Schule gestalten / 04.09.2023

Das Klassenzimmer – ein idealer Ort zum Lernen und Leben?

Was Schulen tun können, um das Lernklima in ihren Räumen zu verbessern

Wer sich in seiner Umgebung wohlfühlt, lernt und arbeitet besser. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber wie lässt sie sich in der Schule umsetzen? Welche Möglichkeiten haben Schulen, ihre Räume entsprechend zu verändern? Und wie sollten diese Veränderungen aussehen? Schließlich sind Schulen in der Regel mit einer vorgefertigten baulichen Struktur konfrontiert. Wir haben da ein paar Anregungen.

Bastelutensilien für das Klassenzimmer
Bild: Shutterstock.com/donatas1205

Kein Geld für neue Möbel und keine Chancen auf bauliche Veränderungen? Das bedeutet nicht, dass sich zumindest in den Schulräumen nichts verbessern ließe. Zwar hat nicht jede Schule die Möglichkeit, die Lernräume so zu gestalten, wie die mit dem Cornelsen Zukunftspreis ausgezeichnete Dr.-Georg-August-Zinn-Schule im nordhessischen Gudensberg, wo Lernbüros, Kooperationsflächen und Coachingräume die traditionellen Klassenzimmer abgelöst haben, weil Lernkonzept und Lernumgebung eng miteinander verknüpft sind. Aber selbst wenn eine Schule keinen so großen Schritt machen möchte, eine bessere Lernumgebung lässt sich allemal schaffen. Forschungen zeigen, dass die Gestaltung eines Klassenraums einen großen Einfluss auf die Konzentration, die Lern- und Arbeitsatmosphäre sowie das Wohlbefinden hat.

Die eigenen vier Wände richtet man sich so ein, dass man sich möglichst wohl fühlt, das sollte auch für den Platz gelten, an dem Menschen viele Stunden ihres Tages verbringen: ihren Arbeitsplatz. Für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sind das die Klassenräume. Sie sollten ästhetisch anspruchsvoll, ökologisch durchdacht und für alle ein Raum sein, in dem sie gern lernen, arbeiten und zusammen sind. Dafür muss die Schule nicht neu gebaut werden. Um dem nahezukommen, genügen bereits einige Komponenten. Denn die Qualität eines Raums hängt von vielen Faktoren ab: Akustik, Beleuchtung, Farben, Einrichtung, Luftqualität, Temperatur und Größe.  Wobei alle Faktoren - bis auf die Größe - beeinflussbar sind.

Akustik

In Schulen ist es laut, besonders in den Pausen. Aber auch in den Klassenräumen ist der Lärmpegel oft unangenehm hoch. Was lässt sich dagegen tun, außer alle Beteiligten zur Ruhe zu ermahnen? Wie kann man unnötigem Lärm entgegenwirken und die Raumakustik verbessern? Gut sind schallabsorbierende Flächen – aber das heißt auch, es muss umgebaut und investiert werden. Mit ein paar kleineren Korrekturen lässt sich allerdings auch schon einiges erreichen. Etwa durch die Aufteilung des Raums in kleinere Bereiche

Auch durch natürliche Raumteiler wie größere Zimmerpflanzen. Möbel – wie Regale oder Schränke - können dazu beitragen, Schall einzudämmen. Und die Tische sollten nicht zu weit auseinander stehen. Schließlich sind auch Lärmpausen im täglichen Unterrichtsablauf sehr hilfreich. Sie sind nicht nur erholsam, sondern machen auch noch einmal bewusst, wie laut es im Klassenraum sein kann. Und das kann auf Dauer dazu führen, dass alle sich etwas leiser verhalten.

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Beleuchtung

Natürliches Licht ist ideal für Klassenzimmer. Aber nicht alle Klassenräume verfügen über große Fenster und nicht immer scheint die Sonne. Es muss also auf künstliches Licht zurückgegriffen werden. Leuchtstoffröhren sind zwar hell, aber unattraktiv und können die Schülerinnen und Schüler beim Lernen durch ihr Summen stören. Mittlerweile werden Lampen angeboten, die das Tageslichtspektrum simulieren. Und es gibt bereits Lichtsysteme, die von den Lehrkräften gesteuert werden können und dann zum Beispiel energieförderndes helles Tageslicht, blaues Licht zur besseren Konzentration oder beruhigendes warmes Licht ausstrahlen – eine eher kostspielige Variante. Zumindest aber sollte die Qualität der Beleuchtung überprüft werden und wer weiß, vielleicht finden sich in der Elternschaft ja Expertinnen und Experten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

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Farben

Farben sprechen verschiedene Sinne an. Warme Farben wie orange oder gelb können das Lernen und das Wohlbefinden fördern, während die Farbe Grün eine harmonisierende Wirkung hat. Und hier kommen wieder die Zimmerpflanzen ins Spiel, die allein durch ihre Farbe zum Wohlfühlen beitragen können. Allerdings sollte man es mit den farbigen Flächen nicht übertreiben, denn das wiederum bringt Unruhe in den Raum. Eine Grundfarbe und ein oder maximal zwei Akzentfarben genügen. Auch das Alter der Schülerinnen und Schüler ist für die Farbgebung von Bedeutung. So mögen Grundschulkinder lieber Räume mit satten Farben, während ältere Schülerinnen und Schüler oftmals eher Pastelltöne bevorzugen.

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Einrichtung

Tische und Stühle sollten leicht beweglich sein, um verschiedene Lernszenarien zu ermöglichen. Bestenfalls sind sie höhenverstellbar. Holzelemente wie Regale oder Schränke verbreiten außerdem ein angenehmes Wohngefühl. Wenn es der Platz erlaubt, können auch Ruhezonen mit Sitzsäcken oder Sesseln eingerichtet werden.

Luftqualität und Temperatur

Die wichtige Rolle der Luftqualität ist spätestens seit Corona allgemein bekannt. Das, was in dieser Zeit gelernt wurde, kann einfach weitergeführt werden. Und das heißt: Querlüftung bei weit geöffneten Fenstern alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten, im Sommer alle zehn bis zwanzig Minuten, außerdem nach jeder Unterrichtsstunde über die gesamte Pausenzeit. Die Raumtemperatur sollte sich möglichst zwischen 20 und 22 Grad Celsius bewegen. Außerdem spielt eine zu geringe Luftfeuchtigkeit gerade in Wintermonaten eine große Rolle. Von Luftbefeuchtern raten Experten eher ab, weil sie – bei mangelnder Pflege – eher zu Brutstätten für Keime werden können, statt wirklich hilfreich zu sein. Stattdessen hilft ein ganz natürliches Mittel: Pflanzen, denn sie können die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

Und wie lässt sich das alles in der Grundschule und in den weiterführenden Schulen umsetzen?

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Grundschulen

Mehr noch als in den weiterführenden Schulen sind die Klassenräume der Grundschulen Lebensräume für die Kinder. Denn während Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen ihren Klassenraum immer häufiger Richtung Fachraum verlassen, verbringen Grundschulkinder tatsächlich fast die meiste Schulzeit in ihrem Klassenraum. Wichtig also, dass sie sich dort auch wohlfühlen.

Grundschulen haben ihr Raumkonzept in den letzten Jahrzehnten bereits deutlich verändert. Die früheren tristen Räume mit Stühlen, Tischen, Wandtafel und Lehrerpult haben längst Platz gemacht für eine flexible Sitzgestaltung, für Leseecken oder Stationen zum Lernen. Und das Weißgrau der Wände ist meist warmen Farbtönen gewichen. Wenn die finanziellen Ressourcen des Schulträgers für die Umgestaltung der Klassenräume nicht ausreichen, können Eltern (auch in Eigenarbeit) Fördervereine oder auch Firmen vor Ort einspringen. Wichtig ist, ein ausgereiftes und klares Konzept für die Raumgestaltung möglichst der gesamten Schule zu haben. Dazu gehören Möbel, die flexible Sitzordnungen und Lernarrangements möglich machen wie leicht bewegbare Stühle und Tische und Stehpulte. Sitzsäcke, Kissen und Sofas für einen Rückzugsort, eine Klassenbibliothek mit Regalen und bequemen Sitzmöglichkeiten zum Lesen und mindestens ein Computerarbeitsplatz.

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Weiterführende Schulen

Beim Wechsel auf die weiterführende Schule finden die Schülerinnen und Schüler einen neuen – möglicherweise bereits von der Vorgängerklasse gestalteten – Klassenraum vor. Dennoch ist es wichtig, dass sie selbst ihren neuen Klassenraum gestalten. Denn so übernehmen sie Verantwortung für ihre Lernumgebung. Außerdem lässt sich die Klassenraumgestaltung zu einem ersten gemeinsamen Projekt machen. Wie soll unser Klassenraum aussehen? Was wäre ideal? Was ist realistisch? Schließlich lassen sich auch noch Materialbedarf und Kostenvoranschlag ermitteln. Wie können die Kosten gedeckt werden? Wer kann mit Geld, handwerklichen Leistungen und Material helfen? Was können Eltern und Förderverein beitragen - was die Schülerinnen und Schüler selbst? Durch Eigenleistung oder zum Beispiel durch einen Basar, dessen Erlös in die Klassenkasse zur Gestaltung des Unterrichtsraums fließt. Sollen Pflanzen den Klassenraum bereichern, muss außerdem geklärt werden, wer die Pflege – auch in den Schulferien – übernimmt.

Ein weiterer Effekt: In einem mit so viel Engagement selbst gestalteten Raum werden Schülerinnen und Schüler sich nicht nur wohlfühlen und besser lernen, sie werden auch dafür sorgen, dass diese Atmosphäre erhalten bleibt und nicht durch Nachlässigkeit, Desinteresse oder gar Vandalismus beschädigt wird.

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Sie lernen die verschiedenen Handlungsdimensionen des Classroom-Managements kennen und erarbeiten sich ein Repertoire an nützlichen Klassenführungstechniken. Zudem entdecken Sie neue Möglichkeiten des erfolgreichen Selbst- und Zustandsmanagements während und nach Ihrem Unterricht.

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