Schule gestalten / 20.07.2020

Fünf Tipps für einen organisierten und entspannten Schulalltag

Die Zeit nutzen – und sich nicht von ihr treiben lassen

Der Tag ist fast vorbei und noch längst nicht sind alle Arbeiten erledigt; die Unterrichtsstunde hat schon wieder viel zu wenige Minuten; der Monat neigt sich bereits dem Ende zu und es gibt noch viel zu viel zu tun! Obwohl wir eigentlich gelernt haben sollten, mit der Zeit umzugehen, fallen wir doch immer wieder auf ihre Tücken herein.

Bild: stock.adobe.com/Patrick Daxenbichler/Patrick

Unsere Ratschläge für mehr Organisation und Entspannung 

Und warum? Einfach weil wir uns verkalkulieren, den Aufwand für Vorbereitungen falsch einschätzen, bei unwichtigen Dingen hängen bleiben und die wichtigen liegen lassen. Diese fünf Tipps aus dem Ratgeber „Effektives Selbstmanagement“ helfen, gekonnt mit der Zeit umzugehen. Ratschläge, die übrigens nicht nur für Lehrer, sondern auch für Schüler hilfreich sind.

1. Arbeitsprotokoll

Dem Gefühl, absolut keine Zeit zu haben, können Sie entgegenwirken, indem Sie mit Ihrer Zeit bewusster umgehen. Klingt doch ganz einfach, oder? Bloß wie sieht es mit der Umsetzung aus? Ein bewährtes Rezept ist das Arbeitsprotokoll:

Sowohl für Schüler als auch für Lehrer ist es hilfreich, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wofür täglich die Zeit verbraucht wird. Wenn Sie dies über eine Woche konsequent protokollieren, werden Sie feststellen, dass Sie tatsächlich oft zu viel Zeit für Unwichtiges und zu wenig Zeit für wirklich Wichtiges aufwenden. Legen Sie einfach eine Tabelle an, in der Sie horizontal die Tage und vertikal die Uhrzeiten eintragen. Dann ordnen Sie jeder Tätigkeit eine Farbe zu. Blau: Essen und Körperpflege, Gelb: Fahrzeiten, Rot: Unterricht, Orange: Pausen, Grün: Kommunikation (analog und digital), Braun: Korrekturen und Unterrichtsvorbereitungen, Rosa: Freizeit, Fernsehen, Sport, Erholung und Ähnliches. Natürlich nutzt dieses Aufschreiben allein noch nichts, man muss auch die Konsequenzen ziehen und sein Verhalten ändern. Aber erst durch das Aufschreiben bekommen Sie ein Bewusstsein für Ihre eigene Zeitverschwendung. Das gilt übrigens auch für Schüler, die behaupten, keine Zeit für Hausaufgaben, Wiederholungen oder Übungen zu haben. Sie müssen sich bloß einmal anhand einer solchen Tabelle anschauen, wieviel Zeit sie vor dem Fernseher, bei YouTube oder Facebook verbringen.

2. Übersichtlich planen

Bleiben wir bei der Zeiteinteilung und beim Organisieren: Schuljahresplanungen sind nötig und sinnvoll. Doch verliert man mitunter angesichts des großen Ganzen den Überblick im Detail. Hilfreich ist es, zusätzlich kleinere Einheiten zu schaffen, zum Beispiel Monatsplanungen. So wird das Jahr in kleinere Einheiten geteilt, die man leichter in den Griff bekommt. Praktischer Nebeneffekt: Wenn Sie Monatsübersichten sammeln, fällt Ihnen im nächsten und übernächsten Schuljahr die Unterrichtsvorbereitung schon viel leichter.

3. Orientierung für alle

Legen Sie am besten für jede Klasse eine Monatsplanung an. Sie können diese Planung nicht bloß für Ihre eigene Arbeit nutzen, sondern auch Eltern und Schülern eine Orientierung geben, wenn Sie diese Übersicht zum Beispiel im Klassenraum aushängen. Keine Bange: Nicht jede Unterrichtsstunde muss mit Datum und Uhrzeit versehen werden. Es genügt, eine einfache Liste nach diesem Schema:

Fach: Biologie
Monat: Februar
1.-3. Stunde: Einführung Zellteilung
4.-6. Stunde: Experimente
7.-10. Stunde: Erarbeitung der Fachbegriffe
11.-12. Stunde: Mikroskopieren
13.-14. Stunde: Wiederholung
15. Stunde: Test
16. Stunde: Rückgabe und Besprechung
 

4. Zeit im Blick behalten

Und dann der 45-Minuten-Takt! Wichtig ist es, nicht nur den pünktlichen Beginn und das Ende des Unterrichts im Blick zu behalten, entscheidend ist auch die Zeit dazwischen, das Zeitmanagement während des Unterrichts. Helfen kann hier Altbewährtes: die Uhr. Tragen Sie im Unterricht eine Uhr, oder wenn Sie notorischer Armbanduhrengegner sind, sorgen Sie dafür, dass in all Ihren Unterrichtsräumen eine Uhr hängt. Möglichst eine Funkuhr, damit Sie keine Probleme beim Stellen oder Umstellen der Uhr - etwa auf Sommer- oder Winterzeit - haben.

Auch die Schüler können Zeitmanagement lernen. Vergeben Sie Arbeitsaufträge mit festen Zeitvorgaben und achten Sie darauf, dass diese auch eingehalten werden.  Zum Beispiel: „Von 10:05 Uhr bis 10:20 Uhr übt ihr in Partnerarbeit das betonte Vortragen des Gedichts. Um 10:20 Uhr holt ihr euch den nächsten Arbeitsauftrag aus Karteikasten A und bearbeitet diesen bis 10:40 Uhr. Um 10.40 Uhr gebt ihr eure Ergebnisse bei mir ab, ich bewerte diese und anschließend habt ihr Pause.“ Das erfordert zwar eine gute Vorplanung und Erfahrung im Umgang mit Unterrichtszeit, gelingt aber mit ein wenig Übung ganz leicht. 

5. Rechtzeitig den Unterricht beenden

Es gibt immer Gründe, nicht rechtzeitig zum Unterrichtsende zu kommen: Die Stunde musste wegen Störungen oft unterbrochen werden, der Unterricht konnte nicht pünktlich beginnen, weil die Schüler erst noch ihre Arbeitsmaterialien bereitlegen mussten, oder, oder… Aber aus mindestens einem Grund ist das pünktliche Ende einer Unterrichtsstunde wichtig: Lehrer und Schüler brauchen eine Pause vor der nächsten Unterrichtseinheit! Versuchen Sie also, den Unterricht pünktlich zu beenden, indem Sie bereits zwei, drei Minuten vor Unterrichtsende (Sie haben ja mittlerweile eine Armbanduhr oder die Wanduhr!) die Schlussphase einläuten: Lassen Sie Sachen zusammenpacken, nehmen Sie Klassenbucheinträge vor, machen Sie Schlussansagen. Dann können Sie mit dem Klingelzeichen Ihre Aktentasche schließen und die Pause kann für alle pünktlich beginnen.

Probieren Sie es einfach mal aus. Sie werden erstaunt sein, welche angenehmen Auswirkungen ein bisschen Zeitmanagement haben kann. Und wenn Sie nach weiteren guten Ideen für den Schul- und Arbeitsalltag suchen: Neben diesen fünf Tipps listen die beiden Autoren noch 94 weitere zum effektiven Selbstmanagement auf.

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Im Alltag übernimmt jede Lehrerin, jeder Lehrer unterschiedliche Aufgaben – oft engagiert und voller Energie. Manchmal allerdings wächst einem alles über den Kopf. Dann verursachen die beruflichen Vorhaben und Vorgaben Stress und die persönlichen Wünsche stehen hinten an. Wie Sie mit Aufgabenfülle und Zeitdruck professionell umgehen, erfahren Sie in dieser Fortbildung.
 

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