Referendariat / 22.06.2018

Den Grundschulalltag richtig ritualisieren

Rituale und Phasenübergange

Sinnvolle Orientierungshilfen sind für Grundschulkinder besonders wichtig. Was Rituale leisten können, wodurch sie sich auszeichnen und welche kreativen und bewährten Rituale sich für Ihren Unterricht lohnen, erfahren Sie hier.

Bild: Fotolia/takasu

Warum gerade Grundschulkinder Rituale brauchen

Feste Rituale und Gewohnheiten sind für uns alle ein Grundbedürfnis. Sie helfen uns, einen inneren Rhythmus zu finden und sie trösten und beruhigen uns, wenn wir mit Stress, Hektik sowie neuen oder schwierigen Situationen konfrontiert werden. Für Kinder sind solche "kleinen Konstanten" besonders wichtig: Jede Entwicklungsstufe bringt die Notwendigkeit für andere Rituale mit sich. Rituale geben Orientierung, Geborgenheit und Sicherheit. 

  • Sie regeln den Tages- und Wochenablauf und rhythmisieren den Alltag.
  • Sie nehmen Ängste und fördern das Selbstvertrauen.
  • Sie erleichtern die Konzentration und steigern die Merkfähigkeit.
  • Sie schaffen Freiräume, regen die Fantasie an und helfen den Kindern, eine eigene Identität zu entwickeln.

Für erfolgreiches Lernen brauchen Kinder feste, wiederkehrende Strukturen und damit klare Zeitpläne, Routinen sowie verlässliche Regeln und Rituale. Die möglichen Orientierungshilfen sind vielfältig – und sie lassen sich leicht in den Grundschulalltag integrieren.

Den Schulunterricht sinnvoll ritualisieren

Ein Ritual im schulischen Kontext ist ein "(...) stets (evtl. täglich) wiederkehrendes, zur gewohnten Ordnung gehörendes Unterrichtselement, welches es den Schulanfängern ermöglicht, sich auch ohne ein ausgeprägtes Zeitgefühl während des Unterrichtsvormittags zurechtzufinden bzw. feste Strukturen als Orientierungshilfe zur Verfügung zu haben." 

In der Praxis gibt es zahlreiche Rituale, die sich sehr bewährt haben. Da ist beispielsweise der Tagesplaner mit bunten Symbolen für die einzelnen Fächer, den Sie gut sichtbar im Klassenraum befestigen können. So können die Kinder jederzeit nachschauen, was als nächstes kommt. Zusätzlich können Sie gemeinsam mit den Schülern jeden Morgen das Datum des Tages aufschreiben und es an die Wand pinnen. Auf diese Weise bringen Sie ihnen kalendarische Gesetzmäßigkeiten spielerisch näher. Auch Morgenkreise – also Erzählkreise – sowie Abschlusskreise werden mittlerweile an den meisten Grundschulen durchgeführt und die Feste und Feiertage im Jahreskreis mit den Kindern thematisiert und gefeiert. Weitere "Klassiker" unter den Schulalltagsritualen sind die tägliche Hausaufgabenkontrolle, der Einsatz von Belohnungsstempeln, die Einteilung der Klassendienste und der Einsatz kleiner Stille-Übungen. All das sind Beispiele für Rituale, mit denen Sie den Kindern Orientierung in Ihrem Unterricht bieten.

Praxistipps: Kreative und bewährte Rituale für Ihren Unterricht

 

Damit der Schultag für die Kinder gleich gut anfängt, können Sie sie persönlich begrüßen. Erwarten Sie Ihre Schüler an der Klassentür und begrüßen Sie jeden mit einem aufmunternden Satz, etwa "Schön, dass du da bist." oder "Ich freue mich, dich zu sehen.". Zusätzlich können Sie den Kindern leicht auf die Schulter klopfen oder ihnen die Hand geben. 

Damit Sie einen Eindruck bekommen, wie es den Schülern geht und was sie außerhalb der Schule erleben, bieten sich die "täglichen Nachrichten" an. Dazu setzen Sie sich wahlweise im Morgen- oder im Abschiedskreis zusammen. Pro Tag dürfen zwei oder drei Kinder als "Nachrichtensprecher" von ihren Neuigkeiten berichten: Was ist seit dem letzten Stuhlkreis bei ihnen passiert? 

Um auch im trubeligen Unterricht die Aufmerksamkeit der Kinder erlangen zu können, führen Sie ein "geheimes Signal" ein. Wenn Sie also etwas Wichtiges zu sagen haben oder aus anderen Gründen die volle Aufmerksamkeit der Kinder brauchen, erklingt ein bestimmtes Geräusch. Sobald die Schüler das Geräusch hören, unterbrechen sie, was immer sie gerade tun und schauen zu Ihnen. Ein mögliches "geheimes Signal" kann der Klang eines Windspiels sein. Achten Sie darauf, die Schüler vorab mit dem Windspiel bekannt zu machen, reichen Sie es durch die Klasse und starten Sie einen spielerischen Test-Durchlauf. 

Damit die Kinder ihre Arbeit rechtzeitig beenden, bevor es Zeit zum Aufräumen ist, hilft der 5-Minuten-Ansager, zu dem Sie jeden Tag einen anderen Schüler ernennen. Kurz vor Schluss der jeweiligen Einheit geht er in jede Lernecke, zeigt fünf Finger an und erklärt: "Noch fünf Minuten!" Nach Ablauf der fünf Minuten läuten Sie eine Glocke, schlagen einen Gong oder stimmen ein kleines Lied an. So wissen die Kinder, dass jetzt Zeit zum Aufräumen ist. 

Ein weiterer sinnvoller Helfer im Schulalltag ist ein Kummerbuch. Führen Sie dazu ein entsprechendes Schreibheft ein, dass Sie für jeden Schüler zugänglich in der Lese- oder Ruheecke auslegen. Wenn ein Kind ein Problem mit einem Mitschüler oder der Klasser hat, schreibt es seine – möglichst sachlichen – Gedanken und Beobachtungen in das Kummerbuch. In der letzten Stunde der Woche kommen Sie dann im Klassenrat im Sitzkreis zusammen. Sie (oder ein Schüler) lesen die neuen Einträge vor, die im Laufe der Woche in das Kummerbuch gemacht wurden. Dann haben die Betroffenen die Gelegenheit, sich zu äußern. Schließlich suchen Sie gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten oder Schlichtungsansätzen. Regeln, die Sie mit den Kindern für Streitigkeiten vereinbaren, können Sie im Kummerbuch beispielsweise ganz vorn oder auf der letzten Seite für alle verbindlich aufschreiben. Haben Sie bestimmte Konsequenzen vereinbart, müssen Sie diese natürlich entsprechend durchsetzen. 

Es lohnt sich übrigens, auch die Eltern in bestimmte Rituale mit einzubeziehen. Damit die Kinder beispielsweise nicht vergessen, wichtige Mitteilungen zu übergeben, können Sie gemeinsam mit den Eltern einen "Ranzenbriefkasten" etablieren: Sie vereinbaren, dass wichtige Mitteilungen immer in einer nur dafür vorgesehenen Klarsichthülle im Ranzen deponiert werden. Die Eltern werfen dann täglich einen kurzen Blick in die Schultasche und sehen sofort, ob es eine Mitteilung für Sie gibt. Das spart Ihnen, den Eltern und auch den Kindern viel Ärger und schont Ihre Nerven – auch dafür sind Rituale wie gemacht.

Fortbildungstipp

Gezielt motivieren – gekonnt demotivieren
Wenn Menschen gelobt werden, werden Sie lebendiger und aktiver. Lob gibt Energie. Wird jemand konstant kritisiert, verliert er die Lust, etwas zu tun. Kritik raubt Energie. Um in der Klasse die Freude am Lernen zu erhalten, ist es entscheidend, dass das Lob die Kritik überwiegt.
 

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