Schule gestalten / 19.07.2019

Das neue Schuljahr planen

Warum eine Jahresplanung sinnvoll ist und worauf es dabei ankommt

Eine langfristige Unterrichtsplanung schafft Sicherheit und Entspannung im Alltagsstress. Sie müssen nicht für alles einen Plan haben, aber wenn Sie vor Beginn eines neuen Schuljahres Struktur schaffen und die wichtigsten Eckpunkte festlegen, gehen Sie gelassener durchs Leben.

Bild: Shutterstock.com/Roman Samborskyi

Eine Grundstruktur schaffen

Wieder einmal jede Menge Korrekturen mit in die Ferien genommen? Den Wunschtermin für die Klassenfahrt nicht mehr bekommen? Oder nicht daran gedacht, dass sich die Unterrichtseinheit "Kugelstoßen" im Schnee nur schwer durchführen lässt? Derartige Ärgernisse lassen sich mit relativ geringem Aufwand vermeiden, wenn Sie sich vor Schuljahresbeginn ein bisschen Zeit nehmen.

Eine gute Planung zur rechten Zeit lohnt sich. Sie erleichtert nicht nur die konkrete Gestaltung Ihres Unterrichts – sie sorgt auch dafür, dass Sie Ihre Freizeit als solche wahrnehmen können, weil Sie nicht ständig an die Schule denken müssen.

Aller Anfang ist schwer

Manche Menschen lieben es, Dinge weit im Voraus und bis ins Detail zu planen, andere lieben Spontanität und stehen mit langfristiger Organisation eher auf Kriegsfuß. Sie schieben die Jahresplanung schon seit Wochen vor sich her und können sich einfach nicht überwinden, damit zu beginnen? Willkommen im Club – damit sind Sie nicht allein. Jedem geht es mal so. Das Gute ist: Sie müssen nicht alles auf einmal schaffen. Versuchen Sie es gar nicht erst. Beginnen Sie besser mit einem kleinen, überschaubaren ersten Schritt. Das hilft Ihnen, die Blockade zu überwinden und in Gang zu kommen.

Vielleicht hindert Sie auch das Chaos auf Ihrem Schreibtisch daran, sich der Jahresplanung zu widmen. Dann räumen Sie auf! Indem Sie dem Stapel unsortierter Unterlagen den Kampf ansagen, schaffen Sie Ordnung und Raum für neue Gedanken. Probieren Sie es aus. Vielleicht hilft es auch Ihrer Motivation auf die Sprünge, wenn Sie sich einen schönen neuen Kalender, Jahresplaner oder ein digitales Tool für diese Zwecke anschaffen. Los geht’s.

Eine Jahresübersicht erstellen

Als Erstes sollten Sie für jede Klasse eine kurze, individuelle Jahresübersicht erstellen, die Ihnen später auf einen Blick Orientierung verschafft. Das Motto dabei lautet: Weniger ist mehr. Es kann sich also um eine einfache Tabelle handeln, die auf eine DIN-A4-Seite passt. 40 Zeilen für 40 Schulwochen. Achten Sie dabei auf Ferien und Feiertage, indem Sie sie beispielsweise farbig markieren.

Tragen Sie in diese Übersicht alle geplanten Themen ein, aber auch geeignete Zeiträume für Klassenarbeiten, Tests, Referate und Ähnliches. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

  • Welche Termine stehen jetzt schon fest und können eingetragen werden (Zeugniskonferenzen, Praktika, schulinterne Veranstaltungen …)?
  • Welche Themen und Lerninhalte möchte ich ganz grob in welchen Wochen behandeln? Was passt in welche Jahreszeit?
  • Was sagen das schulinterne Curriculum und der Lehrplan zur Stoffverteilung?
  • Wann bietet es sich an, Exkursionen zu planen und durchzuführen?
  • In welche Wochen passen Referate und Vorträge?
  • Welche Projekte könnten sonst noch anstehen (Wettbewerbe, Klassenfahrten …)?

Tragen Sie außerdem, wenn bereits möglich, organisatorische Deadlines für jeden dieser Termine ein. Nehmen Sie bei dieser Jahresplanung auch Ihren eigenen Terminkalender zur Hand und gleichen Sie wichtige private Termine mit den schulischen ab. So vermeiden Sie unliebsame Überraschungen und haben nicht ständig die diffuse Sorge im Hinterkopf, etwas Wichtiges übersehen zu haben.

Diese Schritte schaffen die Basis einer guten Schuljahresvorbereitung. Wenn Sie sie beherzigen, sorgen Sie für den groben organisatorischen Rahmen, die formale Grundstruktur, ohne schon zu sehr ins inhaltliche Detail zu gehen und sich später zu verzetteln.

Die letzte Woche vor den Ferien

Damit Sie Ihre Sommerferien voll und ganz genießen können, ist es sinnvoll, schon in der letzten Schulwoche die Weichen zu stellen. Das bedeutet: Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie kurz den Blick aufs nächste Schuljahr richten und sich Gedanken dazu machen, was Sie jetzt noch erledigen können. Machen Sie sich eine Checkliste:

  • An welche Themen möchte ich im nächsten Schuljahr anknüpfen? Welche werde ich komplett neu konzipieren müssen?
  • Welche Materialien muss ich dafür langfristig organisieren (zum Beispiel Filme)?
  • Welche externen Kooperationspartner gilt es anzufragen und wie viel zeitlichen Vorlauf benötige ich dafür?
  • Müssen noch Elterngespräche, Elternversammlungen, Teamsitzungen oder Gespräche mit der Schulleitung geplant werden?
  • Was möchte ich persönlich im nächsten Jahr anders machen? Worauf will ich stärker achten, was will ich besser organisieren? Was will ich in den Ferien auf keinen Fall vergessen und sollte es mir deshalb notieren?

Die letzte Woche in den Ferien

Nutzen Sie die unterrichtsfreie Zeit kurz vor Schuljahresbeginn, also in den letzten ein bis zwei Ferienwochen, ganz bewusst für eine Standortbestimmung und für eine inhaltliche Einstimmung auf die bevorstehenden Aufgaben. So werden Sie nicht am ersten Schultag von plötzlichen Ereignissen überrollt, sondern starten ganz entspannt und mit einem guten Gefühl ins neue Schuljahr. Das spürt auch Ihre Klasse.

  • Machen Sie schon vor der offiziellen Dienstbesprechung einen Abstecher in die Schule. Räumen Sie Ihren Arbeitsplatz auf und schauen Sie sich den neuen Stundenplan an, falls er schon da ist.
  • Welche Sonderaufgaben könnten in diesem Jahr auf Sie zukommen? Ist hierfür eine frühzeitige Abstimmung mit Kollegen sinnvoll?
  • Verfeinern Sie Ihre grobe Jahresplanung, indem Sie alle Termine und Informationen nachtragen, die Ihnen jetzt zur Verfügung stehen.
  •  Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz zu Hause so, dass Sie sich wieder gerne daran aufhalten. Wie könnten Sie ihn zusätzlich aufwerten?
  •  Was müssen Sie jetzt noch organisieren oder besorgen, bevor es losgeht?
  • Belohnen Sie sich für die geleistete Vorarbeit. Was könnte Ihnen gerade guttun? Gönnen Sie es sich ganz bewusst.

Die Jahresplanung verfeinern

Eine grobe Gliederung des Schuljahres haben Sie bereits erstellt. Die Übergangsphase rund um den Schuljahresbeginn können Sie dazu nutzen, Ihren Plan zu verfeinern. Dabei helfen Ihnen auch der Rahmenlehrplan und die schulinternen Vorgaben und Beschlüsse. Tauschen Sie sich gegebenenfalls mit Kolleginnen und Kollegen darüber aus – sie werden sich zum Teil ganz ähnliche Fragen stellen wie Sie. Widmen Sie sich darüber hinaus beispielsweise den folgenden Aspekten:

  • Welche drei Kompetenzen oder Ziele sollen meine Schüler in diesem Schuljahr erreichen?
  • Auf welche Themen freue ich mich in diesem Schuljahr besonders? Wie möchte ich sie angehen?
  • Wobei benötige ich inhaltlichen Input oder kollegiale Unterstützung? Auf welche Literatur und schulischen Materialien könnte ich für meine Unterrichtsvorbereitung zurückgreifen?

Ein guter Plan ist nicht alles

Verstehen Sie Ihre Jahresplanung nicht als starre Vorgabe, sondern als fortwährenden Prozess. Während des Schuljahres wird sich an der einen oder anderen Stelle Änderungsbedarf ergeben. Das ist normal und sorgt dafür, dass – bei aller Notwendigkeit einer durchdachten Orientierungshilfe – Ihr Schullalltag lebendig bleibt.

Zum Abschluss deshalb noch ein wichtiger Tipp: Geben Sie auf sich acht. Ein ambitionierter, exakt ausgeklügelter Plan ist lobenswert, aber zwischendurch ist es wichtig, abzuschalten. Auch im richtigen Moment Abstand zu gewinnen ist eine gute Form der Vorbereitung. Wenn Ihnen das gelingt, sind Sie auch gewappnet für Interessenskonflikte und frustrierende Situationen, in denen sich ein fest vorgenommenes Ziel nicht erreichen oder eine super Idee nicht ohne Weiteres umsetzen lässt. Dann lernen Sie eine weitere wertvolle Kompetenz im Lehreralltag kennen und schätzen: Improvisieren.

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