Schule gestalten / 03.11.2022

Informatik in allen Schulstufen

Ein Schritt zur Chancengleichheit und was Schulen jetzt schon tun können

Die Alarmglocken wurden nahezu gleichzeitig geläutet: von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, vom Stifterverband und von der Gesellschaft für Informatik. Sie alle forderten in diesen Tagen, umgehend ein Pflichtfach Informatik einzuführen. Denn ein bundesweites Pflichtfach Informatik gibt es nicht. Und das, obwohl bereits in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts Modellversuche auf Länderebene zum Thema „Informatikunterricht in der Sekundarstufe II“ gestartet wurden und die Kultusministerkonferenz im Jahr 1972 die Informatik in das Unterrichtsangebot für die gymnasiale Oberstufe einbezogen hatte. Werden nun also die aktuellen Zahlen und Empfehlungen tatsächlich als Wecksignal wirken?

Bild: Shutterstock.com/Gorodenkoff

Der aktuelle Stand

Nach wie vor ist das Fach Informatik auf den Stundenplänen in den einzelnen Bundesländern bei weitem nicht allgegenwärtig. Der aktuelle Informatik-Monitor der Gesellschaft für Informatik In der Sekundarstufe I und II belegt das. In den meisten Bundesländern wird demnach Informatikunterricht im Sekundarbereich I lediglich im Wahlpflicht- oder Wahlbereich angeboten. In zwei Bundesländern – in Bremen und Hessen – existiert außerdem keinerlei durch ein verbindliches Curriculum abgesichertes Angebot für informatische Bildung in der Sekundarstufe I. Lediglich zwei Bundesländer fallen positiv aus der Reihe: Mecklenburg-Vorpommern, das schulart- und jahrgangsübergreifend ein Pflichtfach „Informatik und Medien“ eingeführt hat, und Sachsen, wo ein eigenständiges Fach Informatik in den Jahrgangsstufen 7–10 für alle Schularten verbindlich ist. Nur in der gymnasialen Oberstufe der allgemeinbildenden Schulen kann Informatik in allen Bundesländern belegt und als mündliches Prüfungsfach gewählt werden.

Warum Informatik?

Die Schule hat die Aufgabe, die heranwachsende Generation auf ein Leben und Arbeiten in der Gesellschaft vorzubereiten. Aktuell heißt das: Sie muss die Schülerinnen und Schüler zum kompetenten und verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen und Informations- und Kommunikationstechnologien befähigen. Oder negativ ausgedrückt: Wer zukünftig die Schule ohne grundlegende, informatische Kenntnisse abschließt, wird auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen auf eine qualifizierte Beschäftigung haben.

Auch der Stifterverband fordert seit Jahren die Einführung eines Pflichtfaches Informatik an Schulen. Seine im September 2022 veröffentlichte Analyse zeigt, dass ein Pflichtfach Informatik nicht nur die Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler steigert, sondern dass insbesondere Mädchen dadurch Kompetenzunterschiede zu Jungen ausgleichen können. Ein Pflichtfach Informatik könnte auch Kindern aus niedrigeren Bildungsschichten helfen, Kompetenzrückstände aufholen. Zudem zeige sich, dass Mädchen in Bundesländern mit Pflichtfach Informatik in der Sekundarstufe I häufiger das Wahlfach Informatik in der Oberstufe belegen.

Lehrwerke für das Fach Informatik

Durch die Verabschiedung des Digitalpakts und den Einzug der Medienkompetenzen in den Schulen nimmt die Informatik als Schulfach einen immer höheren Stellenwert ein. Unsere Lehrwerke unterstützen darum umfassend bei der Vermittlung des aktuellen Fachwissens. 

Die Empfehlungen

Damit alle Schülerinnen und Schüler ein vergleichbares Angebot an Informatikunterricht bekommen fordert die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz jetzt dringend die Einrichtung eines Pflichtfachs Informatik in allen Bundesländern. Insgesamt soll die Informatik im Schulunterricht aufgewertet werden - und zwar schon in der Grundschule. Dabei sollte nicht nur der Aufbau von Medienkompetenzen, sondern auch der Aufbau informatischer Kompetenzen im Sachunterricht in der Grundschule beginnen.

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Ab Klasse 5 schließlich sollte Informatik Pflichtfach werden. Insgesamt vier Wochenstunden verteilt über die Sekundarstufe 1 sehen die Empfehlungen schon ab dem Schuljahr 2024/25 vor. Mittelfristig sollten es sogar sechs Stunden in der Sekundarstufe I sein. Ziel in der Sekundarstufe II sollte es dann mindestens sein, ebenso viele Schülerinnen und Schüler im Fach Informatik zu erreichen wie in den Fächern Physik und Chemie. Dazu, so die Kommission, sollte eines der Prüfungsfächer in der Abiturprüfung aus der Fächergruppe MINT kommen, und das Fach Informatik explizit dieser Fächergruppe zugeordnet werden.

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Mehr Lehrkräfte

Was für die Umsetzung all dieser Empfehlungen nötig ist, liegt auf der Hand: Mehr Fachlehrkräfte. Die Kommission schlägt dazu vor, mehrgleisig zu fahren: Sowohl durch Weiterbildungsmaßnahmen als auch durch berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen für ein Drittfach Informatik und schließlich durch den Ausbau der Seiten- und Quereinstiegsmaßnahmen für Informatiklehrkräfte. Außerdem sollen die Lehramtsstudiengänge Informatik weiterentwickelt und beworben werden.

Und schließlich empfiehlt die Kommission die Einrichtung länderübergreifender "Zentren für digitale Bildung". Hier sollen sowohl Professionalisierungsmodule für Lehrkräfte als auch digitale Tools für den Fachunterricht entwickelt werden. Ein Schwerpunkt dabei: Die Nutzung digitaler Medien für Diagnostik, um Schülerinnen und Schüler individuell unterstützen zu können.

Der Einstieg ist wichtig

All dies ist Zukunftsmusik. Doch auch in der Gegenwart lässt sich schon einiges ändern. Selbst wenn es mit dem Informatikunterricht bislang nicht so richtig klappt, müssen Schulen und Lehrkräfte nicht warten, bis dieser Unterricht endlich verpflichtend sein wird. Sie können zum Beispiel überlegen, wie sich bereits vorhandene und erprobte Materialien für den Informatikunterricht auch in andere Fächer einbinden lassen, beziehungsweise wie sie das Angebot an Arbeitsgemeinschaften, Wahl- und Wahlpflichtkursen erweitern.

  • Bereits für die Grundschule gibt es gute Konzepte und Materialien für den Einstieg in die Informatik. Zum Beispiel spielerisch und in 5-Minuten Trainingseinheiten mit den Forscherstars.
  • Ein schönes Projekt für eine Arbeitsgemeinschaft oder eine Projektwoche in der Grundschule ist auch der Webseiten-Generator Primolo, mit dem die Kinder eigene Webseiten erstellen und gestalten können.
  • Materialien für den Informatikunterricht in der Sekundarstufe I und II stellt die Universität Göttingen zur Verfügung. Lehrkräfte können die Materialpakete inklusive Lösungen nach Angabe Ihres Namens und Ihrer Schule herunterladen.
  • Eine Reihe von Kopiervorlagen zu verschiedenen Themen des Informatikunterrichts in der Sekundarstufe bietet auch Cornelsen an.
  • Und der Bildungsserver hat eine Auswahl an Informatik-Arbeitsblättern und weiteren Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen zusammengestellt.
  • Wer tiefer einsteigen möchte, findet außerdem bei der RWTH Aachen eine umfangreiche Materialsammlung für den Informatikunterricht
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