Unterricht gestalten / 02.01.2019

Improvisationstheater – kinderleicht und wertvoll

Fantasie, Kreativität & Teamwork fördern

Alle machen mit: Improvisationstheater eignet sich für jede Klasse – auch und gerade für heterogene und inklusive Klassen. Wir haben schöne und unkomplizierte Anregungen für kleine Improvisationen zusammengestellt. Von Einstiegsübungen für Schüchterne bis zu Improvisationen nach Vorgaben.

Bild: Shutterstock.com/SpeedKingz

Improvisationstheater: lohnenswert für heterogene Klassen, für Inklusionsklassen, für alle Klassen 

Improvisationstheater ist so alt wie das Theater selbst. Auch heute ist es noch eine ganz wunderbare Art des Spiels: Die Direktheit und Lebendigkeit reißen einfach mit. In der Schule geht es dabei gar nicht darum, das perfekte Improvisationstheater auf die Beine zu stellen. Stattdessen können Sie mit den kleinen, abwechslungsreichen Bausteinen Ihren Unterrichtsalltag sinnvoll ergänzen – und das wirklich ganz unkompliziert und unaufwendig ohne nennenswerten Materialeinsatz.

Improvisationstheater zeigt den Schülern auf kreative Weise, dass sie trotz ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsame Ziele erreichen können. Auch für stark heterogene oder inklusiven Klassen ist das Improvisationstheater darum bestens geeignet: Hier ist Verschiedenheit keine Hürde, sondern das Rezept für eine tolle Inszenierung. Darüber hinaus gibt diese Form des Spiels den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich ganz darauf einzulassen, ohne den Druck, Leistung erbringen zu müssen. Dieser leistungsfreie Raum ist eine wichtige Ergänzung zum normalen Unterricht – und "ganz nebenbei" fördert das Improvisationstheater auch noch die Entwicklung der sozialen Kompetenzen. Jede Menge Gründe also, es einmal auszuprobieren – es ist wirklich gar nicht schwer!

Die folgenden Anregungen haben wir der Ideensammlung "Bühne frei für alle – Methoden für Improvisation und Theater in Schule und Freizeit" von Kurt Wasserfall (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2340-9) entnommen. Der komplette Artikel basiert auf diesem Praxishandbuch – dort finden Sie noch viele weitere Ideen.

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Vorbereitung: den Raum und die Gruppe wahrnehmen

Als leichten Einstieg können Sie die Schüler zunächst im Raum herumgehen lassen, langsam und ohne sich zu berühren. Sie dürfen einander nicht ansehen und sollen den Augenkontakt ganz bewusst meiden. So laufen sie kreuz und quer und können den Raum wahrnehmen. Wenn Sie ein bestimmtes Zeichen geben – etwa ein Klatschen, ein Trommelschlag oder einfach ein lautes "Stopp!" – bleiben alle Schüler stehen und sehen sich an. Mit einem weiteren Zeichen geht es von vorn los.

Zum Aufwärmen: den Körper lockern und die Fantasie aufwärmen

Die Schüler sollen sich in einem großen Kreis aufstellen. Jeder braucht ein bisschen Platz, um sich gut bewegen zu können. Zuerst lassen die Schüler einzelne Körperteile kreisen. Ganz langsam und immer in beide Richtungen bewegen sie sich: Erst die Schultern, dann die Arme, dann die Ellbogen, die Füße, die Hände und so weiter.

Als nächstes können Sie freie Bewegungen in Zeitlupe vormachen, die die Schüler so genau wie möglich nachmachen müssen. Zum Start eignen sich einfache, klare Bewegungen am besten. Sie können einen Arm heben, die Hand drehen und sie zur Faust ballen. Das wiederholen Sie mit dem anderen Arm. Später können Sie auch Bewegungen mit Geräuschen kombinieren, die die Schüler ebenfalls nachmachen müssen.

Um die Fantasie ein wenig anzuregen, können Sie beispielsweise eine einfache Zahnbürste einsetzen. Wieder stehen die Schüler im Kreis. Jetzt erklären Sie ihnen, dass die Zahnbürste alles Mögliche ist, nur eben keine Zahnbürste. Die Schüler sollen sich überlegen, was die Zahnbürste stattdessen sein könnte und es entsprechend darstellen. Bei einem Schüler wird sie so vielleicht zu einer duftenden Rose, an der er lächelnd schnuppert und sie dem Nächsten mit den Worten reicht: "Bitte schön. Wie gefällt dir diese herrliche Rose?" Der Beschenkte macht aus der Rose dann ein anderes Geschenk, zum Beispiel einen iPod.

Für Einsteiger: Improvisation mit Statuten

Beim Freeze (eine Statue sein) stehen die Schüler völlig bewegungslos wie eingefroren da, als wären sie aus Stein. Besonders schüchterne Schüler werden so langsam an die Improvisation herangeführt – sie müssen nichts aktiv spielen oder aus sich herauskommen, sondern nur regungslos dastehen. So können Sie mögliche Spielhemmungen ganz sachte abbauen.

Eine Möglichkeit für die Improvisation mit Statuen ist es, Gefühle spontan darzustellen. Dazu laufen die Schüler kreuz und quer im Raum herum. Auf ein Zeichen müssen sie dann ein bestimmtes Gefühl darstellen, das Sie in den Raum rufen – zum Beispiel traurig sein, müde sein, verliebt sein ...

Improvisationen mit einfachen Vorgaben: im Aufzug

Mit dem Aufzug ist bestimmt jeder schon einmal gefahren. Lassen Sie die Schüler vorher testen, wie sie das Auf- und Abwärtsfahren durch ihre Körpersprache darstellen können. Ein Aufzug ist ein spannender Ort für Improvisationen: Wenn er stecken bleibt, sind völlig fremde Menschen plötzlich in einer brenzligen Situation. Aber auch wenn er nicht stecken bleibt, gibt es viel Stoff für Improvisationen: Ständig steigen Menschen zu oder aus und jeder verhält sich anders. Sie können auch eine maximale Personenzahl vorgeben, wie sie oft in Aufzügen zu lesen ist. Es dürfen zum Beispiel nur fünf Personen auf einmal mit dem Fahrstuhl fahren. Doch dann steigt plötzlich ein alter Mann mit einer kranken Katze in einer Transportbox ein – was machen die anderen jetzt?

Zum Weiterlesen: Bühne frei für alle

"Bühne frei für alle – Methoden für Improvisation und Theater in Schule und Freizeit" von Kurt Wasserfall (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2340-9) ist eine tolle Ideensammlung rund um das Improvisationstheater. Alle Vorschläge sind leicht verständlich beschrieben, schnell umsetzbar und ohne nennenswerten Materialbedarf. Einen kleinen Auszug haben Sie gerade bereits kennengelernt. Sie sehen: Es gibt viele schöne Impulse und eine Vielzahl guter Gründe, das Improvisationstheater auszuprobieren!

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