Referendariat / 22.06.2018

Richtig auftreten bei Schülern, Eltern & Kollegen

Tipps für Referendare und Junglehrer

Das rein Fachliche ist nur eine Seite der Medaille: Als Referendar beziehungsweise Junglehrer stellt sich für Sie auch die Frage nach dem richtigen Auftreten. Wie Sie Schülern, Eltern und Kollegen am besten begegnen, erklären wir Ihnen hier: unsere 5 Top-Tipps.

Bild: Foto: Smiling student or teacher holding books. (copyright) Yuriy Shevtsov #171567068

Alles schaut auf Sie!

Als Lehrer stehen Sie immer im Rampenlicht: Sie unterrichten tagein, tagaus große Gruppen und arbeiten damit sozusagen auf dem Präsentierteller. Neben den rein fachlichen Fragen, die Sie sich zu Beginn Ihrer Berufslaufbahn so stellen, bleibt also ein weiteres wichtiges Thema: Wie treten Sie als Referendar beziehungsweise Junglehrer richtig auf? Unsere Top 5 der besten Tipps rund um ein sicheres, professionelles Auftreten geben Ihnen praxiserprobte Antworten.

1. Nobody’s perfect: Seien Sie authentisch.

Als Referendar beziehungsweise Junglehrer sind Sie Lehrer und Azubi gleichermaßen: Sie sind verantwortlich für den Unterricht und alles, was damit zusammenhängt – Sie selbst müssen aber auch noch vieles lernen. Niemand kann von Anfang an alles können und wissen und Sie werden sicherlich immer mal wieder grübeln: Bin ich eigentlich wirklich selbstbewusst oder doch eher unsicher? Finde ich leicht Zugang und knüpfe ich schnell (neue) Kontakte? Überschätze ich mich manchmal oder habe ich zu hohe Erwartungen an mich selbst? 

Diese besondere Situation am Anfang Ihrer Schullaufbahn meistern Sie am besten, indem Sie sich möglichst authentisch verhalten. Seien Sie freundlich und verbindlich, flexibel und neugierig, aber versuchen Sie nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Verstellen Sie sich nicht und haben Sie den Mut, es einzugestehen und nachzufragen, wenn Sie mal etwas nicht wissen. Das gilt auch für den Fachunterricht: Haben Sie auf die Frage eines Schülers einmal keine Antwort, geben Sie das ruhig zu. Nur dabei belassen sollten Sie es nicht – lassen Sie die Schüler recherchieren oder reichen Sie Ihre Antwort in der nächsten Stunde nach.

2. Achten Sie auf Ihr Äußeres.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Schüler beschäftigen sich nicht ausschließlich mit Ihrem Unterricht. Sie beobachten Sie genau und nehmen auch Ihre äußere Erscheinung genauestens wahr. Exzentrische oder altmodische Kleidung, ein ungepflegtes Äußeres oder auch intensive Gerüche werden schnell zum Gesprächsthema. Bauchfreie Oberteile, durchsichtige oder transparente Kleidung (Achtung auch bei heller Kleidung, durch die man doch mehr sieht, als Ihnen lieb ist), enge Kleidung, unter der sich Ihre Unterwäsche abzeichnet, tiefe Ausschnitte, das Fehlen eines BHs, kurze Röcke, Shorts, sichtbare Stringtangas, abgewetzte Kleidung, T-Shirts mit dominanten Botschaften und auch Mützen oder Baseballkappen sollten Sie tunlichst vermeiden. Gleiches gilt für Kleidung, die nach Zigaretten oder Schweiß riecht, sichtbare Achselhaare und ungewaschene Haare, schmutzige Fingernägel, ramponierten Nagellack, Schweißflecken und dreckige Schuhe. 

Achten Sie immer auch auf Ihren Körpergeruch. Als (angehender) Lehrer sollten Sie immer ein Pfefferminzbonbon für guten Atem bereit halten. Alkohol- oder Knoblauchfahnen sind ebenso unangebracht wie Raucheratem. Vermeiden Sie es aber, offensichtlich Kaugummi zu kauen – und verfallen Sie auch nicht ins andere Extrem, indem Sie die Schüler in penetrantem Deodorant-, Rasierwasser- oder Parfümgeruch förmlich ertränken.

3. Lernen Sie Ihre Schüler kennen.

Damit Ihre Schüler sich bei Ihnen gut aufgehoben und sich von Ihnen ernst genommen fühlen, sollten Sie zunächst unbedingt Ihre Namen nennen. Machen Sie sich einen Sitzplan mit den entsprechenden Namen und bitten Sie die Schüler darum, in den Folgestunden entsprechend zu sitzen. Leichter geht es, wenn Sie die Schüler fotografieren, um direkt die passenden Gesichter zu den Namen vor Augen zu haben. 

Verschaffen Sie sich außerdem so schnell wie möglich einen Überblick über die individuellen Stärken und Schwächen. Dafür machen Sie sich am besten möglichst viele Notizen zu jedem Schüler, während des Unterrichts und auch im Nachgang. Ist die Gruppe zu groß, konzentrieren Sie sich pro Stunde auf fünf oder sechs Schüler. Diese Notizen helfen Ihnen dann auch, eine Lernstandsanalyse für die individuell bestmögliche Förderung zu erstellen.

4. Beziehen Sie auch die Eltern mit ein.

m Idealfall bilden Eltern und Lehrer eine Erziehungspartnerschaft. Der Kontakt zu den Eltern ist deshalb wichtig – scheuen Sie sich also nicht, auch als Referendar beziehungsweise Junglehrer auf die Eltern zuzugehen. Nutzen Sie Elternabende oder Sprechtage, um sich – im Beisein des Klassenlehrers – den Eltern vorzustellen. Eventuelle Zweifel an Ihren Kompetenzen lassen Sie gar nicht erst aufkommen, indem Sie erläutern, dass Sie guten Unterricht geben, der von Ihnen äußerst präzise geplant und von erfahrenen Fachkräften zusätzlich begleitet und ausgewertet wird. Erzählen Sie ruhig, welche Unterrichts- und Bewertungsmethoden sowie welche Materialien und Bücher zum Einsatz kommen. Machen Sie die Ziele transparent, indem Sie die Standards und auch Ihre Kompetenzraster an die Eltern verteilen. Die meisten Eltern sind froh über Anregungen, wie Sie Ihr Kind unterstützen können; sprechen Sie mögliche Hilfen (etwa gemeinsam die Tasche packen, Hausaufgaben kontrollieren oder ähnliches) also durchaus an. 

Haben Sie es mit kritischen Eltern zu tun, die viel hinterfragen oder Ihnen sogar Vorwürfe machen, lassen Sie sich nicht verunsichern oder provozieren. Bleiben Sie immer freundlich und sachlich, lassen Sie sich nicht in die Defensive drängen und verfallen Sie nicht in den Rechtfertigungsmodus, sondern konzentrieren Sie sich auf die Lösung des Problems.

5. Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu.

Von außen erscheint ein Kollegium häufig als eingeschworene Gemeinschaft. Es kann also durchaus passieren, dass Sie nicht recht wissen, wie Sie Ihren Kollegen gegenüber auftreten sollen. Versuchen Sie, möglichst offen auf die Kollegen zuzugehen und nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten, um "zwanglos" Kontakte zu knüpfen. Vor Feiern und Fahrten sollten Sie sich also nicht drücken. Nehmen Sie sich ruhig etwas Zeit, die neuen Kollegen kennenzulernen und positionieren Sie sich nicht sofort. Den meisten Kontakt werden Sie mit Ihren anleitenden Lehrern haben; gibt es außerdem bestimmte Teams, die Ihren Bereich betreffen, sollten Sie sich natürlich auch hier einbringen. Vergessen Sie aber auch nicht die Kollegen, die auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zu Ihren Fächern und Aufgaben haben. Von jedem erfahrenen Kollegen können Sie auch etwas lernen – bleiben Sie also aufgeschlossen. 

Gibt es bestimmte ungeschriebene Gesetze, sollten Sie diese natürlich in Erfahrung bringen und auch beachten. Gibt es feste Plätze? Stehen die Kaffeetassen zur freien Verfügung? Wird der Kaffee für alle gekocht und wer übernimmt das? Werden Geburtstage gefeiert? Welche Rituale gibt es? Natürlich sollten Sie die Kollegen nicht mit Fragen bombardieren und Ihnen regelrecht nachstellen. Im hektischen Schulalltag haben sie schließlich immer viel zu tun. Oft gehen Schulleiter und Kollegen aber einfach davon aus, dass Sie – lehrertypisch – gut allein zurechtkommen. Machen Sie also auf sich aufmerksam, wenn Sie Unterstützung brauchen. Machen Sie sich außerdem bewusst, dass es in aller Regel keine böse Absicht, sondern eher eine Anerkennung Ihrer Kompetenz und Selbstständigkeit ist, dass man Sie "einfach mal machen" lässt. 

Seien Sie selbstbewusst und lassen Sie sich nicht zu schnell verunsichern. Konstruktive Kritik und Tipps dienstälterer Kollegen sollten Sie aber natürlich ernst nehmen. Bleiben Sie außerdem sensibel für die kleinen Dinge: Oft sind es Kleinigkeiten des täglichen Miteinanders, die zu Konflikten führen. Sind Sie der Einzige, der nie seine Tasse abspült? Haben Sie vergessen, Papier im Kopierer nachzulegen? Haben Sie die Tür hinter sich zufallen lassen, statt Sie dem Kollegen aufzuhalten? Nichts davon ist eine Todsünde – aber mit ein bisschen Achtsamkeit machen Sie sich das schulische Zusammenleben deutlich leichter.

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