Selbstkompetenz / Gesundheit / 14.04.2022

Im Unterricht bei Stimme bleiben

Tipps für den Schulalltag

Die Stimme ist eines Ihrer wichtigsten Werkzeuge im Unterricht. Ist dieses Werkzeug beschädigt, überstrapaziert oder wird es falsch eingesetzt, dann verfehlt es nicht bloß seine Wirkung, im schlimmsten Fall wird es sogar unbrauchbar. Wichtig also, dass Sie Ihre Stimme fit und einsatzfähig halten. Wir haben ein paar Tipps für Sie.

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Warm-up

Keine vernünftige Sportlerin und kein vernünftiger Sportler wird sich direkt ins Zeug legen, sondern langsam und gezielt mit einem Warm-up beginnen, bis sein Körper auf die sportlichen Herausforderungen eingestellt ist. Gönnen Sie auch Ihrer Stimme dieses Aufwachen.

Das geht ganz einfach und lässt sich wunderbar in das eigene morgendliche Ritual einbauen. Ihr Stimm-Warm-up gelingt am besten unter der Dusche, indem Sie - etwa zu einzelnen Liedern im Radio - auf "mmm" entspannt mitsummen. Summen spricht ihre Stimmlippen - auch als Stimmbänder bekannt - schonend an und lockert sie. So kann morgendlicher Schleim im Hals einfach weggesummt werden. Außerdem freuen sich Ihre Schleimhäute über die hohe Luftfeuchtigkeit. Dieses Summen hilft nicht bloß am Morgen, Sie können es auch immer wieder in Ihren Tagesablauf einbauen. In Pausen, beim Autofahren oder beim Spaziergang zum Beispiel.

Sich auf die Stimmbänder zu konzentrieren, ist bereits ein guter Anfang, noch besser ist es, den ganzen Körper ins Warm-up miteinzubeziehen. Gähnen und strecken Sie sich ausgiebig, schütteln Sie Arme und Beine aus. Stellen sie sich aufrecht hin und halten sie mit Fersen, Fußrändern und Zehen Bodenkontakt. Ziehen Sie dann Ihre Wirbelsäule nach oben in die Länge. So wird der Hals weit und frei.

Laut und leise

Jetzt können Sie in den Schulalltag starten. Damit Ihre Stimme aber nach fünf, sechs oder mehr Unterrichtsstunden immer noch halbwegs fit ist, sollten Sie noch ein paar weitere Ratschläge beachten. Besonders strapaziert wird Ihre Stimme beim Laut- und Leisesprechen. Wie schnell passiert es, dass Sie im Unterricht, in der Turnhalle oder auf dem Pausenhof Ihre Stimme erheben. Ist das nicht zu umgehen, dann überlassen Sie diese Anstrengung nicht allein Ihrer Stimme, sondern nutzen Sie einen natürlichen Verstärker, der Ihnen zur Verfügung steht: Die Bauchatmung.  Anders als bei der Hochatmung, bei der wir – wie der Name schon sagt – nur im oberen Brustbereich atmen, wölbt sich bei der Bauchatmung die Bauchdecke nach außen. Am besten können Sie die Bauchatmung im Liegen testen. Halten sie dabei eine Hand auf den Bauch. Sie spüren, dass sich die Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Diese Atmung müssen Sie nun bloß im Stehen trainieren!  Sobald Sie die Bauchatmung aktivieren, wird Ihre Stimme ohne große Anstrengung lauter und voller. Wenn Sie rufen oder gar schreien müssen, dann tun Sie das am besten aus dem Bauch heraus. Das entlastet Ihre Stimme.

Flüstern schont die Stimme? Eher ein Irrtum. denn das strengt ihre Stimmbänder mindestens genauso sehr an wie lautes Sprechen. Versuchen Sie also möglichst, Flüstern zu vermeiden

Denken Sie auch während des Unterrichts, insbesondere während langer Erklärungen, ans Ausatmen. Denn wenn man pausenlos spricht, atmet man zwar häufig ein, vernachlässigt aber gern mal das Ausatmen. Und das kann unter anderem zu einer brüchigen Stimme führen, die von den Schülerinnen und Schülern als Unsicherheit wahrgenommen und Sie wahrscheinlich dazu führen wird, sich häufiger zu räuspern. Und das ist keine gute Idee!

Räuspern

Räuspern kann nämlich schnell zur Gewohnheit werden. Zum Beispiel, weil man zu viel und zu laut redet. Dann wird der Kehlkopf übermäßig belastet, die Schleimhäute der Stimmbänder werden gereizt und der sprichwörtliche Frosch sitzt im Hals. Das beinahe reflexartige Räuspern hilft dann aber höchstens kurzfristig, weil die Symptome tatsächlich verstärkt werden und der vermeintliche "Frosch im Hals" stur sitzen bleibt. Das liegt daran, dass die Schleimhaut des Kehlkopfs durch den vom Räuspern verursachten Luftstrom zusätzlich belastet wird. Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, muss man also den Räusper-Reflex unterdrücken. Dabei helfen ein Schluck Wasser oder Tee oder ein Hustenbonbon. Wenn dies – zum Beispiel im Unterricht – nicht möglich ist, versuchen Sie es mit bewusstem Schlucken und verlegen Sie Wasser, Tee oder Bonbon auf die Pause.

Gähnen

Auch wenn es als unschicklich gilt, oder andere denken, Sie seien gelangweilt: Vergessen Sie nicht zu gähnen. Es muss ja nicht unbedingt während der Zeugniskonferenz sein! Gähnen Sie einfach immer mal wieder, wenn Sie allein sind oder sich unbeobachtet fühlen. Wenn Sie spüren, dass Ihre Stimme müde klingt oder Ihr Hals eng wird, stellen Sie sich vor, jemand gähnt. Denn Gähnen ist ansteckend und Sie werden umgehend mitgähnen. Gähnen erfrischt, weil beim Gähnen Rachenraum und Lunge geweitet werden. Gähnen entspannt, weil sich beim Gähnen kurzfristig viele Muskeln anspannen und sich danach wieder entspannen. Summen Sie anschließend noch ein bisschen und Ihre Stimme sollte wieder frisch und voll klingen.

Mimik und Körperhaltung

Die Stimme, das Sprechen und die Mimik sind eng miteinander verbunden. Ein Lächeln in der Stimme macht den Stimmklang freundlicher, Ihre Stimme wird heller und Sie werden besser verstanden. Je aktiver die Gesichtsmuskulatur wird, desto mehr Deutlichkeit und Klarheit bekommt Ihre Stimme. Und: Seien Sie beweglich! Denn ein steifer Körper wird keine schöne, kräftige Stimme hervorbringen. Sie müssen schließlich nicht stur am Pult stehen, es gibt viele Möglichkeiten, um sachte in Bewegung zu bleiben.

Pausen mit doppeltem Effekt

Zum Glück gibt es verschiedene Unterrichtsmethoden. Sie müssen also nicht ständig reden. Beschränken Sie sich eher auf kurze Monologe, regen Sie Diskussionen an, lassen Sie Inhalte von den Schülerinnen und Schülern zusammenfassen, nutzen Sie Gruppenarbeiten. Kurz: Gönnen Sie Ihrer Stimme immer wieder Pausen.

Mit bewussten Pausen wecken Sie außerdem die Aufmerksamkeit Ihrer Schülerinnen und Schüler. Zum Beispiel dann, wenn deren Konzentration nachlässt und Tuschelgespräche stattfinden. Denn wenn Sie mitten in Ihrem Vortrag plötzlich schweigen, werden Ihre Schülerinnen und Schüler dies sehr schnell als unangenehm empfinden und sich wieder auf Sie konzentrieren. Sie schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe: Ihre Stimme wird geschont und Ihre Schülerinnen und Schüler werden wieder aufmerksam.

Äußere Faktoren

Und schließlich: Denken Sie an die äußeren Umstände. Eine schlechte Raumakustik kann durch bauliche Veränderungen, die aber eher nicht in Ihrer Hand liegen, verbessert werden. Doch kleine Veränderungen können Sie selbst anregen oder durchführen. Etwa, indem Sie – am besten gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern - sogenannte Stuhl- und Tischgleiter anbringen. Sie werden über die Wirkung erstaunt sein!

Wenn Hilfe nötig wird

Wenn aber Training und Vorsorgemaßnahmen nicht helfen und Sie länger als eine Woche konstante Stimmbeschwerden wie Heiserkeit, eine belegte Stimme und Schmerzen beim lauten Sprechen verspüren, sollten Sie eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen. Denn je früher Sie vorsorgen, desto geringer ist die Gefahr einer chronischen Stimmstörung.

Fortbildungen der Cornelsen Akademie

Stimmlich fit im Unterricht: Einführung und Basistraining für die Stimme
Sie erfahren, welche Parameter Einfluss auf Stimme und Präsenz haben und wie Sie diese beeinflussen können.

Stimmlich fit für den Unterricht (SchiLf)
Sie erfahren, wie Sie mit der Stimme ökonomisch umgehen und trainieren, diese auch in sprechintensiven Situationen effektiv einzusetzen. Sie schärfen die Wahrnehmung für die eigene Stimme, entdecken und entfalten Ihre stimmlichen Möglichkeiten. Ein Übungsprogramm wird den Transfer in den (Schul-)Alltag erleichtern.

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