Gesprächsführung / 22.06.2018

Rhetorik und Körpersprache

Lernen Sie, Ihre Stimme ökonomisch einzusetzen und Ihre Mimik und Gestik bewusst wahrzunehmen, zu verändern und zu schulen.

Lehren heißt vor und mit anderen sprechen. Allgemeine Ratgeber zu Rhetorik, Stimme und Körpersprache gibt es wie Sand am Meer – doch nur wenige beschäftigen sich speziell mit Lehrern und ihren Sprechsituationen vor beziehungsweise mit Schülern, Eltern und Kollegen.

Bild: Fotolia/volkonskaya

1. Achtsam sein

Ihre Klasse schenkt Ihnen ihre Aufmerksamkeit nur dann, wenn Sie voll da sind – geistig und körperlich. Die Schüler merken schnell, ob Sie sich ganz auf den gegenwärtigen Augenblick konzentrieren oder ob Sie gedanklich bereits irgendwo anders sind. Nehmen Sie den Moment bewusst wahr, dann können Sie auch bewusst handeln und flexibel reagieren. So sind Sie achtsam! Achtsamkeit ist ein wacher Bewusstseinszustand, der es Ihnen ermöglicht, innere und äußere Wahrnehmungen im gegenwärtigen Moment zu erleben und zuzulassen.

2. Aufrecht stehen

Wie stehen Sie am liebsten? Haben Sie ein Standbein und ein Spielbein? Lehnen Sie sich gerne ans Pult? Haben Sie vielleicht die Beine über Kreuz? Jeder eignet sich mit der Zeit eine bestimmte Haltung an. Die optimale Haltung beginnt bei den Füßen. Diese werden parallel unter den Beckenknochen (fühlbarer Knochen vorne auf Gürtelhöhe) positioniert. Die Knie sind locker, die Füße zeigen nach vorne. Versuchen Sie, Ihre Knie entspannt zu bewegen. Becken und Bauch sind ebenfalls entspannt. Die Schultern sind gelöst und locker. Das Brustbein wird aufgerichtet. Der Kiefer ist locker und der Kopf thront aufrecht auf der Nackenwirbelsäule. Diese Haltung ist flexibel und doch stabil. Die Arme hängen seitlich herunter.

3. Heute schon gesummt?

Wie startet Ihre Stimme eigentlich in den Tag? In Ihrem Beruf müssen Sie sich merklich anstrengen, um den täglichen Stimmmarathon durchzuhalten. Wenn Sie vorhätten, einen Marathon zu laufen, würden Sie trainieren, sich aufwärmen und dehnen. Das Gleiche sollten Sie auch für Ihre Stimme tun! Wecken Sie morgens Ihre Stimme mit einem kleinen Summ-Warm-up! Das gelingt besonders leicht unter der Dusche. Niemand hört und stört Sie. Gleichzeitig freuen sich Ihre Schleimhäute über die hohe Luftfeuchtigkeit. Wenn Sie im Summen routinierter sind, dann können Sie auch auf dem Weg zur Arbeit summen, im Auto oder auf dem Fahrrad.

4. Bitte fuchteln!

Vielleicht kennen Sie aus Ihrer Kindheit noch den Spruch „Fuchtel nicht so viel mit den Händen – das macht man nicht“. Rhetorisch betrachtet ist dies der schlechteste Tipp, den man jemandem – gerade auch einem Lehrer – geben kann. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Kinder schon im Vorschulalter Wortäußerungen über und mit Gestik lernen, zum Beispiel wenn sie Türme aus Bauklötzen bauen und gleichzeitig ein „das kommt hierhin“ sagen. Bei Erwachsenen – und zwar sowohl beim Sprecher als auch beim Hörer – hilft die Gestik vor allem, die Gedanken im Fluss zu halten und schwierige Sachverhalte zu be-greifen.

5. Sich selbst führen

Wie gehen Sie eigentlich mit sich um? Eher kritisch und übergenau oder zugewandt achtsam? Innere Botschaften, die Sie an sich richten, helfen Ihnen, sich selbst zu führen. Schreiben Sie fünf Botschaften an sich selbst auf, mit denen Sie regelmäßig in Ihren Unterricht gehen. Sind diese vorwiegend negativ? Dann versuchen Sie eine positive Umformulierung. Aus „Gib nicht wieder so ein desolates Bild ab“ wird „Du schaffst das“, aus „Jetzt bloß nicht nervös werden“ wird „Nur die Ruhe“ usw. 

Diese Tipps stammen aus dem Ratgeber „99 Tipps: Rhetorik und Körpersprache“ von Anuschka Buchholz und Frank Enders. Darin erhalten Sie noch ausführlichere Anleitungen sowie zahlreiche weitere hilfreiche Tipps für Ihren Schulalltag.  Die Reihe „99 Tipps“ liefert kompakt aufbereitetes Wissen in Tipp-Form. Die Autorenteams weisen langjährige Berufserfahrung auf und geben ihre wertvollsten Ideen und nützlichsten Ratschläge weiter. Alle Tipps sind im Unterricht und in der Schule erprobt und haben sich gut bewährt. Die „99 Tipps“ kommen ohne langwierige theoretische Erläuterungen aus und bieten direkte, unkomplizierte Lösungsansätze, die Sie sofort ausprobieren können.

Fortbildungstipps

Durch bewusste Praxis zu mehr Präsenz
Sie sprechen und präsentieren tagtäglich vor Ihren SchülerInnen und haben Strategien und Routine entwickelt, souverän aufzutreten und Ihre Inhalte zu vermitteln. Dennoch bleiben immer wieder Fragen offen oder stellen sich neu: Wie wirke ich? Was tue ich unbewusst? Wie schaffe ich ein gutes Klima vor der Klasse? 
 

Status in der Schule: Körpersprache der Souveränität
Status hat viele Gesichter. Und Jeder von uns hat in jedem Moment einen, nimmt ihn ein – und erzielt damit eine Wirkung. Ob es immer der Wirksamste ist, zeigt sich unmittelbar (auch wenn wir es eher selten als Statuseffekt benennen). Status zeigt sich in jeder Situation – egal ob eine Schulleitung unbequeme Mitteilungen macht oder sich ein Lehrer in eine Auseinandersetzung mit einem Schüler verwickelt sieht oder Eltern entnervt ihre Kinder an der Supermarktkasse versuchen im Zaum zu halten.
 

Körpersprache bewusst nutzen
Ausstrahlung ersetzt keine Fachkompetenz, dennoch ist Ihre Körpersprache entscheidend. Die Vermittlung von Lerninhalten hängt zu einem erheblichen Teil von nonverbaler Kommunikation ab. Mit lebendiger Körpersprache verbessern Sie nicht nur die Anschaulichkeit Ihres Unterrichts, sondern Sie beeinfl ussen Aufmerksamkeit, Interesse und Begeisterung und wirken direkt auf das Verhalten Ihrer Schülerinnen und Schüler ein.
 

Stimmlich fit für den Unterricht
Als Lehrende sind Sie stimmlich besonders gefordert. Im 45-Minuten-Takt erklären und beschreiben Sie, stellen oder beantworten Sie Fragen. Die Stimme ist dabei Ihr wichtigstes Präsentationsinstrument und das jeden Tag! Damit dies noch lange währt, bedarf es einer gesunden und funktionstüchtigen Stimme.
 

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GesprächsführungElternarbeitSchülerbetreuung
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