Konfliktmanagement / 16.09.2020

Strategien gegen Mobbing

Mobbing in der Schule rechtzeitig und angemessen einen Riegel vorschieben

In jeder Lerngruppe müssen wir damit rechnen, dass Mobbing auftreten kann. Im Mobbingfall gibt es dringenden Handlungsbedarf, weil die Folgen für die Betroffenen nicht nur akut, sondern lebenslang eine Belastung darstellen können.

Bild: stock.adobe.com/Roman Bodnarchuk

Nutzen Sie in einem ersten Schritt die folgenden Anregungen und greifen Sie ein, wenn Mobbing stattfindet. Wirklich falsch wäre es nur, nichts zu tun. Die persönliche Wertschätzung allen Beteiligten, auch den Mobber/-innen gegenüber darf dabei nie infrage stehen.

1. Eine Kultur des Hinschauens pflegen

Wenn über Pausenaufsichten gesprochen wird, geht es meist um Unerfreuliches. Es kann aber auch gezeigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit von Mobbinghandlungen und anderen Übergriffen stark abnimmt, wenn in einer Schule die Pausenaufsichten ernst genommen und sorgfältig durchgeführt werden. Es geht nicht um Kontrolle, nicht um Verweise und Ermahnungen, sondern um folgende Botschaften an Schüler:

  • Ich bin hier, wenn ich gebraucht werde.
  • Ihr seid mir wichtig.
  • Ich sorge mich um euch.
  • Ich bin ansprechbar.
  • Ich will, dass ihr die Pausenregeln einhaltet, und ich finde euch in Ordnung.

Es sind die Präsenz und die Haltung der Aufsicht, die eine Wirkung erzielen.

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2. Sich im Klassenteam verständigen

Sie brauchen bei einem Mobbingverdacht eine Erweiterung Ihres Wahrnehmungshorizonts. In Kunst oder Sport sind andere Beobachtungsmöglichkeiten gegeben als in anderen Fächern. Außerdem müssen Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch über Ihre Sorgen kommen. Verständigen Sie sich über die folgenden Aspekte:

  • Die Notwendigkeit, genauer hinzusehen.
  • Die Notwendigkeit, untereinander Kontakt zu halten.
  • Sensibel mit dem Thema Mobbing umzugehen, was zunächst heißt, niemanden öffentlich anzuprangern.
  • Die Notwendigkeit, deutlich Grenzen zu setzen, wenn eine der feindseligen Handlungen beobachtet wird (Stoppsignal).

Die Notwendigkeit, sich abzusprechen, wenn eine weitergehende Intervention stattfinden soll.

3. Stoppsignale geben

Sehr oft wählen Schüler/-innen einen abwertenden Umgangston, Beschimpfungen und Sprüche sind an der Tagesordnung. Schon bei diesen Alltagsbegebenheiten und erst recht, wenn Mobbinghandlungen vermutet werden, ist es nötig, fast ohne Zeitverzögerung eine Grenze zu ziehen. So können Sie ein Stoppsignal geben:

  • „Ich dulde einen solchen Ton in der Klasse nicht.“
  • Sie gehen auf keine Einwände ein: „Mir ist es gleichgültig, wie andere das sehen, ich möchte diesen Ton hier nicht hören.“
  • „Ich will solche Bemerkungen hier nicht hören.“
  • „Ich will nicht, dass ihr in dieser Weise miteinander umgeht.“
  • „Ich möchte, dass jeder sich äußern kann, ohne sofort angegriffen oder gar ausgelacht zu werden.“
  • „Wenn ihr euch woanders so verhaltet, kann ich dies nicht verhindern, hier dulde ich das nicht.“

Sie bleiben ruhig, aber sehr klar und bestimmt. Sie begründen nichts, erklären nichts. Ihre ganze Person steht hinter der Forderung. Sie bleiben wertschätzend, Sie beurteilen niemanden, Sie beschuldigen niemanden. Sie haben ein Verhalten kritisiert, nicht die Person. Sie warten einige Sekunden ab, damit Ihr Gegenüber Ihre Aussage und die Bedeutung, die Sie ihr gegeben haben, realisieren kann. Vielleicht müssen Sie auch kurz rückfragen, ob Sie gehört wurden. Erst wenn Ihre Botschaft angekommen ist, fahren Sie mit dem Unterricht fort.

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4. Mit dem/der Gemobbten sprechen

Vielleicht liegt kein Mobbing vor, Sie haben sich aber zum Handeln entschlossen, weil es dem Schüler oder der Schülerin offensichtlich nicht gut geht. Er/Sie braucht eine Entlastung und das Gefühl, dass sich eine Lehrkraft um ihn kümmert. Erklären Sie, weshalb er oder sie zum Gespräch gebeten wurde, beziehen Sie sich dabei auf eigene Beobachtungen:

  • „Ich habe mitbekommen, dass …“
  • „Mir ist aufgefallen, dass du …“
  • „Ich fürchte, dir geht es nicht so gut.“
  • „Ich möchte dir versichern, dass alles vertraulich bleibt, was wir hier besprechen.“
  • „Magst du erzählen, was in der Klasse los ist und wie es dir dabei geht?“

Niemand erzählt sofort von einer schwierigen Situation und von seinen Gefühlen. Es ist behutsames Vorgehen nötig, um Vertrauen muss geworben werden. Das Mittel der Wahl ist das aktive Zuhören, auch wenn der oder die Schüler/-in gerade nichts erzählen möchte. 

  • „Ich merke, dir fällt es sehr schwer zu erzählen.“

Möchte der/die Schüler/-in nicht erzählen, können wir unsere Sorgen und unsere Beobachtungen noch einmal bekräftigen. Möchte er/sie immer noch nicht erzählen, so wird dies akzeptiert. Sie können eine Bedenkzeit ausmachen und sich noch einmal treffen.

5. Helfer/-innen für den Gemobbten finden

Leider sind Mobbingbetroffene in der Klasse eher allein. Gibt es aber einen Unterstützer oder eine Freundin, können diese einbezogen werden. Im Erstgespräch hören wir den Freund/-innen in gleicher Weise zu und wenn es um konstruktive Änderungen geht, fließen ihre Ideen mit ein. Wir regen an, darüber nachzudenken, was sie in der Klasse tun könnten. Bei der Bewertung der Ideen achten wir darauf, dass keine Überforderung besteht. Auch hier halten wir uns mit eigenen Vorschlägen zurück. In der Regel können die Ideen des Freundes auf Machbares hin präzisiert werden. Hier ein paar Möglichkeiten:

  • Wir unternehmen in der Freizeit mehr miteinander.
  • Ich bin öfter in der Pause mit ihr zusammen.
  • Ich frage immer mal wieder, wie es ihm geht und was er erlebt hat.
  • Wenn dies möglich ist, sage ich auch manchmal: „Lass meinen Freund in Ruhe!“
  • In Kleingruppenphasen im Unterricht arbeite ich öfter mit ihr zusammen.
  • Wenn etwas sehr Heftiges passiert, sage ich dem Klassenlehrer Bescheid (ob das eine gute Idee ist, muss mit dem Mobbingbetroffenen abgesprochen werden).

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Gewalt ist kein Mittel - Gewaltprophylaxe im Unterricht (SchiLf)
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