Differenzieren & Fördern, Inklusion / 04.10.2019

Kinder mit Lese- Rechtschreibschwäche im Unterricht fördern

Wenn es mit dem Lesen und Schreiben nicht klappt

Kinder sollen in der Schule zuallererst Lesen und Schreiben lernen. Doch das funktioniert nicht bei allen Schülern gleichermaßen gut, manche tun sich besonders schwer. Liegt es an deren Vorkenntnissen, möglicherweise an Ihrem Unterricht oder handelt es sich gar um eine Lese-Rechtschreibschwäche? Gerade hier ist Prävention und frühes Eingreifen entscheidend, deswegen sollten Sie unbedingt aufmerksam sein.

Bild: Shutterstock.com/Rido

LRS erkennen

Es gibt niemanden, der fehlerfrei das Lesen und Schreiben gelernt hätte. Fehler gehören einfach zum Lernprozess. Allerdings machen Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) dauerhaft mehr Fehler als die anderen. Als Lehrkraft sind Sie kein Therapeut aber guter Beobachter. Bereits im Laufe des ersten Schuljahres, spätestens aber in der zweiten Grundschulklasse können Sie Anzeichen einer LRS erkennen. LRS hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, sie kommt in allen Bevölkerungsschichten vor. Sie sollten also besonders genau hinschauen, wenn sich die Lernschwierigkeiten eines Kindes auf den Bereich des Lesens und Schreibens beschränken.

Daneben gibt es weitere Symptome, auf die Sie achten sollten:

  • Schüler mit LRS arbeiten deutlich langsamer als die meisten anderen Kinder und sitzen erheblich länger an ihren Aufgaben.
  • Bei einer Lesestörung häufen sich verschiedene Lesefehler. So werden Buchstaben, Wortteile oder ganze Wörter ausgelassen, hinzugefügt oder verdreht. Auch erraten die Kinder oft den Rest eines Wortes, sobald sie die Buchstaben entziffert haben. Es fällt ihnen dann schwer, den inhaltlichen Gesamtzusammenhang eines Textes zu erfassen.
  • Auch bei der Rechtschreibstörung werden Buchstaben vertauscht, ausgelassen oder zusätzliche Buchstaben hinzugefügt. Ähnlich klingende Buchstaben werden verwechselt. Die Schüler wenden in der Klasse bereits gelernte und geübte Rechtschreibstrategien nicht an, etwa bei doppelten Mitlauten, Wortfamilien, Groß- und Kleinschreibung oder Wortbausteinen. Außerdem machen sie bei den gleichen Wörtern immer wieder unterschiedliche Fehler.
Gezielt fördern - Intensivkurs LRS - Lesen, Rechtschreiben, Grammatik - Arbeitsheft - 5./6. Schuljahr

Gezielt fördern

Lern- und Übungshefte Deutsch · 5./6. Schuljahr
Intensivkurs LRS · Lesen, Rechtschreiben, Grammatik

Arbeitsheft
Mehr erfahren
Lehrerbücherei Grundschule - Individuelle Diagnose und Förderung bei Rechtschreibschwierigkeiten - Buch mit Kopiervorlagen über Webcode

Individuelle Diagnose und Förderung bei Rechtschreibschwierigkeiten

Lehrerbücherei Grundschule

Buch mit Kopiervorlagen über Webcode
Mehr erfahren

Regelungen

In den Bundesländern wird nicht einheitlich mit dem Thema LRS verfahren. Etwa beim sogenannten Nachteilsausgleich oder beim Notenschutz. Nachteilsausgleich meint zum Beispiel, dass den Kindern eine längere Bearbeitungszeit zugestanden wird, mündliche Leistungen stärker berücksichtigt werden, Ersatzleistungen oder veränderte Anforderungen möglich sind.  Dazu zählen auch Hilfsmittel wie Computer oder Wörterbücher. Beim Notenschutz werden Rechtschreibung und Leseleistung in einem Test oder einer Prüfung nicht bewertet. Während in manchen Bundesländern für einen Nachteilsausgleich oder einen Notenschutz eine medizinische Diagnose notwendig ist, ist in anderen das Ergebnis einer schulpsychologischen Untersuchung ausschlaggebend, oder es genügt die Entscheidung der Lehrerkonferenz.

Im Unterricht

Aber egal wer entscheidet: Wenn dann bei einem Schüler LRS bestätigt wurde, und er - je nach Schule und Bundesland - Förderunterricht, außerschulische Therapie, Notenschutz oder Nachteilsausgleich erhält, bleibt die Frage: Wie gestalten Sie Ihren Unterricht, wie können Sie sowohl diesem Schüler gerecht werden als auch der gesamten Lerngruppe?

  • Entscheidend ist, dass Sie den betroffenen Schülerinnen und Schülern Geduld und Verständnis entgegenbringen, dass Sie ihren Mehraufwand und ihre Bemühungen anerkennen. Schließlich brauchen diese Kinder mehr Zeit für Hausaufgaben und Vorbereitungen. Hinzu kommen häufig noch Förderunterricht oder Therapiestunden.
  • Achten Sie außerdem auf die persönlichen Stärken dieser Schüler. Sind sie vielleicht besonders kreativ, in mündlichen Argumentationen besonders gut oder fit im logischen Denken? Stellen Sie diese Stärken heraus! Das fördert das Selbstbewusstsein der Schüler, die viele schulische Misserfolge verkraften müssen und ohne positive Rückmeldungen irgendwann zu Verhaltensauffälligkeiten neigen können.
  • Verlängern Sie die Bearbeitungszeit und stellen Sie spezielle Arbeitsmittel bereit. Sie können außerdem einen Teil der schriftlichen durch mündliche Lernerfolgskontrollen ersetzen.
  • Lesen Sie der ganzen Klasse schriftlich gestellte Aufgaben auch vor.
  • Beschreiben Sie die Rechtschreibleistungen auch verbal.
  • LRS-Kinder sind mit den herkömmlichen Korrekturzeichen oft überfordert. Statt die Fehler hervorzuheben, ist es effektiver, das Wort korrekt daneben zu schreiben.
  • Für leseschwache Kinder kann es eine Qual sein, vor der Klasse vorlesen zu müssen. Setzen Sie deswegen beim Vorlesen verstärkt auf Freiwilligkeit.
  • Legasthenie hat Auswirkungen in allen Fächern, es ist wichtig, dass Sie alle Kolleginnen und Kollegen darüber informieren.
  • Nutzen Sie vermehrt Lieder, Spiele und Reime. So lernen die Kinder spielerisch Anlaute, Inlaute oder Endlaute herauszuhören.
  • Auch der Einsatz von PC oder Tablet hat sich bewährt. Mit Spracherkennungssoftware und Rechtschreibkorrektur können Kinder Lesen und Schreiben trainieren, ohne sich vor der ganzen Klasse blamieren zu müssen.
  • Es ist nicht immer leicht, dem Rest der Klasse zu erklären, warum ein Schüler "bevorzugt" behandelt wird. Hier müssen Sie sensibel reagieren, damit er durch Ihre Erklärungen nicht stigmatisiert wird. In den Anfangsklassen funktioniert das meist sehr gut mit praktischen Beispielen. Etwa, dass nicht jeder ein Superfußballer ist oder dass manche Kinder besser malen oder singen können als andere.
  • Über die verschiedenen Methoden, wie Kinder das Lesen und Schreiben lernen, wird seit Jahren heftig diskutiert. Da Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche Schwierigkeiten haben, sich Wortbilder zu merken, setzen viele Fachleute bei ihnen auf den traditionellen Fibel-Ansatz, bei dem Buchstaben und Wörter schrittweise und konsequent eingeführt werden.
  • Was grundsätzlich gilt, ist auch hier sehr wichtig: die Elternarbeit. Tauschen Sie sich mit den Eltern aus, informieren Sie sie über die Fortschritte im Unterricht, über die Methoden und Lernmittel. Und lassen Sie sich berichten, wie die Eltern den Werdegang ihres Kindes begleiten und einschätzen.
  • Und schließlich: Wenn Sie das Thema LRS an Ihrer Schule stärker verankern möchten, dann können Sie die Wahl eines LRS-Beauftragten oder spezielle Fortbildungen für die Lehrkräfte anregen.

Fortbildungen der Cornelsen Akademie 

Handschrift lernen? Relevanz der Schreibkompetenz im digitalen Zeitalter 
Sie erfahren, welche verschiedenen Aspekte die Wichtigkeit der Schreibkompetenz begründen und stärken Ihre eigene Kompetenz bezüglich der dementsprechenden methodischen Gestaltung Ihres Unterrichts sowie der Beratung der Eltern. 

Sprachsensible Schul- und Unterrichtsentwicklung 
Ihr Kollegium und Sie erhalten Unterstützung bei der Verankerung einer ganzheitlichen und durchgängig fächerübergreifenden sprachlichen Bildung an Ihrer Schule. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Verbesserung der bildungssprachlichen Kompetenz mehrsprachiger Lernender. 

Schlagworte:

24.08.2020
Inklusiver Unterricht: Für jeden Schüler die passende Aufgabe
Inklusiven Unterricht sinnvoll gestalten
Ein und derselbe Arbeitsauftrag für jeden Schüler – das kann im inklusiven Klassenzimmer einfach nicht funktionieren. Wie Sie herausfordernde Aufgaben konzipieren, die für jeden Schüler lösbar sind, erklärt dieser Artikel. So gelingt individualisierter Unterricht garantiert!... Weiterlesen
13.08.2020
Linkshändigkeit: Das müssen Lehrer wissen

Schüler optimal fördern

Linkshändigkeit ist längst nicht nur am heutigen Weltlinkshändertag ein wichtiges Thema. Denn es gibt deutlich mehr Linkshänder als wir lange dachten – und das Schreiben mit der falschen Hand kann ernste Folgen haben. Was Sie als Lehrer konkret tun können, das lesen Sie hier.    ... Weiterlesen
21.08.2019
{Klexer} Mathematik – anschaulich, strukturiert und motivierend
So gelingt inklusiver Mathematikunterricht ab der 1. Klasse.  
Die Heterogenität der heutigen Schulanfänger lässt eine starre Lernzielformulierung nicht mehr zu. Im Zeitalter der Inklusion geben offene, handlungsorientierte und eigenverantwortliche Lernsituationen allen Kindern die Chance, sich Lerninhalte auf unterschiedlichem Niveau dauerhaft anzueignen. Im F... Weiterlesen
05.06.2019
{First Steps} The same – but different
Differenzierung im Englischunterricht der Grundschule
Die Heterogenität der Schülerschaft wächst stetig, der Anspruch des gemeinsamen Unterrichtens bleibt jedoch bestehen. Wie kann es im Zeichen der Inklusion gelingen, Kinder mit ihren individuellen Bedürfnissen und unterschiedlichen Entwicklungsstufen angemessen zusammen zu unterrichten? Zum Lehrwerk ... Weiterlesen