Schule gestalten / 01.10.2020

Weltlehrertag: Zeit, Danke zu sagen

Was Lehrkräfte gerade in Zeiten von Corona leisten, gehört gewürdigt

Unter den Berufsgruppen, deren Alltag die Corona-Pandemie besonders durcheinandergewirbelt hat, sind Lehrerinnen und Lehrer ganz vorne mit dabei. Seit März 2020 halten sie die Stellung und geben Tag für Tag ihr Bestes – auch unter widrigen Bedingungen. Der Weltlehrertag am 5. Oktober ist ein guter Anlass, diese Leistung zu feiern.

Bild: stock.adobe.com/hakase420

Systemrelevant? Selbstverständlich!

  • Das Recht auf Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht.
  • Der Lehrerberuf ist ein wunderschöner Beruf.
  • Qualifizierten Lehrkräften kommt auf dem Weg zu einer hochwertigen und nachhaltigen Bildung eine Schlüsselrolle zu.

So viel zur Theorie. Mit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 wurden innerhalb weniger Tage sämtliche vermeintliche Selbstverständlichkeiten unseres Bildungssystems auf den Kopf gestellt. Geschlossene Schulen und Betreuungseinrichtungen. Homeschooling-Hin-und-Her. Komplizierte Konzepte für Abstand und Hygiene. Spontane Notbetreuungspläne. Flipcharts voller Fragezeichen.

Ein kommunikatives Stop and Go über Wochen und Monate führte dazu, dass die meisten Lehrerinnen und Lehrer in Anbetracht ihrer offensichtlichen Systemrelevanz gar nicht umhinkonnten, kreativ zu werden und sich selbst nach Kräften um passende Lösungen zu bemühen. Um Schülerinnen und Schülern weiterhin bestmöglichen Zugang zu wichtigen Lerninhalten zu ermöglichen, verließen sie ihre Komfortzone.

Was dieses Engagement in Zeiten einer globalen Pandemie und angesichts damit einhergehender individueller Verunsicherungen für eine Leistung darstellt, kann gar nicht genug wertgeschätzt werden.

Veränderung als Normalzustand

Der Beruf der Lehrerin und des Lehrers unterliegt einem permanenten Wandel. Das war auch schon vor Covid-19 so, doch in der Corona-Zeit ist noch einmal besonders deutlich spürbar, wie rasant sich das Umfeld Schule verändert und weiterentwickelt. Und wie viel Flexibilität im Denken und Handeln hier gefragt ist.

Nicht nur die digitale Transformation stellt eine anhaltende Herausforderung dar. Auch neue Formen der agileren Zusammenarbeit oder "Dauerbrenner" wie Inklusion, Diversität und interkulturelle Vielfalt beschäftigen die Lehrenden tagtäglich. Hinzu kommen individuelle Schwerpunkte, je nach Arbeitsumfeld, Spezialisierung und persönlichem Interesse.

Auch gesellschaftliche und (schul-)politische Veränderungen können Lehrende nicht einfach ausblenden. Sie betreffen ihren Arbeitsbereich entweder indirekt oder ganz konkret und sind damit fester Bestandteil ihrer Lebensrealität.

Die große Herausforderung für Lehrkräfte besteht darin, mit all diesen Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen Schritt zu halten. Das erfordert neben einer guten Ausdauer auch eine veränderungsfreundliche Haltung dem Leben gegenüber – und die ist längst nicht bei jedem Menschen gleichermaßen ausgeprägt. Change als lebenslange Challenge.

Lehrerinnen und Lehrer stecken also mitten in einem anhaltenden beruflichen Anpassungsprozess. Sie streben danach, für Stabilität und Verlässlichkeit zu sorgen, um ihren Schülerinnen und Schülern genau das zu bieten, was sie verdienen und benötigen: gute Bildung, die sie befähigt, ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Eine große Verantwortung.

Lehrer/-in zu sein – was bedeutet das heute?

Lehrer/-in zu sein ist im Jahr 2020 weniger ein fest definierter Beruf als eine fortwährende Aufgabe. Sie besteht darin, sich ständig weitere Themenbereiche zu erschließen und nach neuen Wegen zu suchen, Lerninhalte bestmöglich zu vermitteln. Und zwar auf interessante, originelle und motivierende Weise, versteht sich.

Auch wenn sich manchmal auf bewährte Konzepte oder Unterrichtsmaterialien zurückgreifen lässt: Die Haltung "Das haben wir doch schon immer so gemacht" ist längst nicht mehr zeitgemäß. Die Zukunft liegt in der Lebendigkeit.

Danke, dass Sie – liebe Lehrerinnen und Lehrer – diese Aufgabe ernst nehmen und sich ihr stellen! Jeden Tag aufs Neue.

Dankbarkeit fördert die Gesundheit

Am Weltlehrertag gilt es jedes Jahr aufs Neue, Danke zu sagen. Und das ist richtig so, denn Dankbarkeit zu zeigen tut gut. Studien belegen, dass sie sich enorm positiv auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden auswirkt. Sich selbst und anderen von Herzen zu danken, fördert die Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin. Es ist also wichtig, diesem Gefühl regelmäßig Ausdruck zu verleihen.

Der Welttag der Lehrerin und des Lehrers ist eine wunderbare Gelegenheit, Dank auf verschiedenen Wegen auszudrücken. Machen Sie sich selbst und Ihren Kolleginnen und Kollegen mal ein Kompliment. Bedanken Sie sich bei Ihrer Klasse. Halten Sie einen Moment inne, klopfen Sie sich auf die Schulter und werden Sie sich bewusst, was Sie in diesem Jahr trotz schwieriger Umstände alles geschafft haben. Eine wertvolle Erfahrung. Darauf können Sie stolz sein!

Fünf gute Gründe für ein dickes Danke

Hin und wieder erscheint Lehrenden der eigene Handlungsspielraum im schulischen Tagesgeschäft erschreckend gering. Fehlende finanzielle Mittel, eine mangelhafte technische Ausstattung, starre schulinterne Strukturen, Konflikte mit Kollegen oder Eltern, überhöhte Erwartungen vs. fehlende Kapazitäten – es gibt sicher etliche Faktoren, die Sie im Alltag ausbremsen und frustrieren.

Konzentrieren Sie sich heute mal auf das, was Ihnen gut gelingt:

Dranleiben.
Das ist Ihre Kernkompetenz. Offen bleiben, neugierig und ausdauernd sein, sich nicht einschüchtern lassen – das können Sie gut. Dabei stellen Sie sich immer wieder die Frage: "Wo kann ich mich fachlich und menschlich noch verbessern?" Weil lebenslanges Lernen für Sie mehr als nur ein wohlklingendes Konzept ist.

Auf sich selbst achten.
Sie wissen: Wenn es Ihnen gutgeht, dann haben auch Ihre Schüler/-innen etwas davon. Dass Sie sich um sich selbst kümmern, präsent sind und gesunde Grenzen setzen, ist die Grundvoraussetzung für gute Arbeit, gelungene Bildung und ein zufriedenes Miteinander. Manchmal ist es schwer, in Balance zu bleiben und auch mal Nein zu sagen. Aber Sie lernen es jeden Tag ein bisschen besser.

Niemanden übersehen.
Heterogenität ist für Sie normal. Sie wissen um den Wert von Verschiedenheit, auch wenn sich Ihr Unterrichtsalltag manchmal ganz schön herausfordernd gestaltet. Aber das halten Sie aus. Sie haben Verständnis für die individuellen Bedürfnisse in Ihrer Lerngruppe und möchten, dass jeder gesehen wird. Weil Ihnen die jungen Menschen am Herzen liegen.

Kommunizieren für Fortgeschrittene.
Sie heben Kommunikation auf ein neues Level – weil es nicht nur im Unterricht auf eine regelmäßige mündliche Beteiligung ankommt. Sie lieben Feedback und sprechen Ihre Gedanken im Kollegium oder gegenüber der Elternschaft offen aus, auch wenn das nicht jedem gefällt. Sie nutzen mit Ihrer Klasse immer häufiger neue, digitale Kommunikationswege und -medien und freuen sich, wenn trotz anfänglicher Zweifel der darin liegende Mehrwert spürbar wird.

Empathisch handeln.
Sie sind es gewohnt, verschiedene Perspektiven einzunehmen und Aspekte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Ihr Einfühlungsvermögen kommt Ihnen auch im Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten zugute. Sie hören gut zu und verstehen es, auch in kniffligen Situationen vernünftige Kompromisse zu finden. Damit sind Sie ein tolles Vorbild für Ihre Schüler und Schülerinnen.

Teil eines großen Ganzen

Dass schon seit 1994 Jahr für Jahr der Weltlehrertag gefeiert wird, beweist auch: Sie sind nicht allein. Als Lehrer/-in sind Sie fest verbundener Bestandteil eines riesengroßen Teams, einer weltweiten Bildungsbewegung. Vielleicht fühlt es sich manchmal nicht so an, aber mit Ihrer tagtäglichen Arbeit leisten Sie – Schritt für Schritt – einen unmittelbaren Beitrag zu gesellschaftlichem Wandel und Fortschritt. Genießen Sie dieses Gefühl.

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