Selbstkompetenz / Gesundheit / 14.05.2019

Die innere Haltung

Ein wichtiger Teil der Lehrerpersönlichkeit

Besonders Lehrerneulinge machen sich viele Gedanken über ihre "Arbeitspersönlichkeit". Was macht einen guten Lehrer aus? Welche Werte möchte ich vermitteln? Und: Möchte ich lieber der witzige Kumpeltyp oder die strenge Durchgreiferin sein? – Das sind nur einige Fragen, die auch "alte Hasen" von Zeit zu Zeit reflektieren sollten. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei auch die innere Haltung – wir gehen ihr auf den Grund.

Bild: Shutterstock.com/Rido

Die Bedeutung der inneren Haltung

Auch wenn sie nicht zu messen ist, ist sie doch unglaublich wichtig – die innere Haltung eines Menschen. Die innere Haltung, mit der eine Lehrkraft ihren Beruf ausübt, ist sogar besonders wichtig, und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Diese Haltung wirkt sich ganz allgemein auf das menschliche Verhalten aus.
  2. Sie wirkt sich auf den Umgang mit Mitmenschen aus.
  3. Sie wirkt sich ganz besonders auf den Umgang mit Mitmenschen aus, die "untergeben" sind.
  4. Und sie wird von den Schülern in der Regel "gespürt".

Wichtige Aspekte der inneren Haltung

Respekt und Wertschätzung

Lehrer müssen sich die Frage stellen: Habe ich wirklich Respekt vor meinen Schülern und vor meinen Kollegen? Sehe ich sie als Menschen gleicher menschlicher Würde an?

Ressourcen- und Stärkenorientierung

Hier ist eine Haltung gemeint, die nicht auf Fehler und Defizite der Mitmenschen lauert, sondern den Blick bewusst auf Ressourcen und Stärken richtet.

Überraschungsoffene Grundhaltung

Die Einstellung "Ich weiß, dass es anders als geplant kommen kann, und ich bin darauf gefasst." verhindert schlechte Laune und Verkrampfung beim Abweichen vom Konzept.

Innovationsbereitschaft

Gemeint ist eine grundsätzliche Bereitschaft, sich Änderungen, z. B. von gesellschaftlichen Umständen, zu stellen, und nicht selbstzufrieden bei dem Satz "Das mache ich schon seit 30 Jahren so!" stehen zu bleiben.

Bereitschaft zur Selbstreflexion

Als Mensch und vor allem als Lehrkraft sollte man bereit sein, immer wieder selbstkritisch auf das eigene Verhalten zu blicken und in Distanz zu sich selbst zu gehen. Selbstkritik und Selbstironie sind der Selbstverliebtheit deutlich vorzuziehen.

Professionelle Distanz

Distanz ist aber auch gegenüber denen nötig, die den Lehrkräften anvertraut sind. Trotz Wertschätzung und Respekt sind sie nicht ihre Kinder und nicht ihre Freunde.

Testen Sie sich doch einmal selbst! Wie stehen Sie zu den einzelnen Punkten? Wo würden Sie gerne etwas ändern? Suchen Sie sich hierfür einen ruhigen Moment aus, in dem Sie sich gut fühlen. Ein vertraute Person kann bei der Auswahl behilflich sein.

Obwohl die innere Haltung so wichtig ist, taucht sie nicht allzu oft in Lehrerhandreichungen auf. Ihre Macht und Wirksamkeit dürfen nicht unterschätzt werden. Gegebenenfalls müssen Lehrer bereit sein, an sich zu arbeiten. Dabei will eine neue Cornelsen-Reihe helfen, die sich typischen Problemfeldern in einer ganz besonderen Form widmet: Der kleine Lehrerflüsterer

Die Autorin Heidemarie Brosche über die neue Lehrerflüsterer-Reihe

Irgendwann einmal war der Gedanke plötzlich in meinem Kopf: den Lehrern zu unterschiedlichen Themen etwas zu flüstern. Es ihnen nicht um die Ohren zu hauen, weil hier eine Kollegin ist, die alles besser weiß, sondern ihnen ein wenig Druck und Anspannung zu nehmen – auf sensible, humorvolle Art. Und dabei immer wieder zu betonen: Als Lehrkraft kannst du so oder so erfolgreich sein. Du musst dich nicht verbiegen, du musst nicht verzweifeln: Wenn du die richtige innere Haltung hast, wenn du bereit bist, dich selbst immer wieder zu reflektieren, dann wird das in den allermeisten Fällen schon.

Ganz schnell war der Titel geboren: Der kleine Lehrerflüsterer. Klein deshalb, weil ich die Bücher dieser Reihe bewusst knapp halten wollte. Für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen sollte es keine dicken Wälzer geben, die – zusätzlich zu der Last der Lehrertätigkeit – als stummer Vorwurf auf dem Schreibtisch oder Nachtkästchen lauern würden. Nein, vom Format her sollte man das Büchlein jederzeit einstecken können, von der Textart und -menge her sollten die Leser in kleinen Häppchen oder am Stück quasi nebenbei Information und Entlastung erhalten.

Beim Cornelsen Verlag rannte ich mit meiner Idee offene Türen ein. Gemeinsam sammelten wir Themen, brachten sie in eine Reihenfolge – und schon wusste ich, dass ich zunächst über Lehrerpersönlichkeiten und Unterrichtsstörungen und dann über die Beziehung von Lehrern und Eltern schreiben würde.

Ein lockeres Layout war mir bei dieser Reihe wichtig. Man sollte die Bücher gerne in die Hand nehmen und sie gerne durchblättern. Buchstabenfriedhöfe hatten hier nichts zu suchen. So achtete ich beim ersten Lehrerflüsterer-Band darauf, immer wieder Kästen mit Empfehlungen, Checklisten, Goldenen Regeln und Geboten einzubauen. Der Wechsle-mal-die Perspektive!-Knopf sprang mich förmlich an – klar: ich bin ein großer Fan des Perspektivenwechsels. Sprechblasen, in denen ich ein wenig über mich selbst plauderte, und diverse Lehrertypen, die der Verlag originell illustrieren ließ, rundeten das Ganze ab. Dass mir der Praxisbezug sehr wichtig war, versteht sich von selbst. Dass hinter dieser Praxis eine Menge Theoriewissen steckt, spürte man hoffentlich beim Lesen, ohne sich belehrt oder gequält zu fühlen.

Als man mir die ersten Coverentwürfe vorlegte, kam ich nicht umhin festzustellen, dass die Illustratorin mir selbst ein kleines Denkmal gesetzt hat: Die Frau auf dem Cover ist eine deutlich nicht mehr junge Lehrerin mit Brille und Halstuch und Blumenmuster-Pullover – ganz wie ich eben. Dass sie den Lesern zuzwinkert, ist ganz in meinem Sinne. So tierisch ernst, wie ich selbst die Schule am Anfang meiner Lehrerinnen-Laufbahn genommen habe, braucht dies niemand zu tun. Ernst nehmen aber sollte sie jeder. Locker bleiben ohne Schlendrian – das ist es, was ich empfehlen möchte. Es möglichst gut machen wollen, aber nicht verzagen, wenn es weniger gut läuft. Sich und das eigene Verhalten immer wieder zu reflektieren, aber nicht ins selbstzerfleischende Grübeln zu verfallen. 

Und schließlich: die eigene Haltung gelegentlich kritisch überprüfen, auf dass wir auch nach vielen Dienstjahren, nach Frust und Erschöpfung mannigfacher Art Schülern UND Kollegen noch wertschätzend gegenübertreten können! Wenn Der kleine Lehrerflüsterer hierzu beiträgt, freue ich mich sehr.

Fortbildungstipp

Körpersprache bewusst nutzen
Sie lernen eigene Verhaltensweisen besser kennen, überprüfen die persönliche Wirkung und probieren andere Wege für überzeugendes Auftreten aus. Sie bekommen wertvolle Tipps, wie Sie mit Ihrer gesamten Persönlichkeit überzeugen und die nonverbale Kommunikation erfolgreich einsetzen. Durch die angewendeten Methoden lernen Sie den Umgang mit körpersprachlichen Signalen und werden sich Ihrer Wirkung bewusst.
 

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