikation und Feedback besonders wichtig. Schüler sollten beispielsweise die Möglichkeit haben sich kriteriengestützt Rückmeldung – auch außerhalb des Unterrichts – zu ihren Videos zu geben. Hierfür können gängige Anwendungen zur Kommunikation mit mobilen Geräten in den Unterricht produktiv integriert werden.

Die sechs Säulen der Medienkompetenz - Arbeitsblatt

Die sechs Säulen der Medienkompetenz

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Fazit

Vorteile im Einsatz digitaler Medien sind, dass

  • durch den Einsatz digitaler Medien analoger Unterricht nicht nur ergänzt wird, sondern auch Unterrichts- und Lernprozesse angeregt werden können, die ohne digitale Medien nicht möglich wären.

Der Einsatz digitaler Medien ist besonders sinnvoll in einem schülerzentrierten Unterricht, in dem der Fokus auf Handlungsprodukten von Schülern liegt.

  • digitaler Unterricht besonders gewinnbringend ist, wenn die Geräte für unterschiedliche Teilkompetenzen eingesetzt werden.

Im vorangegangenen Beispiel werden die Geräte für das Recherchieren von Informationen, das Erarbeiten von Inhalten, aber auch das Produzieren und Dokumentieren eingesetzt. 

  • digitaler Unterricht nicht allumfassend sein muss.

Digitale Medien müssen einen Mehrwert für den Unterricht bringen. Lernprozesse sollen unterstützt oder so angeregt werden, wie sie im analogen Unterricht nicht möglich wären. (Produzieren von Multimedia-Produkten, wie Videos oder Audios). Die Geräte können für bestimmte Phasen gewinnbringend sein, für andere nicht.

  • didaktische Entscheidungen wie immer an erster Stelle stehen.

An erster Stelle stehen, wie in jedem anderen Unterricht auch, die Entscheidungen darüber, welches Lernziel die Schüler erreichen sollen, mit welchen Inhalten sie das erreichen  und mit welcher Methode. Daran erst schließt sich die Frage an, ob sich in diesem Szenario der Einsatz eines digitalen Mediums anbietet.

Fortbildungstipp der Cornelsen Akademie

Wie KI und digitale Tools das Lernen Ihrer Schüler/-innen verändern können
So können Sie Ihre Schüler/-innen zu erfolgreichem selbstregulierten und individuellen Lernen befähigen.

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