Referendariat / 25.06.2018

Fünf Ideen für sinnvolle Unterrichtsabschlüsse

Wirkungsvolle Schlusspunkte setzen

Der Unterrichtsabschluss kommt im Eifer des Gefechts oftmals zu kurz. Dabei ist er ideal geeignet, um Neues zu wiederholen, Ergebnisse zu sichern und Lernerfolge zu kontrollieren. Ein bewusster Abschluss lohnt sich also definitiv – und ist längst nicht so aufwendig, wie Sie vielleicht denken.

Bild: stock.adobe.com/contrastwerkstatt

Oft vernachlässigt: der bewusst geplante Unterrichtsabschluss

Sie kennen es sicherlich nur zu gut: Die Aufmerksamkeit der Schüler sinkt plötzlich rapide; sie fangen an, auf ihren Stühlen hin und her zu rutschen oder schon erste Materialien einzupacken. Der Blick auf die Uhr zeigt: Nur noch wenige Minuten bis zum Klingeln – und jetzt muss es schnell gehen. Ratzfatz noch eine kleine Wiederholung, die Hausaufgaben müssen noch schnell verteilt werden. Dann gibt es da noch ein paar organisatorische Punkte. Und damit ist die Stunde auch schon vorbei. So verständlich es ist, dass der Unterrichtsabschluss in der Praxis oft hektisch verläuft: Es lohnt sich, ihm mehr Beachtung zu schenken. Denn ein guter Abschluss kann viel leisten. 

So können Sie ihn etwa nutzen, um effektiv ... 

  • Unterrichtsinhalte zusammenzufassen und zu wiederholen,
  • Ergebnisse zu sichern und zu dokumentieren,
  • neu Gelerntes anzuwenden und einzuüben,
  • Ausblicke zu geben und für das weitere Lernen zu motivieren,
  • organisatorische Fragen zu klären,
  • Feedback einzuholen (zum Lernstand und zur Unterrichtsgestaltung),
  • die Konzentrationsfähigkeit noch einmal anzuregen und
  • sich mit Ritualen zu verabschieden.

Ein paar wirkungsvolle, unkomplizierte Ideen haben wir einmal für Sie zusammengesucht. Entscheiden Sie selbst, welche Methode am besten für das Thema, für Sie und vor allem auch für Ihre Lerngruppe funktioniert. Alle Anregungen sind übrigens der Fundgrube "Unterrichtseinheiten erfolgreich abschließen – 100 ergebnisorientierte Methoden für die Sekundarstufen" von Arthur Thömmes entnommen (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0153-7). Dort können Sie sich bei Bedarf noch weiteren kreativen Input holen.

Ein guter Ausklang: Gelerntes soll sich in Ruhe "setzen"

Sie können den Schwerpunkt darauf legen, "zur Ruhe zu kommen, sich zu sammeln und eine Offenheit für die nächste Stunde zu entwickeln." Das neue Wissen soll sich setzen, die Schüler sollen die neuen Eindrücke sacken lassen und sie soweit loslassen, dass sie den Kopf wieder frei für Neues haben. Gleiches gilt natürlich auch für Sie. 

Eine geeignete Methode für Schüler ab 10 Jahren kann beispielsweise eine kleine Auszeit sein. Dafür müssen Sie nur ca. 2 Minuten einplanen. Das Ziel ist es, zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu tanken. Dazu schließen Sie die Stunde mit ein paar Minuten vollkommener Stille ab. Ruhige Musik kann die Entspannung zusätzlich unterstützen. Sie sollte aber nicht jedes Mal zum Einsatz kommen – die Schüler werden schließlich außerhalb des Unterrichts schon genug beschallt. 

Mit älteren Schülern ab 14 Jahren können Sie auch eine 5-minütige "Kaffeefahrt" machen. Die Schüler sollen sich vorstellen, sie würden an einer Kaffeefahrt teilnehmen, bei der geübte Verkäufer ihre Produkte schmackhaft machen wollen. Ein Schüler "verkauft" der Klasse nun das Thema, das in der Stunde behandelt wurde. Er wirbt für die Wichtigkeit und große Bedeutung und beantwortet die Kernfrage, warum die Schüler sich weiter mit dem Thema beschäftigen sollten. Die Mitschüler können gegebenenfalls Fragen stellen, Zweifel äußern oder Gegenargumente bringen ("Was hat das mit mir zu tun?"). So setzen sie sich noch einmal mit den Inhalten auseinander, trainieren ihre rhetorischen Kompetenzen und werden ermuntert und motiviert, am Thema weiterzuarbeiten. Meldet sich kein Schüler freiwillig für die Rolle des Verkäufers, können alternativ auch Sie die Verkaufsrede übernehmen.

Ein anderer möglicher Schwerpunkt: Wiederholung und Festigung

Oft ist es aber auch sinnvoll, den Unterrichtsabschluss vorrangig zu nutzen, um die neuen Inhalte zu wiederholen oder noch einmal zusammenzufassen, das Wissen zu festigen und den Lernerfolg zu sichern oder zu kontrollieren. Auch ein Ausblick auf die nächste Stunde kann an dieser Stelle erfolgen. 

Erfahrungsgemäß fällt es den Schülern häufig schwer, Begriffe und Themen im Zusammenhang zu sehen. Oft lernen sie sie isoliert und ohne den passenden Kontext. Mit Schülern ab 10 Jahren können Sie darum beispielsweise Begriffs-Domino spielen. Dazu beschriften Sie rechteckige Karten (die "Domino-Steine") mit entsprechenden (Schlüssel-)Begriffen rund um das Thema. Die Schüler bilden Gruppen und pro Gruppe erhalten sie Kärtchen mit 20 Begriffen. Begriffe mit inhaltlichem Bezug werden aneinandergelegt, wie die entsprechenden Ziffern beim Domino. Die Entscheidung, warum eine Karte an die andere passt, müssen die Schüler ihrer Gruppe erklären. Geben Sie den Schülern rund 10 Minuten Zeit für ihr Spiel. So wiederholen sie einerseits die Lerninhalte und machen sich andererseits die Zusammenhänge bewusst. 

Eine andere spielerische Möglichkeit, Lernerfolge zu sichern und zu kontrollieren, ist eine Fragerunde. In 10 Minuten wiederholen die Schüler so die wichtigsten Inhalte, indem sie Fragen zum Unterricht stellen. Dazu brauchen sie lediglich einen Ball und ein wenig Platz an der Tafel. Der erste Schüler schreibt einen Begriff aus der Stunde verdeckt an die Rückseite der Tafel. Er wirft den Ball an einen Mitschüler, der ihm jetzt – um den Begriff zu erraten – eine Frage stellen darf. Die Frage darf Schüler A aber immer nur mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Ist die Antwort "Nein", wird der Ball weitergeworfen, lautet sie "Ja" darf der Fragensteller sich noch eine Frage ausdenken. Wer den richtigen Begriff errät, darf die nächste Runde leiten. 

Fragen zum Lernthema zu entwickeln, ist auch das Ziel einer weiteren Methode. Dazu geben Sie den Schülern Karten, auf denen Sie ihre Fragen zum eben behandelten Thema aufschreiben sollen. Jeder soll sich auf eine Frage beschränken, die er möglichst klar und präzise formuliert. Dann werden die Karten eingesammelt, gemischt und an die Schüler verteilt. Jeder hat also eine Frage bekommen – und die gilt es dann als Hausaufgabe zu beantworten. Für diese Art des Unterrichtsabschlusses müssen Sie nur rund 5 Minuten einplanen, sie eignet sich gut für Schüler ab 10 Jahren.

Gar nicht so kompliziert – aber lohnenswert

Sie sehen: Ein geplanter, sinnvoller Abschluss muss gar nicht sonderlich aufwendig sein. Es lohnt sich, die paar Minuten und die minimale Vorbereitung zu investieren. Denn ein abruptes Ende hinterlässt bei Ihnen und auch bei Ihren Schülern ein Gefühl der Unzufriedenheit. Selbst wenn es nicht merklich hektisch oder chaotisch wird: Es bleibt keine Zeit für offene Fragen und für notwendige Erklärungen. Achten Sie also auf einen wirkungsvollen, bewusst geplanten Schlusspunkt – es lohnt sich für alle Beteiligten.

Fortbildungstipp

Lernkultur, Leistungsbewertung, Leistungsrückmeldungen
Heterogenität in der schulischen Praxis und der kompetenzorientierte Unterricht erfordern zeitgemäße und differenzierte Formen der Leistungsbewertung, denn Lernprozesse und Lernergebnisse müssen in der Bewertung aufeinander bezogen werden.
 

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