Best Practice Subheader

Finding a new life in Australia

Kirsty Murray’s Roman A Prayer for Blue Delaney in einer 9. Klasse

Autowrack mit Hund

Praying for whom? – Wer ist Blue Delaney? Dies war die Frage, die alle Schüler zu Beginn der Lektüre stellten. Die Identität der Titelfigur wird tatsächlich bis kurz vor Ende im Dunkeln gelassen. So bleibt der Jugendroman bis zur letzten Seite abwechslungsreich und spannend. Die kurzen Kapitel ermöglichen es, das Buch unter verschiedenen Aspekten zu betrachten. Gerade in heterogenen Klassen bietet sich ein binnendifferenzierter Ansatz an, bei dem die Schüler die einzelnen Abschnitte mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen erarbeiten und sich die Ergebnisse gegenseitig vorstellen.

© Kitch Bain

Lesen Sie im Folgenden den Text dieses Beitrags oder laden Sie sich diesen kostenfrei und bequem als Datei herunter.

Finding a new life in Australia

A Prayer for Blue Delaney: Gehen Sie mit Ihren Schülern auf eine kulturelle und historische Reise durch Australien. Eine packende Lektüre, die Sie mit oder ohne Lehrbuch einsetzen können. Analytischer Zugang oder kreative Arbeit für Ihre 9. Klasse? Mit unseren Kopiervorlagen werden Sie durch die ersten vier Kapitel geführt!

Details
Klasse:
9
Materialart:
Beitrag aus Kundenmagazin
Seitenzahl:
5
Ohne Abo:
gratis

Der Protagonist Colm McCabe, im Waisenhaus in Irland aufgewachsen, wird mit dem Schiff in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts nach Australien gebracht. Die Nonnen schildern Australien als land of plenty, in dem paradiesische Zu- stände herrschen. Doch dort angekommen erlebt Colm zu- nächst erneut im Waisenhaus die Härte der Mönche. Als sein Blutsbruder Tommy stirbt, wagt er zu fliehen.
In Freemantle trifft er auf den merkwürdigen alten Kauz Billy Dare mit seinem Hund Rusty. Mit ihm reist er schließlich quer durch Australien. Die umbarmherzige Wüste, der Dog Fence und Alice Springs sind unter anderem Stationen auf ihrer Reise.

Aborigines

Die Problematik der Stolen Generations erfährt Colm bei Nugget Malloy und seiner Aborigines-Frau Doreen. In einer dramatischen Szene erlebt er, wie die Kinder der beiden von der Polizei eingefangen und verschleppt werden. Auch die Kultur und Welt der Aborigines lernt Colm durch diese Familie kennen.

©istockphoto.com /Kerrie Kerr

Als Bill lebensgefährlich verletzt wird, veranlasst ein rätselhafter Brief Bill und Colm schließlich, nach Melbourne zu reisen. Dort wird endlich die Identität der mysteriösen Blue Delaney enthüllt, zu deren Foto Colm immer wieder heimlich um Hilfe „gebetet“ hat und die für ihn zu einer Mutterfigur geworden ist. Tatsächlich ist es Billys Tochter. Und nachdem Colm es geschafft hat, die beiden wieder zu versöhnen, steht einem Happy End in seiner neuen Familie nichts mehr im Wege.

A Prayer for Blue Delaney kann als typischer Entwicklungsroman gelten. Der Held Colm reift im Laufe seiner Abenteuer in Australien in geradezu dickensianischer Manier vom Kind zum jungen Erwachsenen. Obwohl er sich kaum noch an sie erinnern kann, ist Colm sich zu Beginn der Reise sicher, dass seine Mutter ihn irgendwann aus dem Waisenhaus zu sich zurückholt. Im Laufe der Geschichte erkennt er jedoch, dass seine Zukunft nicht in Irland, sondern in Australien liegt. Die Bindung zu Billy und Rusty wird für ihn durch die gemeinsamen Abenteuer immer wichtiger, so dass Colm Billy sogar das Leben rettet. Blue Delaney wird schließlich nach Billys Tod seine neue Familie.

Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt der Lektüre ist also die Frage der eigenen Identität. Wo gehöre ich eigentlich hin? Was bedeutet „Familie“ für mich? In Zeiten wechselnder Beziehungen und Patchwork-Familien ist dies sicherlich eine Frage, mit der sich viele Jugendliche identifizieren können. Zu Colms neuer Identität gehört auch seine neue Heimat Australien. Der Aspekt der Immigration spielt in der Geschichte eine zentrale Rolle und kann auch im Unterricht aufgegriffen werden, da er die Lebenswirklichkeit vieler Jugendlicher spiegelt.

Durch das Einflechten vieler historischer Details – wie der Besuch der Queen in Perth – wird das Buch zu einer authentischen Quelle über das Australien der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Kinder wie Colm wurden nach dem 2. Weltkrieg tatsächlich häufig aus Armut und Not nach Kanada oder Australien gebracht, obwohl sie noch eine Familie in Europa hatten.

Viele meiner Schüler betonten von Anfang an, dass sie sich trotz des von ihrem Leben sehr unterschiedlichen setting sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen konnten. Für sie war es besonders wichtig, sich immer wieder über die verschie- denen Stationen in seinem Leben auszutauschen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Warum handelt Colm so? Wie hätte ich gehandelt? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Sie äußerten sowohl ihre Empörung über die Ungerechtigkeit, die Colm zu Beginn des Romans erfährt, als auch die Bewunderung für seine spätere Stärke.

Die Lehrpläne für Klasse 9/10 sehen den Einblick in ein weiteres englischsprachiges Land vor. In den meisten Lehrbüchern findet sich in der 9. Klasse deshalb eine Unit zu Australien. Da in A Prayer for Blue Delaney alle wichtigen kulturellen, geografischen und historischen Aspekte dieses Kontinents verarbeitet werden, kann die Lektüre entweder zusätzlich zum Lehrbuch oder einzeln verwendet werden. Lässt man das Lehrbuch weg, werden Vokabeln und Grammatik im Voraus oder im Anschluss erarbeitet.

Das Thema „Irland“ wurde in der Klasse in der vorangegangenen Unit behandelt und bildete somit den Ausgangspunkt für die Lektüre. Gründe für Immigration und Erwartungen an die neue Heimat wurden gesammelt.

Die Lektürephase kann aufgrund der arbeitsteiligen Erarbeitung der einzelnen Kapitel auf ca. 3–4 Wochen beschränkt werden Im Zentrum steht dabei das Herausarbeiten der Entwicklung Colms. Je nach eigener Vorliebe dürfen die Schüler einen eher analytischen oder eher kreativen Zugang zur Erarbeitung wählen. Hintergrundinformationen zur Geschichte und Geografie Australiens werden durch Kurzpräsentationen ergänzt. Im Anschluss werten die Schüler in Gruppen die Lektüre aus. Auch hier können sie sich wieder zwischen einer analytischen oder kreativ-produktiven Herangehensweise entscheiden.

Pre-reading
(ca. 2–3 Stunden)

  • Why do people leave their country?
  • What do they expect to find in their new home?
(Wiederholung der push/pull-factors, post-war Ireland)

While-reading
(ca. 9–12 Stunden)

  • Finding a new life in Australia – Colm’s inner and outer journey
(arbeitsteilige Erarbeitung der Handlung und des Hintergrunds)

Post-reading
(ca. 2–3 Stunden)

  • Taking a second look/Summing up
(Auswertung der Lektüre in Gruppenarbeit)

Zwei der dafür entwickelten Arbeitsblätter finden Sie im Anschluss als Kopiervorlagen.

Eine Lektüre in der Mittelstufe soll vor allem der Leseerfahrung dienen und die Schüler motivieren. Aus diesem Grund sollten sie ihre eigenen Stärken und Vorlieben so weit wie möglich einbringen können. So setzen sich einige gern kreativ mit Texten auseinander, während andere lieber klassische Herangehensweisen wie Interpretationsfragen bevorzugen. Manche betätigen sich am liebsten in Einzelarbeit, während andere gern zu zweit oder in Gruppen arbeiten. Auch das Niveau der sprachlichen Äußerungsmöglichkeiten variiert. Die Schüler konnten je nach Leistungsvermögen und persönlichem Interesse zwischen den zu bearbeitenden Materialien wählen. In einer Stunde wurden etwa drei Kapitel behandelt. Mit welchen Aufgaben sich die Schüler in dieser Zeit intensiv beschäftigten, blieb ihnen freigestellt. Trotz dieser relativ großen Freiheit war es am Ende immer so, dass alle Aufgaben bearbeitet waren und die Ergebnisse präsentiert, besprochen bzw. verglichen werden konnten.

Natürlich ist es, gerade bei einer so freien schülerzentrierten Aufgabenstellung, unabdingbar, vorher bestimmte Grundregeln zum Verhalten (z. B. Lautstärke) und den zeitlichen Rahmen festzulegen. In der Reflexionsphase haben die Klasse und ich die Arbeitsatmosphäre als sehr angenehm bewertet. Von den Schülern bekam ich die positive Rückmeldung, es sei gar nicht so gewesen, „wie man sonst häufig Bücher in der Schule durch nimmt.“ Übrigens wurde die Lektüre nach der letzten Klassenarbeit kurz vor Schuljahresende behandelt und ich habe des- halb auf eine schriftliche Leistungsmessung komplett verzichtet. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war die Motivation und die mündliche Beteiligung deutlich höher als im „normalen“ Unterricht und auch leistungsschwächere Schüler beteiligten sich engagiert an den Diskussionen.

Landkarte Australien

Insgesamt kam diese bewegende Geschichte über Verlust und Ungerechtigkeit, aber auch über Freundschaft und Stärke bei den Schülern sehr gut an. Besonders durch die lebendige Darstellung des Protagonisten Colm fiel es den Schülern leicht, sich mit ihm zu identifizieren. Von den traurigen Erfahrungen am Beginn der Geschichte bis zum Happy End fieberten sie mit ihrem Helden mit.

©istockphoto.com /Classix

Obwohl es für viele Schüler die erste Lektüre einer längeren Ganzschrift war, hatten selbst lernschwächere Schüler keine Schwierigkeiten, das recht hohe Lesepensum zu bewältigen. Trotz der relativ knapp bemessenen Zeit waren die Schüler motiviert und erzielten sowohl bei den analytischen als auch bei den kreativen Aufgaben beeindruckende Ergebnisse. Das Feedback der Klasse war insgesamt sehr positiv. Einige wünschten sich eine genauere Beschäftigung mit einzelnen Aspekten. Da A Prayer for Blue Delaney der dritte von vier miteinander verwobenen Romanen (Children of the Wind) ist, bietet sich besonders interessierten Schülern eine weiterführende Lektüre an.

Schülerstimmen

„A really exciting story. You always want to know how it goes on.“

„At the beginning the story is very sad, but I like the happy ending.“

„Easy to read and not like the typical books you read at school.“

„Sometimes a bit unrealistic but full of suspense.“

Nicole Strobel

studierte Latein und Englisch auf Lehramt in Mannheim und Swansea, Promotion 2004. Seit 2003 im Schuldienst, seit 2005 am Lessing-Gymnasium in Mannheim.

A Prayer for Blue Delaney
Buchcover

Textheft
152 Seiten, kartoniert
978-3-06-032391-3

Handreichung
mit Verlaufsplanung und didaktischen Hinweisen