Referendariat / 22.06.2018

Drei Methoden für produktive Arbeitsphasen

Arbeitsphasen sinnvoll gestalten

Die Arbeitsphase ist die zentrale Phase des Unterrichts: Die Schüler erarbeiten neues Wissen und entwickeln wichtige Kompetenzen. Wir erläutern Ihnen die drei Komponenten produktiver Arbeitsphasen – und liefern Ihnen die richtigen Methoden.

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Drei Komponenten für produktive Arbeitsphasen

Die Arbeitsphase ist die Kernphase des Unterrichts: Hier werden die Themen und Inhalte konkret erarbeitet. Für die Gestaltung kreativer und abwechslungsreicher Arbeitsphasen gibt es vielfältigste Methoden. Generell lassen sie sich in drei Bereiche unterteilen: die Ideen- und Informationssammlung, die Informationsverarbeitung und die Ergebnispräsentation. 

Die Schüler sammeln also zunächst Ideen und Informationen rund um das jeweilige Thema; sie schaffen die (Wissens-)Basis für die Arbeitsphase. Es folgt die Informationsverarbeitung, in der sie aus der Masse der Informationen diejenigen herausfiltern, die sie benötigen.


Zum Schluss präsentieren die Schüler ihre Ergebnisse und Erkenntnisse; sie bereiten ihr Wissen also so auf, dass es auch für die anderen verständlich und nützlich ist.
Die folgenden Methoden sind dem Buch "Produktive Arbeitsphasen – 100 Methoden für die Sekundarstufen" von Arthur Thömmes entnommen (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0325-8).

Informationssammlung: Die Fragensteller-Methode

Sie können die Arbeitsphase zum Beispiel durch die Fragensteller-Methode einleiten. Dazu benötigen Sie 10–15 Minuten Zeit sowie Flipchart und Stift oder Tafel und Kreide. Ziel dieser Methode ist es, dass die Schüler Fragen zum jeweiligen Thema formulieren und neugierig auf die Thematik werden. 

Zunächst benennen Sie das Unterrichtsthema, zum Beispiel "Demokratie". Ihre Schüler dürfen jetzt alle Fragen formulieren, die ihnen dazu einfallen: Was ist Demokratie? Wer stellt sie sicher? Welche Aufgaben haben Parteien? Sie sammeln die genannten Fragen und halten Sie an der Tafel oder auf dem Flipchart fest. Anschließend werden die Fragen gewichtet und entsprechend ihrer Bedeutung in eine Reihenfolge gebracht. Die Reihenfolge bestimmen die Schüler – sie entscheiden, welche Fragen für sie besonders bedeutsam sind. Sie als Lehrer erhalten so wichtige Hinweise: Sie können Ihren Unterricht ganz konkret am Wissensbedarf der Schüler ausrichten. Ein weiterer schöner Effekt: Die Methode lässt ihnen Raum für Fragen, Ideen und Interesse, sie können den Unterrichtsverlauf aktiv mitgestalten – und das steigert die Motivation.

Informationsverarbeitung: Diagramme lesen

Weiter geht es mit der Informationsverarbeitung. Natürlich sind die Arbeitsphasen individuell und themenabhängig – genau wie die jeweilige Form der Informationen, die es zu filtern und zu verarbeiten gilt. Jugendliche ab 14 Jahren sollten unter anderem üben, sich Informationen aus Diagrammen zu ziehen. Erfahrungsgemäß bereiten diese den Schülern oft Probleme. Umfrageergebnisse oder zum Beispiel auch Umsatzanalysen werden ihnen aber immer wieder in Diagrammform begegnen. Es lohnt sich also, die richtige Informationsverarbeitung bei Diagrammen zu üben. 

Geben Sie den Schülern also ein Diagramm zu einem festen Thema, beispielsweise eine Wahlanalyse. Schritt für Schritt ziehen sie sich dann die Informationen aus der Grafik heraus, sie überprüfen ihre Erkenntnisse und diskutieren sie. Planen Sie dafür etwa 15–20 Minuten ein. 

Sie können den Schülern unter anderem folgende Arbeitsaufträge geben: 

  • Welches Thema oder welche Fragestellung wird in dem Diagramm grafisch aufbereitet?
  • Von wem stammt die Erhebung?
  • Welche Elemente werden berücksichtigt, welche Aspekte des Themas erfasst?
  • Welche Informationen finden sich in dem Diagramm?
  • Was fällt besonders auf? Gibt es Spitzen oder Extreme in den Werten?
  • Welche Aspekte oder Informationen fehlen?
  • Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für das Thema?

Achten Sie darauf, auch den Objektivitätsaspekt mit den Schülern zu diskutieren. Diagramme gelten allgemein als anschauliche, objektive Informationsquellen. Sie können aber natürlich nicht alle Aspekte des Themas berücksichtigen und klammern bestimmte Elemente gezielt aus. Ihre Schüler sollten sich also darüber im Klaren sein, dass Diagramme in der Regel auch subjektiv geprägt sind – eine wichtige Erkenntnis für die Bewertung der Informationen.

Präsentieren mit Arbeitsblättern

Schüler ab 10 Jahren können zur Ergebnispräsentation auch Arbeitsblätter für Ihre Mitschüler anfertigen. Dazu sollten Sie eine Schulstunde einplanen und Ihren Schülern Blätter, einen Computer und eine Druckmöglichkeit zur Verfügung stellen. So können sie selbst Arbeitsblätter erstellen, die sie bei ihrer Präsentation an ihre Mitschüler verteilen. 

Diese Art der Ergebnispräsentation hat viele Vorteile für alle Beteiligten: Der Rest der Klasse hört dem vortragenden Schüler deutlich konzentrierter zu. Schließlich können die Mitschüler die Aufgaben und Fragen auf dem Arbeitsblatt nur dann lösen und beantworten, wenn sie wirklich aufgepasst haben. Der Schüler, der sein Wissen präsentiert, muss sich wiederum im Vorfeld besonders gut einarbeiten und alle Inhalte verständlich aufbereiten. So vermeidet er gleichzeitig, dass sein Referat völlig an seiner Zielgruppe vorbeiläuft. Das Arbeitsblatt ist außerdem auch eine Erfolgskontrolle: Es zeigt deutlich, ob die Zuhörer die Inhalte des Referats wirklich verstanden haben. 

Bedenken Sie, dass sehr komplexe oder umfangreiche Themen sich schlecht in der Kürze der Zeit bearbeiten lassen. Nicht jedes Thema eignet sich also für ein Arbeitsblatt. Der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen – aber das wissen Sie ja aus Ihrer eigenen Unterrichtspraxis.

Fortbildungstipps

Kompetenzorientiert unterrichten
Kompetenzorientierter Unterricht zielt auf die Ausstattung von Lernenden mit Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie auf die Bewusstmachung und Reflexion von Einstellungen und Haltungen.
 

Schülerinnen und Schüler entwickeln Lernkompetenzen
Effektiv und selbstverantwortlich können Schüler/-innen nur dann lernen, wenn sie über angemessene Lern- und Arbeitskompetenzen verfügen. Dazu gehören Strategien zum effektiven Lernen, zur Reflexion der Lern- und Arbeitsprozesse und zur Informationsbeschaffung sowie soziale und kommunikative Kompetenzen, um mit anderen gemeinsam arbeiten und lernen zu können. 
 

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