Referendariat / 16.04.2019

Tipps und Tricks für den ersten Unterrichtsentwurf

Ein guter Fahrplan für bessere Ergebnisse

Der erste schriftliche Unterrichtsentwurf steht an. Was gibt es zu bedenken? Welche Fehler kann man machen? Gibt es allgemeingültige Standards und unterscheiden sich die Anforderungen möglicherweise je nach Studienseminar? Wir haben ein paar Antworten für Sie!

Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Ein schriftlicher Unterrichtsentwurf ist im Prinzip nichts anderes als ein ausformulierter Fahrplan für den Unterricht. Allerdings sind dort – wenn wir beim Bild des Fahrplans bleiben – nicht bloß Abfahrtsort, Zwischenstationen und Ziel benannt, sondern auch Fähigkeiten der Reisenden, die Ereignisse während der Reise, die Erwartungen des Zugführers und eine Einschätzung, welche Rolle diese Reise in einem umfangreicheren Reiseplan spielt.

Das Gerüst des Unterrichtsentwurfs

Als Referendar befinden Sie sich noch in der Ausbildung, das heißt, der erste Entwurf muss noch nicht perfekt sein, er sollte aber auch nicht in einer Katastrophe enden. Vielleicht gab es an Ihrer Hochschule bereits einen Leitfaden für den Unterrichtsentwurf oder das Studienseminar stellt solche Leitfäden zur Verfügung. Die sollten Sie für Ihren Entwurf nützen.

Und: Was wirklich hineingehört und auf jeden Fall von Ihnen erwartet wird, sollten Sie mit den Seminarausbildern und Ausbildungslehrkräften abklären. Mit diesen Vorgaben haben Sie dann bereits das Gerüst Ihres Unterrichtsentwurfs, das zum Beispiel so aussehen könnte:

  • Deckblatt mit den notwendigen Angaben: Ihr Name mit Dienstbezeichnung ("Anwärterin/Anwärter des Lehramts für ...), Name und Anschrift der Ausbildungsschule, Datum des Unterrichtsbesuchs, Fach, Lerngruppe, Namen und Funktion aller im Unterricht beteiligten Erwachsenen
  • Inhaltsverzeichnis
  • Thema der Unterrichtsstunde
  • Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
  • Informationen zur Lerngruppe und zur Lernausgangslage
  • Kompetenzangaben – Was soll erreicht werden?
  • Überlegungen zum Unterrichtsgegenstand
  • Didaktische Überlegungen
  • Begründung und Analyse der Lernaufgaben
  • Methodische Überlegungen
  • Verlaufsplan – übersichtlich in einer Matrix auf einer Seite
  • Anlagen: Literaturangaben, Tafelbild, Arbeitsmaterial

Umfang und Anzahl der schriftlichen Unterrichtsplanungen sind von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich und reichen von relativ knappen Skizzen bis zu detailliert und ausführlich erarbeiteten Entwürfen. Auch Ausdifferenzierung und Reihenfolge innerhalb des Entwurfs können variieren. Das hängt nicht zuletzt von den Vorstellungen und Erwartungen Ihrer Betreuer ab. Grundsätzlich aber enthält die oben genannte Gliederung die entscheidenden Bausteine für einen Unterrichtsentwurf. Denken Sie aber daran, dass es dabei um eine empfohlene Struktur geht – und nicht um eine festzementierte Vorgabe. Schließlich soll der fertige Entwurf Ihre individuelle Planung und subjektive Deutung darstellen und Ergebnis Ihres selbstständigen Lernens sein. Mit diesem Entwurf sollen alle Teilnehmer des Unterrichtsbesuchs über diese Unterrichtsstunde und besonders über Ihre Ideen, Theorien und Überlegungen informiert werden. Und: Sie sollten ein Unterrichtskonzept präsentieren, das auf die individuellen Lernausgangslagen Ihrer Schülerinnen und Schüler abgestimmt ist.

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Den Unterrichtsinhalt planen

Was jetzt "bloß" noch fehlt, ist der Inhalt. Lassen Sie sich Zeit für Ihren Entwurf. Das heißt, fangen Sie so früh wie möglich mit den Überlegungen dazu an. Unterricht zu planen ist kreativ. Wie bei anderen kreativen Tätigkeiten passiert es auch hier häufig, dass Ihnen gute Ideen gerade dann kommen, wenn Sie etwas ganz anders tun, oder wenn Ihr Kopf frei für solche Gedanken ist, etwa, weil Sie gerade Ihre Wohnung sauber machen, im Wald spazieren gehen oder einfach bloß auf dem Sofa entspannen. Schreiben Sie sich diese Ideen auf, entweder in einer Kladde oder auf dem Gerät, das Sie ohnehin meist dabeihaben: dem Smartphone.  Zu diesen Ideen können Einstiege zählen, Aufgabenstellungen, Texte, geeignete Materialien. Wichtig ist, dass Sie bei all den Ideen und Planungen immer Ihre Schülerinnen und Schüler, deren Kompetenzen und Interessen im Auge behalten. Achten Sie auch auf Ihre eigene fachliche Korrektheit, Kompetenz und auf Ihre Stärken. Das trägt nicht nur zum Erfolg der Stunde bei, es überzeugt auch Ihre Betreuer.

Formulieren Sie schlüssig und flüssig. Schweifen Sie nicht ab und verzichten Sie auf Floskeln. Denken Sie immer daran, dass Ihr Unterrichtsentwurf das abbilden soll, was schließlich als echte Stunde gezeigt wird.

Den Unterrichtsentwurf in Form bringen

Auf keinen Fall sollten sie die äußere Form vernachlässigen. Sie zeigt bereits auf den ersten Blick, wie ernst Sie selbst diesen Entwurf nehmen. Der Entwurf muss keiner Hochglanzbroschüre ähneln, sollte aber ein solides Dokument sein und den formalen Anforderungen genügen, die auch an jede andere wissenschaftliche Hausarbeit gestellt werden. Dazu gehört die oben genannte Gliederung einschließlich Deckblatt.

Auch die Standardhinweise für wissenschaftliches Arbeiten müssen Sie unbedingt beachten; also wie mit Quellenhinweisen, Zitaten und Literaturhinweisen umzugehen ist – all das, was Sie bereits während Ihrer Zeit an der Universität gelernt haben. Eigentlich banal, aber vergessen Sie nicht, Ihren Entwurf vorab intensiv auf Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu prüfen. Von Vorteil ist außerdem, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen und den Text am nächsten Morgen mit einer gewissen Distanz zu lesen und möglicherwiese zu korrigieren, bevor sie ihn wirklich beenden.

Zum Umfang des Unterrichtsentwurfs gibt es meist Empfehlungen vom Seminarbetreuer. Der Entwurf sollte weder zu kurz noch zu lang geraten. Oft wird empfohlen, sich auf sechs Seiten zu beschränken. Auch gibt es häufig Vorgaben zu Zeilenabstand, Seitenrand, Schriftgröße oder Schriftart. Klären Sie vorab, wie viele Kopien benötigt werden und wann und wie sie verteilt werden. Also zum Beispiel persönlich, per Post oder Mail. Achtung: Fürs Mailen gibt es oftmals Vorgaben wegen des Datenschutzes – zum Beispiel was die Aussagen zur Lerngruppe angeht. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie doch außerdem einfach noch die "alte Hasen" unter den Referendaren.

Alles nur geklaut?

Im Internet wird eine Vielzahl fertiger Unterrichtsentwürfe angeboten, da kann es ganz schön verlockend sein, einfach mal zuzugreifen. Aber hier ist Vorsicht geboten. Plagiate können schnell auffliegen, zumal die Voraussetzungen niemals identisch sind und den Besuchern in aller Regel auffällt, dass ein solcher Entwurf nicht von Ihnen persönlich gedacht und formuliert wurde. Außerdem schneiden Sie sich selbst damit ins Fleisch, denn schließlich verbauen Sie sich damit eine Chance auf Ihre eigene Weiterentwicklung.

Fazit

Sehen Sie den Unterrichtsentwurf nicht als Belastung und lästige Arbeit an, sondern als Chance. Bei dieser ausführlichen Planung lernen Sie, professionell auf Ihre Stunden zu schauen. Und zu reflektieren: Was ist gut gelaufen? Was kann ich besser machen? Was kann ich von den Nachbesprechungen lernen? Schließlich ist der Unterrichtsentwurf ein unerlässlicher Schritt auf Ihrem Weg zu gutem Unterricht.

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