Differenzieren & Fördern, Inklusion / 26.03.2019

Erfolgreich fördern

Die besten Tipps für den Förderunterricht

Fördern gehört zum Lehrerhandwerk und ist tagtäglicher Bestandteil des Unterrichts. Spezieller Förderunterricht jedoch setzt noch einmal ganz besondere Kenntnisse, Strategien und Instrumente voraus. Schließlich hat Förderunterricht einen hohen Anspruch, soll er doch die Schüler befähigen, erfolgreich am "normalen" Unterricht teilzunehmen.

Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Spezielle Förderstunden für leistungsschwache Kinder oder Kinder mit Teilleistungsstörungen gibt es schon lange. Eine Förderstrategie für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler aber hat die Kultusministerkonferenz erst nach den ersten PISA-Auswertungen im Jahr 2010 vereinbart. In den einzelnen Ländern regeln mittlerweile unterschiedliche Gesetze und Erlasse den Förderunterricht und die meisten Schulen haben eigene Förderkonzepte. Idealerweise analysieren Klassen- oder Fachlehrer den Förderbedarf einzelner Schüler. Mit diesen Informationen können Sie sich als Förderlehrer vorab ein erstes Bild von Ihren Schülern machen. Danach geht es darum, den Ist-Stand der einzelnen Schüler und ihre spezifischen Lernschwierigkeiten zu kennen. Denn darauf baut dann der Förderunterricht auf, den Sie – wie den "normalen" Unterricht auch – eigenverantwortlich gestalten. 

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Wo stehen die Schüler?

Selbst wenn alle Schüler im Förderunterricht einen besonderen Förderbedarf haben – auch hier sitzt keine homogene Gruppe vor Ihnen! Um zu erfahren, wo die einzelnen Schüler stehen – von denen Sie überdies etliche bislang noch gar nicht unterrichtet haben – gibt es bewährte Methoden wie die Selbsteinschätzung der Schüler, Lernstandskontrollen und Beobachtungen im Unterricht. All dies mündet schließlich in einer Diagnose, die zur Basis der individuellen Förderung wird.

Die Selbsteinschätzung hat zwei wichtige Funktionen: Sie erfahren, wie die Schüler sich selbst beurteilen und die Schüler werden so von Anfang an in das Förderkonzept miteinbezogen. Diese eigene Lernverantwortung kann dann im Laufe des Förderunterrichts durch weitere Instrumente gestärkt werden.

Die Lernstandskontrollen hingegen zeigen Ihnen – wenn auch schlaglichtartig – die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler im jeweiligen Fach auf. Sie orientieren sich ganz konkret an den Kenntnissen und Kompetenzen, die im jeweiligen Fachunterricht gegenwärtig vorausgesetzt werden.

Individuelle Pläne zur Förderung

Ausgestattet mit diesen Informationen stellen Sie die Förderpläne für die einzelnen Schüler auf, die so strukturiert sein können:

  • Hypothesen zur Ursache der Lernschwierigkeiten
  • Wie sieht das Wissen aus, das der Schüler mitbringt
  • Wie kann der Förderplan an dieses Wissen anknüpfen
  • Wo liegen die Förderschwerpunkte
  • Bedingungen, die geändert werden müssen
  • Ziele der Förderung

Verbindlicher Rahmen für den Förderunterricht

Wichtig für den Erfolg der Förderung ist außerdem ein verbindlicher Rahmen, zum Beispiel ein Lernvertrag. Der Lernvertrag wird zwischen Ihnen und dem Schüler geschlossen und ist für beide Seiten verpflichtend. Festgelegt wird das Ziel, also zum Beispiel, dass der Schüler bis zum Ende des ersten Halbjahres – oder bis zu einem anderen Datum – Anschluss an die geforderten fachlichen und methodischen Standards des Faches X seiner Jahrgangsstufe findet. 

Pflichten des Schülers können sein:

  • Nacharbeitung und Übung des Unterrichtsstoffes
  • Mündliches Engagement im Förderunterricht
  • Umsetzung der Lern- und Förderempfehlungen
  • Führen eines Lerntagebuchs

Ihre Pflichten können sein:

  • Lern- und Förderempfehlungen
  • Erfolgskontrollen
  • regelmäßige Gespräche über den Lernfortschritt

Rechtzeitig vor dem angegebenen Zieldatum kann dann überprüft werden, ob der Lernvertrag erfüllt wurde, um mögliche weitere Schritte zu besprechen.

Mit Eigenverantwortung zum Lernerfolg

Eigenverantwortung ist ein wichtiger Motor für den Lernerfolg. Ein geeignetes Instrument zur Stärkung dieser Eigenverantwortung sind Lerntagebücher, in denen die Schüler regelmäßig und über einen längeren Zeitraum den eigenen Lernstand festhalten. Wie bei echten Tagebüchern haben sich dafür Kladden bewährt. Lassen Sie die Schüler in den letzten fünf Minuten des Förderunterrichts ihre persönliche Einschätzung aufschreiben. Dazu können Sie ein passendes Raster vorgeben:

  • Was habe ich heute gelernt?
  • Wie gut habe ich es gelernt?
  • Was ist mir leichtgefallen?
  • Was ist mir schwergefallen?

Diese fünf Minuten können sehr hilfreich sein. Zum einen lernen die Schüler, sich selbst und ihr Lernverhalten einzuschätzen, zum anderen trägt das Lerntagebuch durch die regelmäßige Beschäftigung mit dem Lernstoff zu dessen Vertiefung bei. Wie bei einem "echten" Tagebuch sind die Inhalte des Lerntagebuchs absolut vertraulich, es sei denn, der Schüler wünscht, dass Sie es lesen.

Checklisten zur Erfolgskontrolle

Damit Sie selbst wissen, was Ihre Schüler tatsächlich gelernt haben, können Sie – in bestimmten Abständen – Checklisten verteilen, die sich ganz konkret auf die Unterrichtsinhalte beziehen.

Ein Beispiel:

Die Schüler erhalten die Listen zurück, nachdem Sie diese geprüft und in die unterste Zeile daraus resultierende Empfehlungen eintragen haben.

Lernen ohne Druck

Schüler müssen auch einmal lernen können, ohne dass ihre Lernleistungen oder Fehler sofort beurteilt werden. Zwar geht es im Förderunterricht darum, die Note im jeweiligen Unterrichtsfach zu verbessern und nicht um eine Benotung im Förderunterricht selbst, trotzdem kann es gerade im Förderunterricht passieren, dass Schüler sich in besonderer Weise beobachtet und begutachtet fühlen. Schließlich hängt die weitere Schulkarriere auch vom Erfolg oder Misserfolg im Förderunterricht ab. Und schnell kann es passieren, dass Schüler all das vermeiden, was eigentlich der Ansatzpunkt für individuelles Förden sein sollte: Fehler machen, Verständnisfragen stellen oder neue Lernwege gehen. Gönnen Sie deswegen Ihren Schülern eine Auszeit von Bewertungen. Treffen Sie mit ihnen eine Absprache, dass ihre Leistungen in den kommenden zwei Wochen nicht – wie auch immer – beurteilt werden und erst danach eine Lernkontrolle stattfinden wird.

Förderung als Gesamtkonzept verankern

Und schließlich: Die ganze "Bürde" der Förderung ruht nicht allein auf Ihren Schultern als Förderlehrkraft. Denn Schüler werden nicht nur im speziell dafür gedachten Unterricht gefördert, Förderung passiert überall in der Schule. Deswegen wird ein Förderkonzept erst dann erfolgreich sein, wenn sich die Schule insgesamt als Ort der Förderung versteht.

Unsere Praxisdownloads zur Erleichterung der Arbeit:

Fortbildungstipp

Diagnostizieren, fordern und fördern
Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass der Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern wesentlich von der Diagnose- und Beurteilungskompetenz der Lehrerinnen und Lehrer abhängt. Um die Unterrichtsinhalte und –angebote an die Lernausgangslagen von Lernenden möglichst genau anzupassen, muss die tägliche Unterrichtsroutine zum methodisch bewussten Diagnoseprozess weiterentwickelt werden.
 

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