Schulrecht / 28.12.2018

Auszeit zwischen den Jahren

Schulrechtsfall Januar 2019

Darf man eigentlich zwischen den Zeugniskonferenzen und dem Beginn des zweiten 
Halbjahres eine Klassenarbeit schreiben lassen?

Bild: stock.adobe.com/Corgarashu

Der Fall

Endlich! Die Stressphase ist zu Ende. Die letzten Klassenarbeiten sind geschrieben, die 
Noten zusammengezählt und besprochen, und sogar die Zeugniskonferenzen für das 
erste Halbjahr sind vorbei. Anna Nass, unsere sympathische Kollegin, atmet erleichtert 
auf. Nun kann sie sich für ein paar Tage entspannt zurücklehnen, bevor das zweite 
Halbjahr beginnt. Aber was macht man zwischen den Halbjahren mit den Schülern? 
Früher konnte sie die Schüler noch damit begeistern, ihnen Filme zu zeigen oder mit 
ihnen Montagsmaler und Galgenmännchen zu spielen. Aber diese Zeiten sind (abgesehen 
von der Grundschule) definitiv vorbei. Als Anna im Lehrerzimmer dieses Problem 
schildert, erhält sie nicht nur große Zustimmung, sondern außerdem wertvolle Tipps, 
was man in dieser bleiernen Zeit mit den Schülern machen kann. Die Vorschläge reichen 
von Museumsbesuchen über Tagesfahrten bis zum gemeinsamen Frühstück. Einige 
verwegene Kollegen meinen sogar, man könne in dieser Zeit einfach weiter Unterricht 
abhalten. Einen ganz besonders exklusiven Vorschlag liefert wieder einmal Johannes 
Bähre. Er lässt in dieser Zeit häufig eine Klassenarbeit schreiben, die dann schon für das 
nächste Halbjahr zählt. Das sei eine gute Möglichkeit, die Schüler bei der Stange zu 
halten. Anna ist etwas erstaunt, weil sie von dieser Möglichkeit noch nie etwas gehört hat 
und fragt sich…

Die Rechtsfrage

Ist es zulässig, in dieser Zeit eine Klassenarbeit schreiben zu lassen?

Die Antwort

Ja, das ist nicht verboten.

Der Kommentar

Sie spüren in meiner Antwort vielleicht eine gewisse Zurückhaltung, weil bei einem 
solchen Vorgehen etliche Vorgaben erfüllt sein müssen. Aber vorweg eine persönliche 
Anmerkung: Es ist schon erstaunlich. Als ich als Lehrer anfing (1982), reichte es, wenn die 
Zeugniskonferenzen 3 Tage vor dem Ende des Schul(halb)jahres stattfanden. Heute, im 
Zeitalter der digitalen Revolution, wo angeblich alles schneller geht, finden sie an einigen 
Schulen bereits 2 Wochen vorher statt. Das führt dazu, dass die Zeit nach den Konferenzen 
von den Schülern nicht mehr ernst genommen wird, weil ja das erste Halbjahr 
(notenmäßig) vorbei ist, das zweite aber offiziell noch nicht begonnen hat. 
Aber wie sieht es juristisch aus? Darf in dieser Zeit überhaupt Unterricht stattfinden? 
Und falls ja, darf dann z. B. die mündliche Mitarbeit bewertet werden? Und wenn ja, 
in welches Halbjahr gehört die Note? Die Angelegenheit ist einfacher, als es zunächst 
aussieht. 

Wir nehmen erst einmal Oberstufenkurse und epochal unterrichtete Fächer heraus, 
weil bei ihnen mit der Zeugniskonferenz zum Ende des Halbjahres (notenmäßig) wirklich 
alles vorbei ist. Hier bleiben nur die oben genannten Möglichkeiten der Bespaßung. 
Aber es gibt ja auch Fächer, die ganzjährig unterrichtet werden. Und bei denen läuft der 
Unterricht ganz normal weiter. Die Zeugniskonferenz markiert das rechnerische Ende des 
ersten Halbjahres. Alles, was danach stattfindet, zählt bereits zum nächsten Halbjahr. Es 
darf in dieser Zeit folglich Unterricht stattfinden, die mündliche Mitarbeit darf bewertet 
werden, und es dürfte sogar eine Klassenarbeit geschrieben werden, deren Note dann 
natürlich ins zweite Halbjahr eingeht. 

Nun kommen die oben genannten Vorgaben: Die erste besteht in der Verpflichtung, 
Klassenarbeiten gleichmäßig über das gesamte Schuljahr zu verteilen. Falls also noch 
kurz vor der Zeugniskonferenz eine Arbeit geschrieben wurde, wäre es unzulässig, gleich 
nach der Konferenz schon wieder eine schreiben zu lassen. Worüber auch? Es ist ja kaum 
neuer Stoff behandelt worden, der abgeprüft werden könnte. Liegt die letzte Klassenarbeit 
jedoch schon länger zurück, so wäre das machbar, zumindest für die meisten 
Schüler. Aber eben nicht für alle. 

Denn das eigentliche Problem sind Schüler, die zum Halbjahr neu in die Klasse kommen. 
Sei es, weil die Eltern umgezogen sind oder weil Schüler eine Jahrgangsstufe zurückgehen, 
um so eine Nichtversetzung zu vermeiden oder einen besseren Notenschnitt zu 
erhalten. In der Regel kommen diese Schüler nach den „kleinen Zeugnisferien“ zum 
Halbjahresbeginn in ihre neue Klasse und würden also - ohne eigenes Verschulden - die 
erste Klassenarbeit versäumen. 

Die Klassenarbeit gleich am ersten Tag des zweiten Halbjahres zu schreiben, ist ebenfalls 
nicht ganz unproblematisch: Zum einen hätten diese Schüler den vorausgegangen 
Unterricht, auf dem die Klassenarbeit basiert, nicht mitbekommen. Zudem käme die 
Klassenarbeit für sie völlig überraschend, sie würde nicht, wie es Pflicht ist, einige Tage 
vorher angekündigt. Folglich müsste man für solche Schüler gegebenenfalls eine neue 
Klassenarbeit entwickeln. 

Dies alles erklärt Anna in netten Worten dem Kollegen Bähre, der erst einmal schluckt. 
Dann aber entscheidet er sich für die Lösung, die auch ich empfehle: Machen Sie weiter 
Unterricht und bewerten Sie ruhig die mündliche Mitarbeit, aber verzichten Sie auf 
Klassenarbeiten in dieser Zeit.

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Fortbildungstipp und Buchempfehlungen

Schulrecht für die Praxis
Kaum ein Lehrer wird praxisbezogen in sein Berufsrecht eingewiesen. Trotzdem müssen täglich wichtige Entscheidungen gefällt werden, die von außen schulrechtlich überprüft werden können. Der damit verbundenen Unsicherheit tritt die Fortbildung entgegen.
 

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