Schule gestalten / 26.08.2020

Gute Ideen umsetzen und verbreiten

Lehrerwettbewerbe haben viel Potenzial

Schülerwettbewerbe gibt es viele, sie haben eine lange Tradition. Mittlerweile werden aber auch Lehrkräfte, Schulleitungen oder gar gesamte Schulen ausgezeichnet. Und das bringt nicht nur neuen Schwung in die eigene Schule, motiviert Kolleginnen und Kollegen und fördert die Teamarbeit; es geht um weit mehr: Schule und Unterricht verbessern sich über das ausgezeichnete Projekt hinaus – weil solche Konzepte gern von anderen Lehrkräften übernommen worden. Gute Argumente also dafür, warum sich Aufwand und Engagement lohnen. Zwei Beispiele:

Bild: © iStockphoto/PLAINVIEW

Der Deutsche Lehrerpreis

Lehrer haben einen bequemen Job: Immer wieder die gleichen Unterrichtskonzepte oder Projekte, bloß die Schüler sind jeweils andere. Von wegen! Jahr für Jahr beweisen die Preisträger des Deutschen Lehrerpreises, wie engagiert und kreativ Lehrkräfte – oftmals gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen - ihren Unterricht weiterentwickeln, wie sie zum Beispiel digitale und analoge Unterrichtsformen und Unterrichtsmaterialien kombinieren, wie sie ihre Schüler zu außergewöhnlichen Projekten ermutigen und zu Verantwortlichen ihres Handelns machen. Auch Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Abschlussklassen mischen mit bei diesem Preis: Sie können Vorschläge für die Kategorie Ausgezeichnete Lehrkräfte einreichen.  In den beiden Kategorien Unterricht innovativ und Ausgezeichnete Lehrkräfte sowie in der neuen Kategorie Vorbildliche Schulleitung werden Preise im Gesamtwert von 12.000 Euro vergeben.

Doch nicht die Preisgelder stehen im Vordergrund, geht es doch darum, zu zeigen, was in Schule möglich ist und wie Visionen umgesetzt werden können. In diesem Jahr eine besondere Herausforderung, der mit einem Sonderpreis Corona-Schooling Rechnung getragen wird. Hier können Lehrkräfte zeigen, wie guter Unterricht unter erschwerten Bedingungen möglich ist und welche kreativen Lösungen sie dafür gefunden haben. Ein Thema, das auch im neuen Schuljahr aktuell bleiben wird. Nachahmenswerte Konzepte werden also händeringend gesucht.

Doch lohnt es sich, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen? Schließlich stehen Lehrerinnen und Lehrer derzeit unter extremen Belastungen. Oder ist es vielleicht gerade jetzt wichtig, zu zeigen, was in Schule möglich ist und wie Schule weiterentwickelt werden kann? Sind also gute Ideen sehr gefragt? Manch einer mag allerdings zweifeln, ob das eigene Projekt wirklich so herausragend ist, ob es den Ansprüchen und Kriterien des Wettbewerbs genügt und ob andere Kolleginnen und Kollegen davon zu begeistern sind. Lehrkräfte, die solche oder ähnliche Zweifel hegen, sollten sich das Wettbewerbstagebuch von Sebastian Schmidt anschauen, der zusammen mit seinem Kollegen Ferdinand Stripberger im letzten Jahr mit dem ersten Preis  für das Projekt Lernbüro digital-kooperativ ausgezeichnet wurde. Seine Begeisterung wird den letzten Zweifel zerstreuen und seine Erfahrungen mit der Tatsache, plötzlich im Rampenlicht zu stehen, werden auch dem einen oder anderen zukünftigen Gewinner nützlich sein. 

Und schließlich: Was kann besser sein, als ein gutes Konzept zu entwickeln, das viele Nachahmer in anderen Schulen findet?  Die Übertragbarkeit auf andere zählt zu den sieben Merkmalen innovativen Unterrichts, die der Deutsche Lehrerpreis auf seiner Seite auflistet. 

Auch hier sind die letztjährigen Preisträger beispielgebend: Gestartet hatten das Lernbüro zunächst die beiden Initiatoren mit sechs weiteren Lehrkräften von insgesamt zwei Schulen. Mittlerweile beteiligen sich acht Schulen mit mehr als 30 Lehrerinnen und Lehrern an diesem Projekt und viele weitere wollen mitmachen. Dafür, dass die ausgezeichneten Projekte keine Eintagsfliegen bleiben, sorgt außerdem das Exzellenz-Netzwerk, dem alle Preisträger als Alumni angehören. Sie treffen sich in einem jährlichen Exzellenzcamp.

Der Deutsche Lehrerpreis wird zum zwölften Mal ausgelobt. Träger sind der Deutsche Philologenverband und die Heraeus Bildungsstiftung. Als Kooperationspartner unterstützen DIE ZEIT, ZEIT für die Schule und der Cornelsen Verlag den Preis. Teilnahmeberechtigt sind Lehrkräfte aller Schulen des Sekundarbereichs (ab Klassenstufe 5). In der Kategorie Vorbildliche Schulleitungen können sogar Lehrkräfte-Teams aller Schulformen ihre Schulleitungen nominieren. Bewerbungsschluss ist der 16. November 2020. Ein Datum, das sich Lehrerinnen und Lehrer unbedingt merken sollten!

Cornelsen Zukunftspreis

Berufsorientierung, Sprachförderung, Differenzierung - drei Projekte mit diesen Schwerpunkten haben im vergangenen Jahr den Zukunftspreis der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen gewonnen. Den Sonderpreis bekam ein Ausbildungsprojekt für zukünftige Lehrkräfte. Bei diesem Wettbewerb geht es ebenfalls darum, wie Lehrkräfte Schule und Unterricht verbessern und damit Vorbild und Motivator für andere Lehrkräfte und Schulen sein können.

2020 ist ein besonderes Jahr: Zu den bekannten Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen – wie Umgang mit Heterogenität, Inklusion oder Digitalisierung - kamen die Corona bedingten Schulschließungen, die die Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen stellten. Schnell musste auf digitales Lernen, auf Video- und Telefonkonferenzen umgestellt werden. Es mussten kreative Konzepte entwickelt werden, die es ermöglichten, alle Kinder zu erreichen. Sollen diese guten Konzepte und Projekte nur wenigen Schülerinnen und Schülern zugutekommen oder sollten sie nicht besser in möglichst vielen Schulen eingesetzt werden? Allein unter diesem Aspekt lohnt sich die Teilnahme an dem Wettbewerb.

Aber nicht nur Lernkonzepte für Lockdown-Zeiten werden gesucht, denn es gibt keine thematischen Vorgaben. Das Projekt muss kurz vorgestellt, die Entwicklung und die Erfolge aufgezeigt und seine Übertragbarkeit auf andere Schulen abgeklopft werden. Bewerben können sich Lehrer*innen aller allgemein- und berufsbildenden Schulen und ihre Schulleitungen. Denn für Schuleiter*innen wird in diesem Jahr ein eigener Sonderpreis vergeben, um besonderes Engagement bei der Schaffung von Rahmenbedingungen und die Übertragung einzelner guter Ideen aufs gesamte Kollegium zu honorieren. Beiträge können einzeln oder im Team eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 15. Oktober 2020.

Der Lohn für diese Arbeit? Insgesamt ist der Wettbewerb mit 14.000 Euro dotiert: 5.000 Euro entfallen auf den 1. Preis, 4.000 Euro auf den 2. Preis und 3.000 Euro auf den 3. Preis. Und der oder die Gewinner/in des Sonderpreises erhält 2.000 Euro. Aber auch hier gilt: Der beste Lohn ist, wenn die eigenen Ideen, Konzepte und Projekte von vielen anderen übernommen und weitergetragen werden und wenn Schule dadurch immer ein Stück besser und gerechter wird.

Von und mit anderen lernen

Doch nicht nur durch Wettbewerbe werden gute Ideen weitergetragen – auch im gegenseitigen Austausch und beim gemeinsamen Lernen und Entwickeln entstehen neue Konzepte und Projekte. Wer also nicht an einem Wettbewerb teilnehmen kann, wird vielleicht eine andere Chance nutzen wollen, um Schule voranzubringen, zum Beispiel die Sommeruni der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen. In Diskussionen, Vorträgen, Workshops, Best Practice Präsentationen oder beim Erfahrungsaustausch geht es um Themen, die Lehrkräften unter den Nägeln brennen. Auf dem Programm der kommenden Sommeruni stehen unter anderem Sprachsensibler Unterricht, Digitale Medien und Lernen in Bewegung. Teilnehmende zahlen lediglich einen Selbstkostenbeitrag von 60 Euro. Die Cornelsen Sommeruni findet vom 24. bis 27.08.2021 in Berlin statt. Bewerbungsfrist ist der 15. April 2021. Über die Teilnahme entscheidet dann ein Losverfahren.

Lehrerpreise – eine Auswahl

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